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Deutscher Kleinkunstpreis, Berliner Bär, Österreichischer Kabarettpreis, Salzburger Stier – die Liste der Auszeichnungen für die Kabarettistin Lisa Eckhart ist lang. Eloquent und stilsicher in Sprache und Optik führt sie ihr Publikum durch ihre Programme, in denen visuelle Extravaganz mit verbalem Prunk korreliert und eine Welt diabolischen Ausmaßes kreiert wird. Wir haben uns mit Lisa Eckhart schon vor ihrem Besuch am 23. März in Regensburg unterhalten.

Frau Eckhart, danke, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen. Gleich vorab: Sie sind eine sehr wortgewandte Kabarettistin. Woher haben Sie dieses Talent und wie kamen Sie zum Kabarett?

Die Affinität zur Sprache erwuchs wohl ursprünglich aus dem närrischen Wunsch, hinter das Geheimnis sozialer Interaktion zu gelangen. Ich wollte ein Dutzend Fremdsprachen lernen, weil ich hoffte, in zumindest irgendeiner von ihnen Zugang zu einer gewissen Geselligkeit zu finden. Heut ist mir Sprache Instrument für tyrannische Ästhetik.

Es ist auffällig, dass Sie in Ihren Texten zwischen trivialer Sprache oder Umgangssprache auf der einen und gehobener Sprache auf der anderen Seite hin- und herwechseln. Mal drücken Sie sich sehr gewählt aus wie am Hof zur Zeit der österreichischen Monarchie, mal finden Sie sehr ausdrucksstarke, vulgäre Ausdrücke in Stammtischmanier für Ihre Schilderungen. Was reizt Sie genau an der Zusammenbringung dieser beiden Extreme?  

Wie das lateinische Wort sacer heilig und verwerflich bedeutet, sehe ich hierin keinen großen Unterschied. Sowohl das Erhabene als auch das Vulgäre ist für das Publikum befremdlich. Was mich wiederum befremdet, ist alles an der Oberfläche: das Flache, Seichte oder das Platte. Darum bewege ich mich lieber auf hohem Niveau oder unter der Gürtellinie.

Was 2009 beim Superbowl noch als Nipplegate in die Geschichte einging, machen Sie bei Ihren Auftritten en vogue, bis es nahezu gesellschaftskonform wirkt. Bei einem Auftritt aus dem Jahr 2018 im deutschen 3sat tragen Sie eine Bluse, aufgeknöpft bis zum Bauchnabel, darunter blitzen in Janet-Jackson-Manier zwei glitzernde Rechtecke hervor, die Ihre Brustwarzen bedecken. Bei einem weiteren Auftritt, ebenfalls im 3sat, tragen Sie als Frau eine Art Genitalschutz oder Pants mit Ausbeulungen an den entsprechenden Stellen. Welche Intention verfolgen Sie mit Ihren extravaganten Bühnenoutfits? Wollen Sie damit auch Ihre Inhalte unterstreichen und Ihre eigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen?

Die Frage müsste eher lauten, weshalb meine gesamte Kollegschaft solch einen desolaten Mangel an vestiärer Exzentrik aufweist. Die Kunst gebietet, den Ästhetizismus bis in das kleinste Detail zu verfechten. Verwundern sollte also nicht ich, sondern der geschmackliche Defaitismus der andern.

Korrigieren Sie mich, wenn ich komplett danebenliege, aber Sie sind eine polarisierende Persönlichkeit. Nicht nur aufgrund der zum Teil sehr pornografischen Inhalte Ihrer Programme, sondern auch aufgrund der Outfits. Welche positiven aber auch negativen Seiten gibt es in diesem Spagat zwischen innerer und äußerer Provokation?

Alles und jeder besteht aus Trieben und Kräften, die mit sich im Widerstreit sind, ergo polarisieren. Ich finde es darum weitaus provokanter, wenn nicht gar obszön, sollte Kunst diese Antagonismen kaschieren, das gesamte Publikum besinnungslos zum Schunkeln bringen und eine halluzinierte Eintracht propagieren.

Es gibt Künstler, die behaupten, Authentizität ist langweilig, vor allem auf der Bühne. Wie sehen Sie das?

Da bin ich absolut d'accord, doch ist Authentizität auch abseits der Bühne ein elendes Gräuel. Der heutige Kult der Authentizität ist eine dezidierte Absage an die Kultur. Man versucht nicht mehr mittels Bildung oder Erfahrungen eine Persönlichkeit zu entwickeln, sondern alles Äußere abzuschaben, um zu irgendeinem Wesenskern vorzudringen. Das endet bestenfalls in Monstrosität, meist aber nur in Langeweile.

Kabarettisten, Musiker, Schauspieler, Künstler im weitesten Sinne legen oft großen Wert auf die Differenzierung zwischen der Privatperson und der Person, die in der Öffentlichkeit steht und wollen dadurch das Gleichsetzen von privatem und öffentlichem Auftreten vermeiden. Welche Rolle spielt bei Ihnen das Kokettieren mit der Privatperson auf der einen und, ich nenne es mal, der Kunstfigur auf der Bühne auf der anderen Seite? Oder anders gefragt, welche Rolle spielt bei Ihnen das Kokettieren mit Fiktion und Realität?

Es zeugt von bedenklicher Lustfeindlichkeit, Fiktion und Realität stetig trennen zu wollen. Zu mir sei gesagt: Seit ich auf der Bühne stehe, muss ich privat endlich nicht mehr ich selbst sein.

Zum Abschluss noch die wichtige Frage: Was genau erwartet das Publikum am 23.03. in Regensburg mit Ihrem Programm „Die Vorteile des Lasters“?

Ein beschaulicher Spaziergang vom Himmel durch die Welt zur Hölle.

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