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Eigentlich ging es nur um eine einfache Passantenzählung, um die Attraktivität der Regensburger Altstadt festzustellen. Doch die Untersuchung des österreichischen Beratungsunternehmens lief völlig aus dem Ruder. Vor Kurzem wurde das Ergebnis bekannt gegeben, die Kritik trifft Regensburg hart.

Zu wenig Grün, zu viel Beton, zu viele Touristen-Gruppen und ungeeignetes Pflaster für hochhackige Damenschuhe... Mit dieser Abrechnung hat Regensburg wohl nicht gerechnet. Schließlich wird der Stadt schon seit Jahren Welterbetitel, historisches Flair und wunderschöne Altstadt nachgesagt. Diese Nachricht? Ein Schock!

Vor knapp einem Jahr beauftragte die Stadt Regensburg ein österreichisches Beratungsunternehmen, um Passantenzählungen in der Regensburger Altstadt vorzunehmen. Damit sollte der Frage nachgegangen werden, wie viele Passanten in der Stadt unterwegs sind und wie die Verteilung auf einzelne Straßen ausfällt. Im September 2013 wurden dann eine Woche lang Passanten Radfahrer sowie PKWs per Videokamera erfasst. Manch einer wird nun aus datenschutztechnischen Gründen in die Luft gehen, da die Regensburger ja unwissentlich "gefilmt" und erfasst wurden.

Der Auftrag lief aus dem Ruder
Die Stadt beauftragte das Unternehmen lediglich für die Passentenzählung, doch "abweichend vom Auftrag hat die Firma die Ergebnisse aber auch mit Bewertungen und Empfehlungen versehen, die nun vorab nach außen gelangt sind", so Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann. Eigentlich hätten die Ergebnisse der Passantenzählung zuerst mit der "Initiative Pro Einzelhandel" und dem "6. Immobilienforum Altstadt" erörtert und diskutiert werden sollen.

Nun ist das Geschrei groß: einerseits wegen der Geheimhaltung der Passantenzählung und andererseits wegen der zum Teil fragwürdigen Kritik des österreichischen Beratungsunternehmens.
Die österreichische Projektleiterin Constanze Schaffner versichert jedoch, die Stadt Regensburg nicht schlecht machen zu wollen. Es seien lediglich Verbesserungsvorschläge an die Domstadt.

Ergebnisse der Untersuchung
Das Beratungsunternehmen kommt anhand der Passantenzählung zum Entschluss, dass in Regensburg im Vergleich zu anderen Städten zu wenig Einwohner unterwegs sind. Touristengruppen bleiben dabei außer Beachtung. Schaffner macht dieses Resultat an einigen Auffälligkeiten fest:
Sie kritisiert beispielsweise bezüglich des Einkaufsvergnügen das Fehlen von Impulsstoppern und interessanten Zweitplatzierungen, die den Besucher ins Geschäft locken. Des Weiteren werden "in der Gastronomie Sessel auf die Straße gestellt, die wenig liebevoll dekoriert auf Besucher wirken. Auch die Straßenmöblierung ist wenig attraktiv, die Beleuchtung einfach gehalten. Leergeräumte Straßen mit zu wenig Grün verstärken die schwachen Passantenfrequenzen", so Schaffner. Zudem fügt sie an, dass besondere Stilelemente einer einzigartigen Stadt fehlen um eine "Stadtidentität" zu schaffen. "Einzelne Straßenzüge sind nicht individuell mit spezieller Geschäftsdeko, Blumenschmuck, Stilelementen etc. gestaltet."   

