Der Fund war Bombe – doch was nun?


Die Liste der Bombenfunde allein in Regensburg und unmittelbarer Umgebung scheint immer länger zu werden. Seit August 2018 wurden in Stadt und Land etliche Bomben gefunden. Egal ob Leibnitzstraße, Dörnberg, Killermannstraße, Dr.-Gessler-Straße, Obertraubling oder Autobahnanschlussstelle Burgweinting – meist handelte es sich bei den gefundenen Flieger- und Splitterbomben um Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Frage, die sich dabei aufdrängt: Was tun mit den buchstäblich brandgefährlichen Relikten deutscher Geschichte?

Kampfmittel gibt es viele, wobei die sogenannten „alten“ Kampfmittel bis Ende des Zweiten Weltkriegs und die „neuen“ in der Zeit danach produziert wurden. Um Kampfmittel ohne explosionsgefährliche Stoffe kümmert sich in Bayern die Polizei. Diffiziler wird es jedoch bei Kampfmitteln, die in die Luft gehen können und vor allem zur Kriegsführung bestimmt sind – Granaten, Luftminen, Bomben, um nur einige zu nennen. In so einem Fall müssen ausgebildete Fachkräfte auf den Plan gerufen werden, genauer: die Kampfmittelbeseitiger oder –räumer.

Bombe oder Heizungsrohr?

Experten von Kampfmittelräumdiensten kommen vor allem bei alten Kampfmitteln zum Zug. Bei neuen führt – auch vor dem Hintergrund einer möglichen Straftat – das Bayerische Landeskriminalamt alle relevanten Maßnahmen durch: Identifizierung, Entschärfung, Zerlegung, Abtransport und Vernichtung. Wird nun aber beispielsweise ein Blindgänger wie eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, schreitet der Kampfmittelräumer zur Tat. Auf Großbaustellen wie der A3 bei Regensburg, die bei Verdacht bereits im Vorfeld nach verborgenen Gefahren abgesucht werden, arbeitet sich der Kampfmittelbeseitiger Schritt für Schritt vor. Von hoher Bedeutung sind dabei Lichtbildaufnahmen der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg, da sie einen Überblick über Bombardierungen bieten und mögliche Blindgänger lokalisieren können. Allerdings bilden die Fotos lediglich einen Moment ab, weshalb eine genaue Untersuchung des Bodens unausweichlich ist. Quadratmeter für Quadratmeter sucht der Kampfmittelbeseitiger meist mit Hilfe einer Sonde das Gebiet ab, die verdächtige (Metall-) Gegenstände im Boden erkennt. Was sich dann tatsächlich im Erdreich befindet, klären aber erst Bagger und Schaufel, mit deren Hilfe sich an verdächtigen Stellen Schicht für Schicht zum Objekt gegraben wird. Und das unter äußerster Vorsicht: Denn unabhängig von der Bewegungsstärke und -dauer besteht immer ein Restrisiko, sobald ein Blindgänger bewegt wird, selbst wenn er zuvor 70 Jahre lang geruht hat.

Wenn es sich bei der Ausgrabung nicht um ein altes Heizungsrohr oder ein Stück Bauzaun handelt, sondern tatsächlich um einen Blindgänger, wird dieser erstmal hinsichtlich Herkunftsland, Alter und Gewicht untersucht, ehe es spannend wird. Denn nach der Datenaufnahme geht es an die Entschärfung, die meistens vor Ort stattfinden muss, da ein Transport zu gefährlich wäre. Bei einer Bombe wird dabei zunächst der Zündmechanismus identifiziert – mechanisch oder chemisch, wobei beide Varianten gefährlich sind. Besonders brenzlig wird es beim Herausdrehen der Zünder. In vielen Fällen kommt es bei Funden aus dem Zweiten Weltkrieg aber gar nicht erst soweit, da die Zünder oftmals so verrottet sind, dass das Kampfmittel kontrolliert gesprengt werden muss.

