Sudetentag in Regensburg: Bayern und Tschechien rücken zusammen


Die Sudetendeutschen begangen am vergangenen Wochenende zum 70. Mal ihr Pfingsttreffen – in diesem Jahr zum ersten Mal in Regensburg. Unter dem Motto „Ja zur Heimat im Herzen Europas“ ging das Treffen mit einem Bekenntnis zum vereinten Europa zu Ende. Doch trotz aller Freundschaft wird es ein Sudetendeutsches Treffen in Tschechien so schnell wohl nicht geben.

„Wir können stolz sagen: Nach Jahrzehnten der Trennung sind wir heute Nachbarn und Freunde im Herzen Europas", so Ministerpräsident Markus Söder. Söder lobte zudem die Sudetendeutsche als „europäische Botschafter“ und bezeichnete sie als Vorbild für Heimatverbundenheit. Weiterhin hoben Söder sowie Innenminister Horst Seehofer in ihren Reden die Bedeutung der Sudetendeutschen als Brückenbauer für das gute Verhältnis zwischen Bayern und Tschechien hervor. Sowohl Söder als auch der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, betonten dabei weiterhin, die Beziehungen weiter ausbauen zu wollen. Der tschechische Botschafter Tomás Jan Podivínský sagte weiterhin, dass die Freundschaft zwischen Bayern und Tschechien auch für andere in Europa ein Vorbild sein könne und die Menschen in beiden Regionen auf diese Freundschaft stolz sein könnten.

Die Anwesenheit des tschechischen Botschafters bezeichnete Posselt zudem als eine „kleine Sensation“, schließlich vertrete der Botschafter den Staat, was ein weiterer Schritt auf dem Weg der Verständigung sei. Vor dem Hintergrund der schwierigen Vergangenheit mit dem Zweiten Weltkrieg und den vielen Vertreibungen wäre es noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen, dass auf dem Sudetendeutschen Tag ein Vertreter Tschechiens redet.

Sudetendeutscher Tag in Tschechien? Vorerst wohl nicht.

Dass der 70. Sudetendeutsche Tag in Regensburg stattfand, kam nicht von ungefähr. Die Sudentendeutschen wollten ihr Treffen so nah wie möglich an der bayerisch-tschechischen Grenze abhalten. Ob es jemals einen Sudetendeutschen Tag in Tschechien geben wird, bleibt allerdings ungewiss. Seehofer betonte dabei, dass die Geschichte erst abgerundet sei, „wenn wir einen Sudetendeutschen Tag in Tschechien begehen“. Und auch die Sudetendeutschen würden wohl einer Einladung einer Stadt aus Tschechien folgen. 

Diese Idee findet in Tschechien selbst bislang allerdings wenig Anklang. „Das würde ich für eine nicht zu akzeptierende Provokation halten“, sagte der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis der Zeitung Pravo. Weiterhin sagte der Gründer der Partei ANO, dass er hoffe, dass dieser Vorstoß nicht ernst gemeint sei. Auch weitere tschechische Politiker zeigten sich wenig erfreut über Seehofers Vorschlag. Jan Chojka, Fraktionsvorsitzender vom sozialdemokratischen Koalitionspartner CSSD, empfindet solche Gesten „so viele Jahre nach dem Krieg“ als unnötig. Miroslav Kalousek von der konservativen Oppositionspartei TOP09 ergänzte, dass die richtige Zeit dafür noch nicht gekommen sei.
Bildquelle: bigstockphoto.com | dero2084



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