Neue Studie: Schizophrenie im Blick


Die Augen lügen nicht. Und das scheinbar nicht einmal, was psychische Erkrankungen wie die Schizophrenie betrifft, zumindest legt das eine aktuelle Studie des Ulmer Universitätsklinikums nahe. Die Professoren Carlos Schönfeldt-Lecuona und Elmar Pinkhardt haben kürzlich nachgewiesen, dass sich bei Schizophrenen die Netzhaut mitsamt des optischen Nervs verändert. Netzhautscans könnten daher zukünftig bei der Früherkennung schizophrener Krankheiten zum Einsatz kommen.


Wie Studienleiter Pinkhardt erklärt, bekräftigen die Studienergebnisse vorausgegangene Untersuchungen zum Thema. Denen zufolge geht Schizophrenie mit Verschmälerungen und Volumenverlusten der Netzhautschichten einher. Im Verlauf der Erkrankung nimmt die Nervenfaserschicht immer weiter ab, so legen die aktuellen Erkenntnisse nahe.

Augendiagnostische Hinweise auf Allgemeinerkrankungen

Die Ulmer Studienergebnisse überraschen nur in Maßen. Seit Jahrhunderten setzt man in der Alternativmedizin Augendiagnostik zur Krankheitserkennung ein. Bluthochdruck beispielsweise führt oft zu Gefäßverdickungen innerhalb der Netzhaut. Beschädigungen der sensiblen Augengefäße können wiederum Hinweise auf Diabetes liefern. An der Hornhaut lassen sich Fettstoffwechselstörungen sowie Leberprobleme ablesen und Augenentzündungen korrelieren häufig mit rheumatischen Erkrankungen. Alternativmedizinische Augendiagnostik dieser Art gilt daher bereits seit einiger Zeit auch in der Schulmedizin als anerkannte Methode, um Hinweise auf Allgemeinerkrankungen zu sammeln.

Ein fortschrittliches Jahrhundert für die Augenheilkunde

Im vergangenen Jahrhundert hat die Augenheilkunde viele Meilensteine erlebt. Von der Einführung der Kontaktlinse über Fortschritte bei der Behandlung altersbedingter Makuladegeneration bis hin zu innovativen Brillen-Modellen, die immer individueller auf ihre Träger abstimmbar sind. Augendiagnostische Verfahren zur Bestätigung von Schizophrenie-Diagnosen mögen heutzutage noch Zukunftsmusik sein, aber sind angesichts dieser generellen Fortschritte der Augenmedizin eine durchaus vorstellbare Vision. Bisher gilt Schizophrenie als eine nur schwer diagnostizierbare Erkrankung, weshalb der Einsatz neuer Diagnoseinstrumente umso interessanter erscheint.

Schneller zur individuellen Therapie

Das Ulmer Universitätsklinikum fasst nach den dokumentierten Korrelationen zwischen Netzhautveränderungen und Schizophrenie zusammen, dass dreidimensionale Netzhautscans zukünftig eine schnellere Therapie schizophrener Patienten ermöglichen könnten. Allerdings seien hierzu weiterführende Untersuchungen erforderlich. Etwa 800.000 Deutsche leiden aktuell an einer diagnostizierten Schizophrenie, aber die Dunkelziffer liegt Experten zufolge wesentlich höher. Problematisch sei bei der Diagnose vor allem die symptomatische Überschneidung mit anderen Erkrankungen der Psyche. Sowohl die Schizophrenie als auch Depression sind beispielsweise von Antriebslosigkeit gekennzeichnet. Fehldiagnosen sind vor Hintergründen wie diesen keine Seltenheit. Ob der Einsatz netzhautdiagnostischer Methoden entsprechende Diagnosefehler reduzieren könnte, bleibt allerdings abzuwarten. Erst 2012 hatten britische Wissenschaftler festgestellt, dass sich die Augenbewegungen schizophrener Personen wesentlich von denen gesunder Menschen unterscheiden. Zusammen mit den aktuellen Ergebnissen aus Ulm scheinen solche vorausgegangenen Beobachtungen zumindest nahezulegen, dass die Zukunft der Schizophrenie-Diagnostik auch in der Augenheilkunde liegt.
Bildquelle: bigstockphoto.com | PathDoc



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