Nichts für schwache Nerven

Ein kühler Kopf ist für Kampfmittelbeseitiger das A und O, denn schwache Nerven sind bei diesem staatlich nicht anerkannten Berufsbild absolut von Nachteil. Gefahreneinschätzung, Risikokalkulation und Konzentrationsstärke sind bei diesem Job an der Tagesordnung und mit Ängsten und Leichtfertigkeit nicht zu vereinbaren. Fachkräfte, die entweder von Bundeswehr und Polizei oder in Form berufsbegleitender Lehrgänge ausgebildet werden, sind noch immer gefragt und haben gute Berufsaussichten. Experten zufolge ist jede zehnte aller Bomben, die im Zweiten Weltkrieg millionenfach auf deutsche Städte abgeworfen wurden, nicht detoniert, und Zehntausende Blindgänger befinden sich verstreut in ganz Deutschland noch immer unter der Erde – mal nur wenige Zentimeter tief, mal einige Meter. Egal, ob die Blindgänger zufällig von Landwirten oder bewusst bei Bauarbeiten gefunden werden, in den meisten Fällen werden die Funde von Kampfmittelräumern ohne Zwischenfälle entschärft oder kontrolliert gesprengt. Sicherheitsmaßnahmen wie Evakuierungen und weiträumige Absperrungen werden im Vorfeld allerdings nicht umsonst getroffen, denn die Blindgänger sind ein gefährliches Erbe mit einer enormen Sprengkraft. Folgenschwere Unfälle mit nicht detonierten Kampfmitteln kommen deswegen auch immer wieder mal vor – im Januar 2014 in Euskirchen, im September 2012 in Viersen, im August 2012 in München oder etwa im Juni 2010 in Göttingen. Bei diesen Fällen kam es aber leider nicht nur zu Schäden an Gebäuden. Auch Personen wurden bei der Detonation verletzt und sogar getötet.

Grundstückseigentümer haften nicht nur für ihre Kinder

Aufgrund des Gefährdungspotenzials kriegerischer Relikte für Mensch und Umwelt soll an dieser Stelle noch ein kleiner aber bedeutender Hinweis für alle Grundstücksbesitzer und Häuslebauer gegeben werden: Kampfmittel müssen in jedem Fall gemeldet und beseitigt werden. Und ganz wichtig: „Die Beseitigung von konkreten Gefahren, die von Kampfmitteln ausgehen können, liegt in der Verantwortung der Grundstückseigentümer“, so das bayerische Innenministerium. Die Eigentümer und Bauherren müssen folglich im Zuge der Gefahrenabwehr die Suche und Grabung der Kampfmittel aus dem Boden bezahlen, wohingegen die Entschärfung und der Abtransport kostenlos vom Freistaat übernommen werden – dies gilt zumindest für alliierte Sprengstoffe, die Räumungskosten für Kampfmittel des ehemaligen Deutschen Reiches werden vom Bund getragen.

Umbauarbeiten im Garten oder am Grundstück wollen somit auch in Zukunft gut überlegt sein, vor allem in scheinbar bombenstarken Gegenden wie Regensburg. Denn sollte man beim Buddeln neben viel Erde auch noch auf ein Relikt aus der Kriegszeit stoßen, kann trotz oder gerade wegen der Rechtslage und Kostenfrage aus dem schönen Traum vom idyllischen Haus mit Garten schnell ein langwieriger Albtraum werden. So geschehen 2017 in München Freimann. Der Fall in Kürze: Beim Erdaushub für ein Doppelhaus im Jahr 2012 wurden auf dem Grundstück einer über 70 Jahre alten Rentnerin rund zehn Tonnen Weltkriegsmunition und Granaten gefunden, ihr Garten wurde schließlich im März 2017 umgegraben, die Munition entfernt und zurück blieb eine Großbaustelle. Doch damit nicht genug. Denn in diesem Fall stellte sich zu Beginn nicht nur die Frage, wer die Überbleibsel entschärft und beseitigt, sondern wenig später auch, wer für die Kosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro aufkommt. Ein Kuriosum, das selbst zwei Jahre nach der Beseitigung noch immer nicht geklärt ist und Fragen über Fragen aufwirft, bei denen selbst der Kampfmittelbeseitiger nicht weiterhelfen kann.
Bildquelle: bigstockphoto.com | John Cumbow



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