Das Prinzip vom Trend-Pendel beschreibt das Phänomen, dass sich Styles wie ein Pendel zwischen zwei Extrempunkten bewegen. Ein Beispiel: Sind Hosen sehr eng geschnitten, bewegen sie sich irgendwann wieder in Richtung weiten Hosenbeinen. Sind Miniröcke jetzt der letzte Schrei, können in einigen Jahren wieder bodenlange Säume beliebt sein. Oft findet die Mode zwischen diesen Extremen eine Komfortzone, in der sich klassische, alltagstaugliche Styles etablieren.
Warum gewisse Trends in Mode sind, ist nicht zufällig, sondern spiegelt gesellschaftliche Bedürfnisse, neue Lebensstile und die ökonomische Situation wider. Aber wer entscheidet eigentlich, was im Trend ist?
Wer steckt hinter den Trends von heute?
Ursprünglich in den 1960er-Jahren entwickelt, beschreibt das „Diffusionsmodell“ von Everett Rogers, wie sich Modetrends in einer Gesellschaft verbreiten. Rogers unterscheidet fünf Gruppen: Innovatoren, Early Adopters, frühe Mehrheit, späte Mehrheit und Nachzügler. Die Ausbreitung folgt einer charakteristischen S-Kurve: Innovatoren – Influencer, Celebrities oder stilsichere Menschen mit hoher Experimentierfreude – setzen initiale Impulse und erzeugen erste Sichtbarkeit – früher nur auf der Straße, heute auch auf den sozialen Medien. Early Adopters greifen diese Impulse auf und machen sie zugänglicher für ein breiteres Publikum. Sie bringen einen Trend über den sogenannten „Tipping Point“, an dem die breite Mehrheit einsteigt und ein Look plötzlich überall sichtbar wird. Nach einer Zeit schwingt das Pendel in eine andere Richtung und der Trend flacht ab. Danach trägt erst die späte Mehrheit und dann die Nachzügler den Trend.

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In der Modeforschung gibt es auch Begriffe, die beschreiben, wer dabei wen beeinflusst. Entstehen Trends zunächst in höheren sozialen Schichten und gelangen erst danach in den Mainstream, spricht man vom Trickle- Down-Effekt – etwa bei Lady Dianas „Royal Glamour“ oder Christian Diors „New Look“ der 1950er-Jahre.
Beim Trickle-Across-Modell verbreiten sich Trends gleichzeitig über verschiedene Gruppen hinweg. Besonders spannend ist jedoch der Trickle-Up-Effekt: Neue Ideen entstehen in Subkulturen oder im Streetstyle und finden von dort ihren Weg in die High Fashion. Die Punk- Subkultur und ihr Einfluss auf Vivienne Westwood, mit karierten Stoffen, maximalistischem Schmuck und wilden Schnittmustern, ist ein bekanntes Beispiel dafür.
Kurzlebig oder comebackfähig? Die Lebensdauer von Trends
Wie schnell der Prozess des Pendelns abläuft, hängt von mehreren Faktoren ab: Ist ein Trend gut beobachtbar? Lässt er sich leicht ausprobieren? Passt er zu etablierten Gewohnheiten?
Ein Beispiel aus der Mode: Das Tragen von Chunky Boots zu Kleidern oder Röcken wurde durch das Wiederaufleben der Grunge Mode sichtbar und innerhalb kürzester Zeit nachgeahmt – Trickle- Up also. Viele konnten den Trend leicht ausprobieren – und durch Social Media wurde er extrem sichtbar. So verbreitete er sich schnell von den ersten Trendsettern zur breiten Masse. Früher redete man von der 20-Jahre-Regel, die besagte, dass alle zwei Jahrzehnte derselbe Trend wiederkehren würde. Heutzutage kann durch Social Media ein Mode-Hit nur einen Monat dauern, bis er wieder verschwindet. Durch das schnelle Schwingen des Mode-Pendels ist kaum mehr zu unterscheiden, was gerade im Trend ist, welcher Trend gerade entsteht und welcher bereits wieder abklingt. So gab es für das Jahr 2025 keine definierende Silhouette, keine prägnante Farbe und kein charakteristisches Muster. Im Moment sind lange Mäntel in Mode, aber wer weiß – vielleicht sind es morgen wieder die Bomber Jacken?
Ein Fashion-Report von Juliane Obermeier I filter Magazin