Diese Geschichte beginnt in Italien. Genauer gesagt in der Toskana. Zwischen kleinen Textilfabriken und unscheinbaren Stofflagern entdeckt die Regensburgerin Martina Kaiser sogenannte Dead-Stock-Fabrics – hochwertige Überproduktionen und Restbestände großer Designer. Materialien, die andere längst abgeschrieben haben. Doch für sie sind diese der Anfang von etwas Neuem.
Zurück in Regensburg entwirft sie daraus Einzelstücke. Kein Stück gleicht dem anderen. Nichts wird zweimal genäht – ihre Leidenschaft für Fashion-Design war geboren. Bis heute reist sie immer wieder nach Italien, um dort diese besonderen, limitierten Stoffe zu ergattern – oft sind es nur wenige Meter. Doch genau das macht den besonderen Reiz für Martina Kaiser aus.
Dabei kam ihr Einstieg in die Modewelt erst spät – um genau zu sein vor einigen Jahren, inmitten der Corona-Pandemie. Ursprünglich hat sie nämlich Wirtschaftsinformatik in Regensburg studiert und danach 15 Jahre für einen Großkonzern gearbeitet. Seitdem ist sie in Teilzeit in einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft beschäftigt. Der kreative Funke war zwar immer da, fand allerdings nur wenig Raum in ihrem beruflichen Alltag: „Eigentlich hätte ich bereits damals lieber Kunst oder Sprachen studiert“, gesteht Martina Kaiser – beides sind bis heute große Leidenschaften von ihr. Sie spricht Englisch, Französisch, Spanisch und hat gerade mit Tschechisch begonnen. Doch am liebsten mag sie Italienisch. „Ich lese auch unglaublich gerne Romane auf Italienisch, da die Sprache und das Land mich einfach verzaubern.“
„Oft habe ich nicht einmal einen Meter Stoff zur Verfügung“
Es scheint fast schicksalshaft, dass sie ihre Leidenschaft für das Modedesign ausgerechnet in ihrem Lieblingsland entdeckt. „Der Schlüsselmoment dafür hat sich sicherlich daraus ergeben, dass ich während meines Italienurlaubs in der Toskana Fabriken und Stoffläden gefunden habe, bei denen ich meine speziellen Stoffe erwerben kann. Dies sind größtenteils Dead-Stock-Fabrics, also hochwertige Stoffe in Überproduktion oder Restbestände der Highend und Fashion-Industrie von namhaften Designern.“ Aus diesem Grund bekommt sie davon meist nur eine sehr begrenzte Menge. „Oft habe ich nicht einmal einen Meter Stoff zur Verfügung, da heißt es kreativ werden“, lacht sie. Doch genau das stellt die besondere Herausforderung für sie da – zu überlegen, welcher Stoff zu welchem Kleidungsstück am besten passt und wie sich verschiedene Stoffe, Muster und Strukturen am besten mixen und matchen lassen. „Alleine Stoffe zu finden, zu begutachten und zu fühlen bringen schon die ersten Ideen mit sich. Das macht mir wirklich unheimlich Spaß.“ Dann erst folgt die Schnittwahl oder der kreative Entstehungsprozess des Schnittentwurfs. Generell näht sie am liebsten Röcke und Jacken. Im Moment arbeitet sie aber an einer ausgefallenen Bluse. Über 200 Stücke ihrer eigenen Kreationen hat sie mittlerweile zu Hause.

© Martina Kaiser
Von Vogue bis Dior – und immer mit Good Vibes
„Ab und an bereitet es mir auch Freude, alte Vogue-Schnittmuster zu finden und zum Beispiel alte Dior oder YSL Schnitte – zum Teil auch mit den Original-Stoffen – zu schneidern.“
Dabei ist ihr das Schneiderhandwerk selbst nicht etwa in die Wiege gelegt worden. „Das hat sich tatsächlich deshalb ergeben, weil ich für meinen Sohn ein Kinderzimmerkonzept im Kopf hatte, dafür aber leider keine passende Deko, Kissen und Vorhänge gefunden habe. Kurzerhand habe ich mir die Stoffe bestellt, einen Nähkurs besucht und das erste Mal in meinem Leben einen Reißverschluss in ein Kissen genäht“, erzählt sie. Das war der Beginn einer großen Näh-Liebe.
Auch nach der Entdeckung ihrer Passion für Fashion-Design hat sie zunächst mit kleinen Designs für ihre Kinder begonnen.
Ihr Markenname KA_MA ist auf einem Konzert-Abend mit ihrer besten Freundin entstanden: „Da ich Good Vibes liebe, kam der Name KAMA (wie Karma) der Sache doch sehr nah. Meine Mode soll genau dieses Gefühl wiedergeben: ein tolles Feeling in stylischer Kleidung mit positiver Außenwirkung.“ So kreiert sie alltagstaugliche Designs – jedoch unnachahmlich und immer mit einem Hauch Extravaganz. Jedes ihrer Fashion-Pieces zeigt: „Ich bin anders, normal kann jeder“.
Bei der Auswahl ihrer Stoffe ist eine sehr gute Qualität für sie von größter Bedeutung. „Ich beziehe nicht alle, aber sehr viele Materialien aus Italien und greife gerne auf Ökotexzertifizierte Stoffe zurück. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist ein weiterer Grund, warum ich so gerne Dead-Stock-Stoffe verwende.“

