Elefanten-Spaziergang durch Cham: Tierschützer fordern Sanktionen


Da staunten Autofahrer nicht schlecht: Am Montagnachmittag marschierte plötzlich ein Elefant über die Janahofer Straße in Cham. Tierschützer sind von dieser außergewöhnlichen Attraktion wenig erfreut und erheben erneut schwere Vorwürfe gegen „Circus Afrika“.

Der Vorfall am Montag hatte sich beim Ausladen der Tiere ereignet, bei dem ein Elefant auf die Straße lief. Ein Feuerwehrmann sah den Elefanten auf der Fahrbahn und verständigte die Polizei. Nach ihren Angaben sollen sogar drei Zirkus-Elefanten unterwegs gewesen seien. Bis die Polizei am Ort des Geschehens eintraf, waren die Dickhäuter aber bereits von Zirkusmitarbeitern eingefangen worden. Ein Einschreiten der Beamten war nicht nötig, verletzt wurde ebenfalls niemand.

Die Tierrechtsorganisation PETA übt derweil erneut scharfe Kritik am „Circus Afrika“, der ab Donnerstag mit seinen drei Elefanten direkt neben der Janahofer Straße gastiert. PETA kritisiert den Zirkus und seinen Direktor Hardy Weisheit vor allem für die mangelhafte Tierhaltung und wandte sich in einem Schreiben an die Stadt. Unzulässiges Anketten der Elefanten während des Tages, mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten, Temperaturen im Stallzelt nahe dem Gefrierpunkt: Die Liste der wiederkehrenden Verstöße und das damit verbundene Leid der Elefanten sei schier endlos, so PETA. Angesichts der wiederholt auftretenden, gravierenden Missstände fordert die Tierrechtsorganisation nun, dass dem Zirkusdirektor zumindest für die Elefanten die Erlaubnis zur Tierhaltung nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes entzogen werde. „Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes und immer wieder negativ aufgefallen. Nun müssen endlich Konsequenzen folgen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA.

Tierschutzverstöße, Sach- und Personenschäden bei „Circus Afrika“

Laut PETA würden zahlreiche Videoaufnahmen das sogenannte „Weben“ der Elefanten belegen. Dabei schwingen sie pausenlos mit Kopf und Rüssel hin und her – ein Zeichen für schweres seelisches Leiden, so PETA. Elefanten würden im Zirkus in der Regel jede Nacht an zwei Beinen fixiert und mit dem sogenannten Elefantenhaken – einem Stock mit spitzem Metallhaken – gefügig gemacht, so weitere Vorwürfe der Tierschützer. Bei Circus Afrika würden die Elefanten immer wieder auch tagsüber längere Zeit angekettet, was gegen die Zirkusleitlinien verstoße. Bei einem Gastspiel in Halle (Saale) 2013 habe die zuständige Veterinärbehörde im Stallzelt Temperaturen zwischen zwei und neun Grad Celsius dokumentiert, vorgeschrieben sind mindestens 15 Grad. Laut einem Gutachten im Auftrag der Tierschutzbeauftragten des Landes Hessen würde die Elefantendame Gandhi, die auch auf den Videomitschnitten in Cham zu sehen ist, ein großes Bauchödem. Bei den beiden anderen Elefanten Tonga und Moja seien die Beine auch wegen des andauernden Stehens auf hartem Untergrund teilweise deformiert.
 
Forderung nach einem Tierverbot im Zirkus

Die Tierrechtsorganisation versucht mit Hilfe von Petitionen seit langem, bei der Bundesregierung ein Tierverbot im Zirkus zu erwirken. Bislang ohne Erfolg. PETA stützt sich bei ihrem Vorhaben auch auf Expertenmeinungen zum Dressieren von Tieren. Gerade die Dressur von Elefanten funktioniere Experten zufolge nur mit Gewalt und Zwang. Der Bundesrat begründete 2016 in seiner Entschließung, warum insbesondere Elefanten erheblich im Zirkus leiden. Laut einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 vertreten außerdem 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Bezüglich exotischer Wildtierarten sprechen sich auch die Bundestierärztekammer und die Agrarressorts der Länder für ein Verbot aus. Letztere haben erst kürzlich ihre Forderung an die Bundesregierung nach einer Regelung bekräftigt.
Bildquelle: Kamerafoto / sonstige | xx



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