Nichts als heiße Luft?


Trotz aller Kampagnen und zahlreicher Verbotsversuche rauchen in Deutschland im europäischen Vergleich immer noch sehr viele Menschen. Die Todeszahl mit Zigarettenrauch assoziierten Todesfällen ist mit über 100 000 der Sucht an heim gefallenen Menschen dementsprechend hoch. Die Einführung der sog. Verdampfer oder Erhitzer 2008 zunächst im Internet, seit 2011 im freien Verkauf, bewegte einige dank geschickter Werbestrategien zum Umstieg vom schnöden Glimmstengel auf die neue Alternative. Aber handelt es sich bei den neuen „Rauchwaren“ wirklich um eine geschickte Alternative oder eher um eine miese Mogelpackung?

Es gilt zunächst einmal die Begrifflichkeiten zu klären: Bei E-Zigaretten wird mit Hilfe eines meist elektronisch betriebenen Verdampfers (Vaporisator) eine oft nikotinhaltige Flüssigkeit (Liquid) erhitzt und der dabei entstehende Dampf inhaliert. Das ergibt je nach Einstellung der elektronischen Instrumente zum Teil recht beeindruckende Dampfwolken. Ähnlich voluminös ist das Aerosol das bei den erst seit einiger Zeit erhältlichen Tabak-Erhitzern, bei denen statt Flüssigkeit dem Namen entsprechend das übliche Kraut erhitzt wird, entsteht. Mit diesen Emissionen der E-Zigaretten und Konsorten gelangen vermehrt folgende zum Teil stark gesundheitsschädliche Substanzen in die Raumluft:

Propylengycol und Glycerin: Dies reizt die Atemwege und den Rachen, was besonders bei Kindern, Asthmatiker und in der Abwehr beeinträchtigten Personen langfristige gesundheitliche Schäden verursachen kann.

Nikotin: Abhängig vom verwendeten Utensil erhöht sich auch die Nikotinkonzentration in der Raumluft und wird im Zweifel von vermeintlichen Nichtkonsumenten im Sinne eines Passivrauchens aufgenommen. Es gibt auch nikotinfreie, also vermeintlich weniger suchtfördernde Rauchwaren. Dennoch ist hier nicht bekannt, welche sonstigen suchtfördernden Begleitstoffe im „Aromarauch“ aufgenommen werden. Zudem wird das Ritual des Rauchens - Nikotin an Bord oder nicht - „inhaliert“. Ein Wechseln zum Tabak oder anderen suchterzeugenden Rauchwaren ist da kein so großer Sprung mehr.

Partikel: Dies sind Flüssigkeitspartikel, die aus übersättigtem Propylenglykoldampf gewonnen werden. Sie können sich ebenso wie ultrafeine Partikelchen, die beim Verbrennen von Tabak entstehen in den Atemwegen ablagern und dort für Reizzustände sorgen. Eine Studie stellte eine Partikelbelastung im untersuchten „verdampften“ Innenräumen fest, die sich mit der in einer verrauchten Bar vergleichen ließ.

Metalle: In den Aerosolen wurden Cadmium (krebserzeugend), Nickel und Blei (möglicherweise kanzerogen) sowie Aluminium (beeinträchtigt die Lungenfunktion) und Kupfer (gesundheitsschädlich) gefunden. Vor allem Nickel und Chrom würden sich laut einer Studie in höherem Maß als bei Tabakrauch in „verdampfter“ Raumluft feststellen lassen.

Aromen: Die Aromen Diacetyl und 2,3-Pentadion, die Atemwegserkrankungen auslösen können, finden sich vor allem in süßlichen Aromen. Einige andere, die Allergien fördern oder auslösen können wie Zimtaldehyd, Benzylalkohol oder Eugenol finden sich in anderen Aromen. Ganz andere wie z.B. das womöglich schwer atemwegsschädigende Cumarin sind sogar verboten. Die langfristigen Schäden durch die Aufnahme diese erhitzten, möglicherweise wirklich bald als Schadstoffe titulierten „Aromen“ sind natürlich noch nicht gänzlich absehbar und erforscht. Gute Ergebnisse nach einer dauerhaften Belastung der Atemwege durch erhitzte oder verbrannte Chemikalien zu erwarten sind aber eher nicht zu erwarten.

Auch neue Rauchwaren sind gesundheitsschädlich

Die Industrie ist sich des marktwirtschaftlichen Potentials der neuen Produkte mittlerweile voll bewusst und lanciert deshalb auch gezielt neue Studien, die eine geringere Schädlichkeit gegenüber Tabakwaren und ein geringeres Abhängigkeitspotential der Dampf- bzw. Erhitzwaren gegenüber herkömmlichen Tabakprodukten zum Ergebnis haben. Auch werden gezielt Daten veröffentlicht, anhand derer gezeigt werden soll, dass die Beendigung des gewöhnlichen Tabakkonsums unter Zuhilfenahme der neuen Produkte viel einfacher sein soll.

Unabhängige Studien kommen zu einem anderen Ergebnis: Die neuen Rauchwaren sind gesundheitsschädlich und eine Entwöhnung wird nicht wesentlich erleichtert im Vergleich zu herkömmlichen, sinnvolleren Varianten. Darüber hinaus ist im Positionspapier der Deutschen Pneumologen Gesellschaft eine Übersichtsarbeit angeführt, die zeigte, dass die Konzerne, die konventionelle Zigaretten produzieren und aktuell ins E-Zigarettengeschäft investieren, kein Interesse daran haben den konventionellen Markt zu verkleinern. Ihnen scheint es in erster Linie um eine Ausweitung der Nutzergruppen zu gehen. Vielmehr wird durch jugendaffine Geschmacksrichtungen und auf diese neue jugendliche Zielgruppe ausgerichtete Werbung der Einstieg zum Tabakkonsum gebahnt.

Und auch dessen muss man sich bewusst sein: Der Vertrieb der E-Zigarette ist bislang nicht reguliert wie dies z.B. bei Tabakprodukten der Fall ist: Verbot in Werbung und Sponsoring, Ausstellungsverbot im Einzelhandel, Verkaufsverbot für Minderjährige, Regulierung des Internethandels, Besteuerung entsprechend konventioneller Zigaretten, Verbot von Verkauf und Nachfüllen mit Aromen, die auf Kinder anziehend wirken, Forderung nach Deklaration aller Inhaltsstoffe und des Nikotingehalts, Verwendung angemessener Warnhinweise wie für Tabakprodukte, und Verbot in öffentlichen Räumen, an Arbeitsplätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln, das alles gibt es nicht! Der Markterschließung und Profitoptimierung durch die „neue“ Tabak- bzw. Nicht-Tabak-Industrie sind also keine Grenzen gesetzt. Komisch eigentlich: Denn betrachtet man die harten Fakten, ist auch mit den neuen Rauchwaren als Konsument langfristig kein Blumentopf zu gewinnen, denn entscheidend ist was hinten rauskommt. Und das ist eben nicht bloß heiße Luft. Und die stinkt gewaltig!

Ein Gastbeitrag von Dr. Heinz Lehmann
https://www.hausarzt-lappersdorf.de/

Hauptquellen für diesen Artikel und weitere Quellen zum Vertiefen des Themas finden Sie unter: 

  • Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) zur elektronischen Zigarette (E-Zigarette)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum: Belastung der Innenraumluft durch Emissionen von E-Zigaretten
Bildquelle: Kamerafoto / sonstige | xx



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