Ein Feierbiest im Haus der Bayerischen Geschichte


Ein Feierbiest, aus dessen Maul Wein strömt - einen solchen Schatz hält noch bis 8. März 2020 das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg bereit, und zwar in der Bayerischen Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“. Nicht live in Aktion, nur zur musealen Ansicht, aber garniert mit einer wunderbaren Geschichte.

Das Feierbiest ist ein Löwe, aus dessen geöffneten Maul Wein strömte und vor 370 Jahren die Nürnberger begeisterte. Er dürfte damals als ein Signal für eine neue, friedliche Zeit gesehen worden sein. Drei Jahrzehnte Verheerung und Zerstörung waren ins Land gegangen, bis 1648 in Münster und Osnabrück der Westfälische Friede den Dreißigjährigen Krieg endlich beendete.

Friedensmahl in Nürnberg: Aus dem Wappenlöwen fließt der Wein

Seit seinem Eintritt in den Krieg 1630 galt Schweden als bedeutende Macht in den Auseinandersetzungen. Angeführt vom schwedischen König Gustav Adolf hatten die protestantischen Truppen zu Beginn der 1630er-Jahre fast ganz Bayern eingenommen. Das Kriegsglück war bis zuletzt wechselnd gewesen, doch auch bei Kriegsende spielte Schweden noch eine wichtige Rolle und viele seiner Soldaten streiften durch das ausgeblutete Land. In der Reichsstadt an der Pegnitz wurde auf dem sogenannten Nürnberger Exekutionstag von 1649/50 unter anderem darüber verhandelt, wie der Abzug der auswärtigen Truppen aus dem Reich zu finanzieren sei. Um ein erstes Teilabkommen zu feiern, lud der schwedische Hauptdiplomat und spätere Thronfolger Pfalzgraf Karl Gustav von Zweibrücken am 25. September 1649 (nach dem evangelischen Kalender) alle Gesandten zu einem großen Festessen ein. Es ging als „Nürnberger Friedensmahl“ in die Geschichte ein.

Ein denkwürdiger Anlass – jedoch nicht nur für die an den Verhandlungen beteiligten Gesandten und Diplomaten. Auch die Bewohner der Stadt konnten auf eine ganz spezielle Weise an den Verhandlungserfolgen teilhaben. Grund dafür war die spektakuläre Figur eines schwedischen Wappenlöwen, die im Rathausfenster platziert worden war. Aus zwei Röhren im Mund der Löwenfigur floss literweise Rot- und Weißwein, den die Bevölkerung außen an den Rathausmauern aus zwei Bottichen schöpfen und natürlich auch trinken durfte. So feierten alle zusammen noch einmal das Ende des Krieges.

Noch bis 8. März: „100 Schätze aus 1000 Jahren“ in Regensburg

Die Figur des Schwedischen Wappenlöwen ist eines von hundert ausgewählten Exponaten der Bayerischen Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“, die noch bis 8. März 2020 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg bestaunt werden können.
Bildquelle: Kamerafoto / filterVERLAG | xx



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