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"Nächste Haltestelle Domplatz. Zur Rechten passieren wir gerade die historische Bischofsgruft." So - oder so ähnlich könnte die Ansage im Verkehrsmittel der Zukunft klingen - geht es nach der CSU. Die Idee vom Metrobus ist allerdings 30 Jahre alt und wurde bereits damals als undurchführbar abgehakt.

Im Wahlkampf wird anscheinend alles möglich. Auch eine unterirdische Route quer durch die historische Alstadt Regensburgs. Für OB-Kandidat Christian Schlegl ist das Thema eine wichtige "Herzens-Angelegenheit", deshalb lud er höchstpersönlich zu einer Busfahrt durch die Innenstadt. "Man sieht, dass oft schon zu normalen Tageszeiten ein rasches Durchkommen kaum möglich ist", betont er und verweist gleich auf die unzumutbaren Zustände zu den Stosszeiten gegen 17 Uhr. 


Wie bei einer herkömmlichen U-Bahn könnte man an den wichtigsten Plätzen wie Dom- oder Haidplatz mit Rolltreppen 20 Meter zur entsprechenden Station nach unten gehen und in Windeseile sei der Fahrgast in seinem Stadtteil, ohne großartig umsteigen zu müssen. Die Idee ist eine Bustrasse, die ab  dem Ernst-Reuter-Platz unterirdisch werde, das noch zu planende RKK (Foto rechts) unterirdisch anbindet, quer durch die Altstadt unter dem Arnulfsplatz als Drehscheibe hindurch dann am Platz der Einheit wieder oberirdisch laufe.

"Die Welterbeparallele wird damit frei, weil wir fast alle Buslinien in kürzester Taktung durch die Tunnelröhren leiten können", erklärt Schlegl sein Vorhaben. "Und wenn sich herausstellen würde, dass wir mit dem Metrobus sogar eine im Raum stehende Westtrasse über die Donau sparen könnten, dann wäre das ein Glücksfall. Das kostet schließlich alles Geld." Wenn man natürlich von den 200 bis 300 Millionen für einen Metrobus im Tunnel absieht. Da aber Schlegl mit mindestens 70 Prozent Zuschüssen rechne, würden auf die Stadt über 15 Jahre Bauzeit verteilt "nur gut 60 Millionen" zukommen. Und Projekte in dieser Größenordnung - egal ob FOS/BOS, Stadion oder Osttangente seien ja "für die Stadt auch nichts neues". In Rhode Island hat man sowas (Foto links der Hope Street Bus Tunnel) schon vor 100 Jahren gebaut. Damals nur etwas günstiger.

Eine derartige Bezuschussung liegt für Joachim Wolbergs allerdings im Reich der Phantasien. "Es hat im ganzen Freistaat im vergangenen Jahr 2013 eine ÖPNV-Förderung von insgesamt 51 Millionen Euro gegeben. Und jetzt will die CSU erzählen, dass eine Untertunnelung der gesamten Altstadt plötzlich mit gut 200 Millionen gefördert werde."

Der SPD-Bürgermeister fragt sich, wie sein Gegenkandidat "die Stadt in zukunft zu führen gedenkt, wenn er sagt, er möchte bis 2020 schuldenfrei sein aber im gleichen Atemzug verspricht er einen Bustunnel unter der Altstadt zu bauen". Schließlich rede man nicht über Berlin, sondern Regensburg, "wo wir momentan bei den Stadtwerken um die Frage streiten, ob wir irgendwie zusätzlich vier oder fünf Millionen für das herkömmliche Bussystem ausgeben, wogegen sich gerade die CSU lauthals sperrt." 


Damals habe übrigens der gleiche Gutachter, der die Altstadt-Röhre laut CSU jetzt für durchaus möglich hält, wegen der unsicheren Bodenbeschaffenheit eine Machbarkeit In Frage gestellt. "Vielleicht sollte sich der studierte Ingenieur Schlegl einfach auf den Weg in die Staatliche Bibliothek in Regensburg machen, statt eine halbe Million Euro für die gleiche Studie auszugeben", legt SPD-MdL Margit Wild nach.

Vor 30 Jahren kam die Idee zum Bustunnel übrigens von Schlegl's Parteigenosse OB Friedrich Viehbacher, die aber schließlich dank der Machbarkeitsstudie von Prof.-Dr.-Ing. Haack anno 1984 im Schwemmsand unter der Altstadt "versandete". Jener "Tunnelpapst" aus Köln war auch für die sogenannte Riepl-Röhre unter der Donau verantwortlich, die vor allem von der CSU vor vier Jahren mit Pauken und Trompeten abgelehnt wurde.

"In der Debatte um die ÖPNV-Ersatztrasse für die Steinerne Brücke hatten wir Freuien Wähler als einzige realisierbare Lösung den Tunnel unter dem Donaunordarm vorgeschlagen", so Ludwig Artinger, OB-Kandidat der Partei. Schlegl höchstpersönlich sei es gewesen, der das Projekt als "nicht nur wirres, sondern irres" Hirngespinst, das weder sinnvoll noch bezahlbar sei, in Bausch und Bogen abgelehnt habe.

"Sollte sich Schlegl (Foto) nun wie so oft die Ideen der Freien Wähler doch noch zu eigen gemacht haben?", fragt sich Artinger. "Wir begrüßen innovative Vorschläge zur Verbesserung des ÖPNV, aber hier handelt es sich lediglich um 'Alten Wein in neuen Schläuchen'." Statt Wahlkampf um jeden Preis zu machen, setzen die FW vor allem auf die Umstrukturierung der Buslinien und die Einführung eines umweltverträglichen Ringbusses um die Altstadt, den sich auch die SPD wünscht.

Auch bei der FDP versteht man den plötzlichen Sinneswandel der CSU vor der Wahl nicht. Vor wenigen Jahren habe die Partei einen Tunnel als Ersatzlösung zur Donauüberquerung als höchst komplex und unbezahlbar abgetan, "jetzt können wir plötzlich die gesamte Innenstadt untertunneln", wundert sich FDP-OB-Kandidat Horst Meierhofer. "Ich freue mich schon auf eine Schwebebahn oder Seilbahnen in die Stadtteile."

Während die anderen Parteien keine wirklich konkreten Lösungen anbieten würden, mache man sich bei der CSU Gedanken, wie Regensburg auch für die kommenden Generationen lebenswert bleiben könnte. "Weil wir die Partei der vernünftigen Zukunftsfähigkeit sind", bekräftigt Schlegl seine Vision. "Wir brauchen in dieser Stadt keine Luxusprojekte", kontert aber SPD-Bürgermeister Wolbergs. "Was wir brauchen ist ein funktionierender ÖPNV, der den Bedürfnissen der Bürger gerecht wird."





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