Doch die Kritik fällt noch härter aus: Die Innenstadt sei "nicht vitalisiert..., sondern für Einmalbesucher musealisiert" worden. Denn unzählige Touristengruppen pilgern durch die Stadt, der Regensburger Bürger und der PKW hingegen sei ausgesperrt. Lieferverkehr und unzählige Fahrradfahrer machen ein Einkaufsvergnügen unmöglich.
Die Feststellung, dass Innenstädte heute zu 60 bis 65 Prozent von Frauen besucht werden und diese daher auch in Regensburg getaugliche Pflastersteine verlangen, zaubert dem ein oder anderem Regensburger ein Schmunzeln ins Gesicht. 
Konkrete Vorschläge
Aber was soll die Stadt Regensburg nun konkret unternehmen? Das österreichische Unternehmen rät, Überlegungen zu formulieren wo die Stadt, Unternehmer und Immobilieneigentümer in Zukunft stehen wollen. Des Weiteren wird "ein Marktplatz und die Hauptgeschäftsstraße der Zukunft" vorgeschlagen. Der Marktplatz soll DER Treffpunkt in Regensburg werden, von dem überdurchschnittlich viele Passanten angezogen werden. Auf der Hauptgeschäftsstraße sollen Handel, Dienstleistungen und Wohnungen zu einer höheren Attraktivität und somit auch höheren Passantenfrequenz führen. Dann müssten dort auch Parkhäuser entstehen, die idealerweise nur 100 Meter  entfernt liegen dürfen.

Christine Schimpfermann, Planungs- und Baureferentin der Stadt Regensburg, stellt jedoch fest: "Überspitzt formuliert laufen diese Vorschläge auf einen kompletten Umbau der Alststadt hinaus. Wir haben in der Regensburger Altstadt jedoch einen wunderbaren vorgegebenen mittelalterlichen Raum, dessen Möglichkeiten wir aktiv weiterentwickeln müssen."

"Es macht wenig Sinn, Regensburg mit Städten zu vergleichen, die eine eindeutige 1a-Lage aufweisen. Entscheidend ist, das Alleinstellungsmerkmal der Welterbestadt Regensburg mit ihrem weit verzweigten Netz von Einkaufsstraßen mit hohem Anteil an denkmalgeschützten Gebäuden zu kommunizieren und stetig weiterzuentwickeln", ergänzt der Referent für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen, Dieter Daminger.

Auch der Bayreuther Professor Dr. Rolf Monheim, der sich seit den 1990er Jahren intensiv mit der Regensburger Situation beschäftigt, kommt anhand zahlreicher Analysen zu dem Schluss: "Es kommt entscheidend darauf an, die Innenstadt nicht primär unter quantitativen Gesichtspunkten einer maximalen Standort- (Über-)Nutzung zu sehen, sondern sie gemeinsam mit allen Beteiligten bzw. Betroffenen positiv als unverwechselbaren Identifikationsort zu positionieren."


Wir haben uns einen Kritikpunkt des österreichischen Unternehmens zum Anlass genommen und  Regensburger vor Ort in der Altstadt angesprochen. Braucht Regensburg mehr Grünflächen und Sitzgelegenheiten in der Altstadt?












"In Regensburger Innenstadt gibt es wirklich wenig Grünflächen!" Die junge Studentin Laura (21) spannt daher bevorzugt in Parkanlagen, wie beispielsweise Stadtpark oder Dörnbergpark aus. Auch entlang der Donau gibt es ihrer Meinung nach genügend Grün und Natur. "Man kann mehr Grünflächen in der Altstadt anlegen, muss aber nicht. Mich stört es jedenfalls nicht!"









Lara (23) stimmt dem österreichischen Beratungsunternehmen im Hinblick auf fehlenden Grünflächen und Sitzgelegenheiten zu. "Vor allem zwischen Maximilianstraße und Donau bräuchte man mehr Grün. Das muss aber nichts großes sein. Ein paar Bäume und Blumenkästen reichen, beispielsweise am Neupfarrplatz, völlig aus." Mehr Bänke würde sie sich in den Bereichen rund um den Dom und am Kornmarkt wünschen. "Im Allgemeinen aber finde ich, als gebürtige Regensburgerin, die Atmosphäre der Altstadt super!"









Marcel (25) aus Passau wohnt seit vier Jahren in der Domstadt und ist der Meinung, dass man Regensburg im gesamten Bild sehen  muss und Grünanlagen nicht zwingend erforderlich sind. "Man muss nur zwei Schritte gehen, denn die Altstadt ist umzingelt von einem "Grünanlagengürtel". Auch an der Donau ist genügend Natur vorhanden." Mehr Sitzgelegenheiten hingegen könnte er sich durchaus vorstellen.







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Foto: pixelio.de
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