Illegaler Tiertransport in der Oberpfalz: Viele Tiere sind wohlauf


Die rund 320 Hundewelpen, Vögel und exotischen Säuger, die bei der Kontrolle eines belgischen Kastenwagens am 13. Mai bei Waidhaus beschlagnahmt wurden, sind weitgehend wohlauf. Tierschutzvereine nahmen die Tiere aus dem illegalen Transport in ihre Obhut und kümmern sich seitdem um sie. Nun kämpfen sie dagegen, dass die Tiere am Ende wieder ihren Eigentümern übergeben werden.  

„Keinesfalls dürfen die Tiere, die sich in den Tierheimen und Auffangstationen gerade von ihren Strapazen erholen, am Ende wieder ihrem Eigentümer überlassen werden“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Auch Nicole Brühl, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Bayern, fordert, dass die Tiere eingezogen werden. Zudem müssten diese Tierhändler aufgrund erheblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, die Tierschutztransportverordnung, das Gesundheitsgesetz sowie gegen bestehende Artenschutzvorgaben bestraft werden, so Brühl weiter.

Rund 20 Finken überlebten die schlimmen Transportbedingungen nicht

Der Großteil der Tiere – 27 Hundewelpen und 250 afrikanische Finken aus fünf verschiedenen Arten – kamen in die Obhut der Tierschützer des Tierschutzvereins Wunsiedel-Marktredwitz und Umgebung. Sie waren bei der Beschlagnahmung als erste vor Ort. „Rund 20 Finken haben die schlimmen Transportbedingungen – eng zusammengepfercht und ohne Wasser – leider nicht überlebt“, berichtet die Vereinsvorsitzende Eveline Klose. „Die anderen sind zum Glück wohlauf und können – wenn der Händler sein Eigentum aufgibt – auch vermittelt werden.“ Für die Vögel hat das vereinseigene Tierheim Breitenbrunn extra ein komplettes Zimmer leer geräumt.

Hundewelpen können bald vermittelt werden

Die Hundewelpen, darunter drei Möpse, sieben Dackel, acht Französische Bulldoggen, vier Chow Chows, ein Boxer und vier Pudel-Mischlinge, litten unter starkem Wurmbefall und Durchfall, sind aber mittlerweile stabil. „Die Welpen können wir vermitteln, sobald sie alt genug sind bzw. die Quarantäne überstanden ist, weil der ursprüngliche Eigentümer hier zum Glück bereits auf sein Eigentum verzichtet hat“, so Klose. Vorher werden die Welpen noch gechippt und erhalten die notwendigen Impfungen. Tierliebe Interessenten für eine Adoption gibt es bereits.

Noch keine rechtliche Handhabe für die Exoten

illegaler tiertransport in der oberpfalz viele tiere sind wohlauf full1Exotische Vögel aus dem Transport von Waidhaus landeten auch im Tierheim des Tierschutzvereins Pfaffenhofen: Sechs afrikanische Opalracken leben dort nun in einer großen Voliere. „Wir sammeln täglich frische Äste, da sie sich gern im Dickschicht verstecken“, erzählt die Vereinsvorsitzende Manuela Braunmüller. „Alle sechs sind sehr zutraulich und es geht ihnen jetzt zum Glück wieder ausgezeichnet.“ Da die Haltung besonderer Fachkenntnisse bedarf, will der Verein die Racken nicht vermitteln, sondern ihnen auf dem Tierheimgelände eine Freiflugvoliere bauen. Noch liegt das Eigentum an diesen Tieren allerdings beim Händler. „Wir sind aber keinesfalls dazu bereit, diesem die Tiere wieder zu überlassen“, zeigt sich Braunmüller kämpferisch.

Exotisch geht es auch bei der Münchner Auffangstation für Reptilien zu: Die drei Weißwedelhirsche, ein Lisztäffchen, einen Elstertoko, zwei Grünschwanz-Glanzstare sowie 20 Schwarzbrust-Sandflughühner aus dem Transport aufgenommen hatte. „Den Tieren geht es soweit gut, sie haben sich vom Transport erholt“, sagt Fachtierärztin Sabine Öfner von der Reptilienauffangstation. „Wir sind gerade dabei, die nötigen Untersuchungen zu machen, etwa die Tests auf mögliche Parasiten. Wie es dann weitergeht, hängt von der Behörde ab.“ Ähnlich wie bei den anderen Tierheimen ist die Station aktuell nur „Verwahrer“ der Tiere im Auftrag der Behörde, hat also keinerlei rechtliche Handhabe.

Sterbender Schwan erwacht in Nürnberg wieder zum Leben

Die vier russischen Kampfgänse und die vier Schwäne, die der Tierschutzverein Noris in Nürnberg aufgenommen hatte, gehören ebenfalls noch dem ursprünglichen Eigentümer. „Bis geklärt ist, wer zukünftig Eigentümer der Tiere sein soll, leben sie auf der Pflegestelle, wo sie sich sichtlich wohl fühlen“, berichtet Robert Derbeck, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Auch der Schwan, der bei der Beschlagnahmung den Kopf hängen ließ und scheinbar bereits im Sterben lag, konnte gerettet werden: Die Tierschützer ernährten ihn über eine Sonde; jetzt ist er auf dem Weg der Besserung. Damit sich die Tiere auf dem Außengelände der Pflegestelle frei bewegen können und dennoch nicht wegfliegen, haben die Tierschützer ihnen die Schwungfedern kürzen lassen. „Diese wachsen jedoch wieder nach“, erklärt Derbeck. „Wenn die Schwäne in unser Eigentum übergehen, würden wir sie fliegen lassen – schließlich sind es Wildtiere.“

Tierschützer fordern härtere Strafen

Der Fall zeige, dass die Aufnahme vieler Tiere aus beschlagnahmten Transporten für die Tierheime einen großen personellen und organisatorischen Aufwand bedeutet und mache erneut deutlich, wie lukrativ das Geschäft mit Tieren offenbar ist, so der Deutsche Tierschutzbund. Zusammen mit seinem Landesverband fordert er daher häufigere Kontrollen und härtere Strafen für die Verantwortlichen und macht sich zudem für ein Verbot des Tierhandels über das Internet stark. Gleichzeitig braucht es aus Sicht der Tierschützer gesetzlich bindende Regelungen für die Erstattung der Kosten, die den Tierheimen entstehen.
Bildquelle: Kamerafoto / sonstige | Deutscher Tierschutzbund Landesverband Bayern e.V.



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