Chancen für Bewerber, Sorgen für Betriebe


Die Lage am Ausbildungsmarkt im Handwerk ist für Bewerber so gut wie nie, für Betriebe aber ist sie eine Herausforderung – das zeigen Daten der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. 2.378 Jugendliche starten im neuen Ausbildungsjahr eine Lehre im Oberpfälzer Handwerk. Das sind 7,58 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auf einen Bewerber kommen in Bayern laut Statistik der Agentur für Arbeit aktuell 3,5 freie Lehrstellen. „Wir haben einen sehr bewerberfreundlichen Markt“, sagt Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Für die Betriebe sei die Situation – trotz einer sehr guten Geschäftslage – aber weniger glücklich: „Um geeigneten Nachwuchs zu finden, müssen sich die Betriebe aus der Menge der Arbeitgeber hervortun.“

Freie Ausbildungsplätze in fast allen Berufen

In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer sind oberpfalzweit Ende August 623 freie Ausbildungsplätze quer durch alle Berufe und Regionen gemeldet. Die meisten freien Stellen gibt es in den Berufen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker und Metallbauer. „Interessant ist, dass die Bereiche mit dem größten Bedarf fast deckungsgleich mit den ausbildungsstärksten Berufen sind“, so Schmidt. Für Jugendliche bedeutet das: „Auch nach dem offiziellen Start ins Ausbildungsjahr ist es noch möglich, im jeweiligen Wunschberuf anzufangen.“

Stärken kommunizieren gegen Konkurrenzdruck

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist hoch, doch haben sie mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen: „Ostbayern ist demografisch bedingt besonders von rückläufigen Schulabgängerzahlen betroffen“, weiß Hans Schmidt. Gleichzeitig sei der Konkurrenzdruck sehr hoch – ob durch andere Branchen, weiterführende Schulen oder Studium. „Um sich zu behaupten, müssen die Handwerksbetriebe den Jugendlichen und ihren Eltern aufzeigen, warum sich eine Ausbildung ausgerechnet bei ihnen lohnt“, rät er. Auftrumpfen könne das Handwerk mit vielen Vorteilen, darunter eine Arbeitsstelle in Heimatnähe oder gute Verdienstmöglichkeiten. Unterstützung für ein gelungenes Ausbildungsmarketing bekommen die Betriebe durch Nachwuchs- und Imagekampagnen des Handwerks und gezielte Aktionen der Handwerkskammer.

Handwerk versucht sein Image zu bessern

Mit Blick in die Zukunft äußert sich die Handwerkskammer optimistisch: „Die berufliche Bildung und das Handwerk gewinnen weiter an Wertschätzung“, so Hans Schmidt. Das zeige sich auch anhand von mehr Auszubildenden mit mittlerer Reife oder Abitur. Erstere machen ein Drittel der Lehrlinge aus, Hochschulreife haben neun Prozent. Mit über 130 Berufen und zahlreichen Weiterbildungsangeboten bietet das Handwerk eine breit gefächerte berufliche Zukunft. Beispielsweise als selbstständiger Unternehmer: In den kommenden zehn Jahren suchen 11.000 Handwerksbetriebe in Ostbayern einen Nachfolger.
Bildquelle: Kamerafoto / sonstige | Maxime Agnelli



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