© Martina Kaiser
Wo gibt es KA_MA-Designs zu kaufen?
Erst vor Kurzem hat die Designerin bei einem Pop-Up-Verkauf ihre ersten Entwürfe verkauft – mit Erfolg. „Der Support hat mir gezeigt, dass es genau in die richtige Richtung geht“, erzählt die Designerin strahlend.
Bis dato gibt es KA_MA-Designs nur auf speziellen Events zu kaufen. Für dieses Jahr sind bereits weitere Pop-Ups in Planung. Infos hierzu gibt es bald auch auf ihrem Instagram-Kanal @ka_ma_kaisermartina, auf dem sie auch die Modelle zeigt, die aktuell zum Verkauf stehen. „Ich freue mich über jede Anfrage“, so die Künstlerin. Je nach Stoff und Entstehungszeit starten die Preise für die Einzelstücke ab 100 Euro, Accessoires gibt es ab 15 Euro.
„Ich bin bisher heimattreu, allerdings wäre es in Paris, Rom oder Wien auch sehr schön…“
Wenig überraschend scheint es, dass die geborene Regensburgerin an ihrer Heimatstadt am meisten das italienische Flair liebt. Ein Spaziergang über die Steinerne Brücke und durch die Altstadt oder ein gemütlicher Kaffee in einem der vielen Cafés – für sie ist dies der perfekte Ausgleich. Doch woher stammt eigentlich diese besondere Verbindung zu Italien? „Ich habe vor vielen Jahren in Florenz für mehrere Wochen eine Sprachenschule besucht und auch viele Leute kennengelernt. Durch diese Freundschaften hat sich auch ein ständiger Austausch ergeben. Ich liebe einfach Land, Leute und vor allem das Essen. Diesen Sommer freue ich mich schon
unglaublich darauf, eine Freundin in Verona zu besuchen.“
„Im Herzen bin ich eine Italienerin, aber der Heimat dann doch treu geblieben“, lacht sie. Noch – denn obwohl sie sehr gerne eine Regensburgerin ist, schließt sie es nicht aus, irgendwann doch noch auszuwandern: „Bisher bin ich heimattreu, allerdings wäre es in Paris, Rom oder Wien auch sehr schön…“.
Neben ihrer Arbeit, ihrer Kreativität und dem Reisen genießt Martina Kaiser bewusst die Zeit mit Family and Friends: „Ich liebe es, mich in Kunstmuseen aufzuhalten und genieße diese Ruhe, den Geruch und natürlich die Bilder. Genauso gerne bin ich aber mit meinem Hund in der Natur.“

© Martina Kaiser
Stillstand ist keine Option
Auf die Frage, wie es künftig mit ihrem Fashion-Business weitergehen soll, antwortet sie: „Momentan genieße ich es, kreativ sein zu können, wann ich möchte. Ich mag die Abwechslung zwischen meinem Teilzeitjob und meinem kreativen Schaffen. Wenn ein Hobby zum Beruf wird, besteht die Gefahr, dass der Druck groß wird und die Kreativität darunter leidet. Ich bin einfach sehr glücklich damit, wie es ist.“
Stillstand ist für sie dennoch keine Option: „Ich befinde mich in einem ständigen Weiterentwicklungsprozess. Es kann sich so viel ergeben, deshalb bleibe ich offen für alles, was die Zukunft noch bringt.“
Vielen Dank für das inspirierende und spannende Interview, wir freuen uns schon, weitere kreative Unikate von dir zu sehen.
Wer Martinas einzigartige Mode und kreative Projekte entdecken möchte, findet ihre Designs auf ihrem Instagram-Profil @ka_ma_kaisermartina und persönliche Einblicke in Lifestyle, Kunst und Mode gibt sie unter @mar.tinakaiser.
Ein Portrait von Marina Triebswetter I filter Magazin