Weiterbildung ist das neue Recruiting


In Zeiten eines leergefegten Arbeitsmarkts setzen immer mehr Betriebe darauf, in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter zu investieren. Ab 1. August dieses Jahres soll ein verbessertes Aufstiegs-Bafög dieser Entwicklung zusätzlichen Rückenwind verleihen: Für die berufliche Weiterbildung gibt es künftig noch bessere Förderchancen.

Mitarbeiter sind die wichtigste Währung eines Unternehmens. Viele Personalabteilungen erleben bei diesem Thema gerade einen Paradigmenwechsel, wie die Experten von Bayerns größtem Weiterbildungscampus beobachten: „Talentmanagement geht in Zeiten eines dramatischen Mangels an Fachkräften immer öfter vor Neueinstellung“, sagt Gottfried Steger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Eckert Schulen mit Sitz vor den Toren Regensburgs. Dort und an mehr als 50 Standorten in ganz Deutschland legen rund 9.000 Teilnehmer den Grundstein für ihren beruflichen Aufstieg beispielsweise als Industriemeister oder als Staatlich geprüfter Techniker.

Die Zahlen bestätigen die Beobachtung des Experten: 98 Prozent aller Unternehmen erachten betriebliche Weiterbildung laut „Trendmonitor Weiterbildung“ mittlerweile als wichtig oder sogar sehr wichtig für ihren langfristigen Unternehmenserfolg. Für das steigende Interesse an betrieblicher Qualifizierung gibt es demnach vor allem einen Grund: „Bei knapper werdenden Nachwuchskräften muss der kontinuierlichen Weiterbildung der vorhandenen Belegschaft besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden“, heißt es dort. Die Studie geht davon aus, dass dieser Trend gekommen ist, um zu bleiben: „Für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens ist betriebliche Weiterbildung ein Schlüsselfaktor, der insbesondere vor dem Hintergrund der Globalisierung, des demografischen Wandels und der hohen Veränderungsdynamik in den Produkt- sowie Arbeitsmärkten immer mehr an Bedeutung gewinnt.“

Wie die Wirtschaft den Brückenschlag zu den Top-Talenten sucht

Stellenanzeigen, Online-Jobbörsen und Headhunter-Suchen bleiben immer öfter erfolglos: „Das klassische Recruiting wird auch deshalb immer öfter hinterfragt, weil es oft einfach keine oder nicht ausreichend Bewerber gibt“, weiß Gottfried Steger. Deshalb suchten viele Personalabteilungen nach neuen Strategien. Die Eckert Schulen registrieren deshalb ein stark wachsendes Interesse besonders bei all den Projekten, bei denen Unternehmen sich direkt in die Aus- und Weiterbildungspraxis einbringen können.

Bereits mehr als ein Dutzend mittelständischer Betriebe mit in Summe mehreren zehntausend Mitarbeitern unterhält inzwischen enge Kooperationen mit den bayerischen Weiterbildungs-Experten. Angehende Staatlich geprüfte Techniker - zuletzt erhielten im Februar mehr als 230 Absolventen ihre Abschlusszeugnisse - gehören heute dort zu den am meisten umworbenen Arbeitskräften: „Diese Weiterbildung ist Grundlage für die weitere Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens, Techniker sind das entscheidende Bindeglied zwischen Produktion und der Industrie 4.0“, sagt beispielsweise Franz Zacherl, Personalleiter des Unternehmens SMP. Der Automobilzulieferer beschäftigt in Schierling (Kreis Regensburg) heute 700 Mitarbeiter. 

SMP setzt dabei besonders auf die Teilnehmer der bundesweit einzigartigen Initiative „Fast Track“, mit der die Eckert Schulen neue Perspektiven für Studienabbrecher aus technischen Studienfächern schaffen: Diese kommen nach dem ersten Teil des Programms als Staatlich geprüfte Industrietechnologen ins Unternehmen und absolvieren in eineinhalb Jahren eine Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker.

Vorhandene Juwelen schleifen 

Diese Art, Talente zu gewinnen, sie zu qualifizieren und langfristig zu halten, dürfte künftig noch wichtiger werden: „Die große Chance des Talentmanagements wird zu wenig genutzt, da dies auf den ersten Blick mehr Aufwand mit sich bringt, als eine vakante Stelle extern zu besetzen“, sagt Sonja Sälzle vom Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der Hochschule Biberach.

„Aufgrund der Fokussierung auf neue Fachkräfte vergeben sich Arbeitgeber die Chance, ihre vorhandenen Juwelen zu schleifen", ist Sälzle überzeugt. Die Fachfrau verweist noch auf einen anderen Aspekt, warum Weiterbildung sich für Unternehmen lohnt: Würden engagierte Beschäftigte gezielt gefördert und weiterqualifiziert, erhöhe dies in den meisten Fällen die Loyalität zum Unternehmen sowie die Motivation. Auch die Personalexpertin und Autorin Anne Wagenpfeil, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema Talent- und Bildungsmanagement im Betrieb beschäftigt, sagt: „Unternehmen konkurrieren längst nicht mehr nur in Deutschland miteinander um die besten Köpfe, sondern sie konkurrieren weltweit.“

Wie wichtig das lebenslange Lernen und Fortkommen von Mitarbeitern in deutschen Betrieben ist, hat vor kurzem eine Studie des Stellen- und Bewerberportals Indeed zutage gefördert: Danach haben mehr als 80 Prozent der deutschen Arbeitnehmer Interesse an beruflicher Weiterbildung. Bei den unter 40-Jährigen liegt der Wert mit über 90 Prozent sogar noch darüber. Gerade auch in Zeiten vorübergehender wirtschaftlicher Eintrübung liegt darin eine Chance: „Unternehmen können die wirtschaftliche Delle für Qualifizierung ihrer Belegschaften nutzen, um dann beim Wiederanziehen der Konjunktur topfit und für anstehende Innovationen gut gerüstet zu sein“, weiß der Vorstand der Eckert Schulen. 

Neues Aufstiegs-Bafög bringt höhere Zuschüsse

Auch die Politik unterstützt den Trend: Am 1. August tritt das neue Aufstiegs-Bafög in Kraft. Seit der Einführung haben nach Zahlen des Bundesbildungsministeriums fast drei Millionen Fachkräfte davon profitiert, zuletzt jährlich rund 167.000 Menschen. Das neue Gesetz, dass der Bundestag im Februar beschlossen hat, sieht unter anderem höhere Zuschussanteile, höhere Freibeträge sowie höhere Darlehenserlasse vor und führt stufenweise die Förderung bis auf „Master-Niveau“ ein. „Für viele unserer Teilnehmer war diese Unterstützung Grundlage für ihre persönliche Erfolgsgeschichte und neue Karrierechancen in ihrem Unternehmen", so Steger.
Bildquelle: Kamerafoto / sonstige | Unsplash



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