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Ein zentraler Aspekt bei der jüngsten Bürgermeisterkonferenz im Landratsamt war das Thema „Wasserrückhalt in der Fläche". Vertreter verschiedener Ämter, Einrichtungen und Behörden erläuterten dabei den Bürgermeistern die Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven. Landrätin Tanja Schweiger betonte in ihrer Einführung, dass Wasserrückhalt in der Fläche eine gemeindeübergreifende Aufgabe ist, die im Landkreis vorbildlich erfüllt werde. Sie erinnerte auch daran, dass Wasserrückhalt immer wichtiger für die Trinkwasserneubildung sei.

Die Aktivitäten des Landschaftspflegeverbandes stellte Geschäftsführer Josef Sedlmeier vor. Neben der Artenvielfalt sei die Verbesserung der Gewässerqualität eines der vordringlichen Ziele, das auch durch die Wasserrahmenrichtlinie gefordert wird. Als konkrete Maßnahmen nannte Sedlmeier zum einen, Fluss- und Gewässerufer weiter zu öffnen sowie – falls nötig – ein Konfliktmanagement bei schwer oder nicht verfügbaren Flächen. Zum anderen erwähnte er die Zusammenarbeit mit den Gemeinden in Sachen Gewässerausbaumaßnahmen, um größere Retentionsbereiche zu erhalten. Förderungen durch die Wasserwirtschaft und die Mitwirkung beim Projekt „boden:ständig", stünden als Instrumente zur Umsetzung bereit.

Alle Beteiligten sollten mitwirken

Detaillierter auf das Projekt „boden:ständig" sowie auf weitere Instrumente der ländlichen Entwicklung ging Georg Guggenberger, Abteilungsleiter Fachliche Dienste beim Amt für Ländliche Entwicklung, ein. „Der Wasserrückhalt in der Fläche ist nur in Zusammenarbeit der vielen Beteiligten zu schaffen", merkte Guggenberger zu Beginn seiner Ausführungen an. Er verwies auf Starkregenereignisse mit Erosion von Erdreich auf frisch bestellten Ackerflächen und dem Abfluss in Gewässer und Ortschaften. Daher seien, so der Abteilungsleiter, vorbeugend Fachplanungen nötig, an denen alle Beteiligten mitwirken sollten. Man arbeite beispielsweise mit höhergelegten Wegen quer zur Fließrichtung, um den Bodenabtrag einzudämmen und für Rückhalt zu sorgen. Das Projekt „boden:ständig" gehe unter anderem auf die Winterbedeckung der Felder und die Frühjahrsaussaat ein, um dem Bodenabtrag zu begegnen. Mit Projekten in Gailsbach, Pfakofen und an der Großen Laber werde dieses Thema auch im Landkreis umgesetzt.

Aktiver Humusaufbau dringend nötig

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) ist im Boden- und Gewässerschutz sehr aktiv, wie Ludwig Pernpeintner schilderte: „Durch Pflanzenbautagungen und Winterversammlungen und durch zwei Demonstrationsbetriebe für Gewässerschutz finden regelmäßig Veranstaltungen zu Zwischenfrüchten, Mulchsaat oder mit dem Regensimulator statt." Mit Stolz verwies er auf 300 Hektar oder 270 Kilometer Gewässerrandstreifen im Amtsbereich, womit der Landkreis Regensburg den ersten Platz in der Oberpfalz und den zweiten Platz in ganz Bayern belegt.

Die Thematik „Boden als Wasserspeicher" erörterte Franz Rösl, Erster Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) gesunder Boden e.V.: „Ein natürlicher Erosions- und Hochwasserschutz geschieht durch einen gesunden Boden", verdeutlichte er zu Beginn seines Statements. „Ein guter humusversorgter Boden kann 150 Liter Wasser pro Stunde auf einem Quadratmeter (h/m²????) aufnehmen, aktiver Humusaufbau ist deshalb dringend nötig. Das Wasser muss in der Fläche bleiben", lautete der Appell des IG-Vorsitzenden.

Grundsätzliche Rückhaltekonzepte stellte der beim Wasserwirtschaftsamt für Stadt und Landkreis Regensburg zuständige Abteilungsleiter Josef Lehner beispielhaft vor. Beim integralen Hochwasserschutzkonzept gehe es um das komplette Einzugsgebiet eines Gewässers. Es müsse Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser sowie ein Klimazuschlag von 15 Prozent geboten werden. Eine weitere Möglichkeit sei das integrale Sturzflutrisikomanagementkonzept, das sich noch bis zum 31. August in der Pilotphase befindet und vor allem bei „wild abfließendem Wasser" Anwendung finden soll. Für beide Konzepte verwies Lehner auf eine mögliche interkommunale Zusammenarbeit. „Man ist nicht an kommunale Grenzen gebunden", erklärte er und verwies auf hohe Förderungen. Bilder zeigten bereits realisierte Rückhaltebecken und Gewässerrenaturierungen in Bach an der Donau, Lappersdorf, Pfatter, Brunn, Schierling und Regenstauf sowie am Gittinger, Allersdorfer und Langenerlinger Bach. Alleine in fünf Gemeinden würden durch Rückhaltebecken 372.000 Kubikmeter Wasser zurück gehalten. Durch Gewässerrenaturierungen an circa zehn Bächen kommen weitere 150.000 Kubikmeter hinzu. „Bereits im Rahmen der Bauleitplanung können weitere Weichen gestellt werden", erläuterte er an beispielhaften Festsetzungen in Bebauungsplänen. Diese seien im Landkreis längst Standard, wie beispielsweise Dachbegrünungen, Verringerung versiegelter Flächen, Rückhaltemaßnahmen und Versickerungen, lobte er.

Problemräume identifizieren

Die Instrumente der Regionalplanung stellte der bei der Regierung der Oberpfalz für Landes- und Regionalplanung zuständige Leitende Regierungsdirektor Axel Koch vor. „Über die Regionalplanung sind aber nur die öffentlichen Stellen zu erreichen", schränkte er ein. Wichtig sei daher der Wille der Gebietskörperschaften, sich der Regionalplanung zu bedienen. In einem weiteren Schritt seien Problemräume konkret zu identifizieren, Hochwasserentstehungsgebiete zu definieren und geeignete Maßnahmen zu überlegen. „Die wirklichen und verbindlichen Vorgaben erfolgen durch die Kommune, die Ministerien unterstützen natürlich dabei. Es macht aber nur Sinn, wenn auf breiter Ebene der Kommunen und des Landkreises das Interesse besteht, diesen Weg zu gehen", erklärte Koch.

An der Infoveranstaltung nahmen auch Vertreter von Wasserzweckverbänden und des Bayerischen Bauernverbandes teil. Kreisobmann Johann Mayer warb für „immergrüne Äcker". Darüber hinaus ging es in den Nachfragen und der Diskussion unter anderem um die Reaktivierung von Auenlandschaften, die hohen Grundwasserstände, die Ansiedlung von Gewerbe mit der Folge der Versiegelung und langfristige Möglichkeiten, Versiegelungen wieder zurückzunehmen.
Bildquelle: Kamerafoto / sonstige | Markus Bauer

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