Stefanie Hertel hautnah!

Seit Jahren ist sie fester und erfolgreicher Bestandteil der Musikszene. Nun erschien ihr neues Album, das sie am 05.04. auch ihren Regensburger Fans vorstellen wird. Ab 15 Uhr ist die sympathische Sängerin dann in den Regensburger Arcaden und wird natürlich auch Autogrammwünsche erfüllen. Wir haben vorab schon exklusiv mit der 33-Jährigen, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert, gesprochen.

30jähriges Bühnenjubiläum ? wenn man Sie ansieht eigentlich unglaublich !

Danke. Aber es stimmt, ich stand mit knapp 4 Jahren zum ersten mal auf der Bühne. Da ich mit meinem Papa in der vogtländischen Heimatgruppe Mitglied war, gab es schon jedes Wochenende irgendwelche Auftritte.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal auf der Bühne?
Vage. Natürlich werden Erinnerungen immer wieder aufgefrischt, weil regelmäßig danach gefragt wurde. Dadurch habe ich schon noch ein paar Bilder im Kopf. Aber das ist 30 Jahre her !

Hätten Sie sich eigentlich bei ihrem so musikalischen Papa Eberhard erlauben können, nicht Musik zu machen ?
Natürlich. Meine Geschwister machen ja auch alle keine Musik. Mein Vater wäre nie auf die Idee gekommen, wenn ich nicht selbst den dringlichen Wunsch gehabt hätte.

30 Jahre später ? geht Stefanie Hertel nun komplett neue Wege ?
Naja, komplett kann man nicht sagen.

Aber Sie schreiben jetzt z.B. Ihre Songs selber?
 Ich hatte diese Ambitionen schon immer und wollte auch schon mal eigene Lieder veröffentlichen ? nur kam es nie dazu. Ich hatte mein festes Autorenteam und natürlich auch Bammel, weil ich dachte, dass ich es nie so gut könnte wie die. Schließlich waren wir damit höchst erfolgreich. Und da traut man sich auch nicht ran. Da sich aber die Rahmenbedingungen komplett geändert haben indem ich mich von meinem Produktionsumfeld gelöst habe ( Anm. d. Red.: neben Ehemann Stefan Mross auch von Entdecker & Manager Hans R. Beierlein und dem Autorenteam), stand die Frage im Raum, wer für mich weiter schreibt. Irgendwie kam dann eins zum anderen, mich hat die Muse geküsst und ich dachte mir 'so jetzt pack' ich es aber an' ! Das Resultat: Auf dem Album "MOMENT MAL !" (erschienen im Februar 2013) gibt es bereits vier Lieder aus meiner Feder. Und ich wage zu behaupten, sie sind mir ganz gut gelungen geworden.

Und betont wird auch, dass alles mit echten Instrumenten eingespielt wurde...
Naja, in der Volksmusik ist es üblich ? so war es jedenfalls bei mir früher ? dass beim Einspielen von Alben die Musik zugespielt wird und fast ausschließlich aus dem Synthesizer kommt. Ich liebe aber Livemusik und war schon immer dafür, dass bei Auftritten auch eine Live-Band spielt. Ich mag es einfach, wenn man Musik raus hört und schon imaginär die Instrumente förmlich riechen kann ? auch bei er Studioarbeit. Da steh ich einfach drauf. Und so sollte es auch auf meinem Album sein.

Gab es einen Auslöser für "Moment Mal !" ?
Es war genau die richtige Zeit, Geschichten und Erlebnisse zu erzählen, die Stefanie Hertel auch länger als nur einen Moment lang bewegten und bewegen. Mit poppiger Gute-Laune-Musik und Motown-Anklängen, aber auch Balladen und Chansons.

Wie war das erste Feedback auf das Album ?
Also die meisten fanden es auf Anhieb klasse. Natürlich wird es auch Fans geben, die sagen: 'nö, diese neue Hertel wollen wir jetzt nicht'. Aber es gibt auch andere, die überrascht sind und meinen 'also diese Hertel gefällt mir auch' ! Ob da jetzt ganz viele neue Fans dazukommen, darum geht's mir nicht. Wenn das Album gut ankommt, ist das natürlich super, aber auf Stimmenfang bin ich nicht. Ich mache genau das gemacht, was mir gerade Spaß macht und wozu ich stehe. Ich mache nichts, nur weil es vielleicht bei einer Zielgruppe besonders angesagt ist. Mir war einfach wichtig, mal so ein Album zu machen. Denn wenn man es nie versucht, weiß man auch nicht, wie es ankommt. Und es ist auch ein Album für mich ganz persönlich. Ich habe aber allein in den ersten Wochen nach Veröffentlichung von vielen gehört, dass es ihnen gut gefällt. Und denen es nicht gefällt, die haben ja weiterhin die Möglichkeit, auch meine alten Alben zu hören. Ich distanziere mich ja nicht davon, denn was ich vorher gemacht habe war ja unheimlich erfolgreich und auch das bin ich. Ich werde daher auch meine alten Lieder weiter singen. In der Volksmusik habe ich meine Wurzeln, aber ich schaue gerne auch über den Tellerrand hinaus und freue mich, musikalisch ein paar neue Facetten zeigen zu dürfen.

Nach der Trennung von Ehemann Stefan Mross wurde in der Boulevardpresse viel geschrieben. So las man z.B. 'die Hertel löst sich jetzt aus ihrem engen Korsett und will frei sein'. Was ist da dran ?
Ich konnte schon bei Allem selbst mit reden. Aber natürlich ist der Einfluss größer, wenn ein Team entscheidet. Genau das wollte ich nicht mehr. Es gab aber keinen Streit oder böse Stimmung. Ich hab einfach gesagt: 'Leute, ich will es einfach mal selbst ausprobieren. Ich will wissen, wie das ist.' Vielleicht geht es schief, aber das glaub ich nicht. Denn ich werde mein Bestes geben und es gibt da draußen viele Menschen die honorieren, dass ich mich so ins Zeug lege und jetzt mein eigenes Ding mache ! Alles, was mit Herzblut gemacht ist, hat für mich seine Berechtigung.

Das letzte Jahr brachte dann die komplette Veränderung. Privat mit der Scheidung und auch beruflich. 2013 also ein Neustart ?
Noch vor fünf Jahren wäre das nie möglich gewesen. Ich hätte es damals wohl auch nie gewollt. Ich hatte so ein tolles Team um mich herum, es gab ganz tiefe Freundschaften. Aber ich fühlte mich einfach wie der Lehrling, der im gleichen Betrieb bleibt. Dort wird man immer der Lehrling bleiben. Und ich wollte weg von alten Mustern.

Sie leben seit 15 Jahren im bayerischen Voralpenland. Heißt das vielleicht auch zurück in die vogtländische Heimat ?
Nein, keinesfalls. Ich bin mit dem Vogtland ganz eng verbunden, bin oft in der Heimat und hab dort Freunde und Familie. Aber ich fühle mich auch hier total wohl und habe meine Wurzeln geschlagen.. Wir gehen auch gerne in die Natur und sammle Pilze und Beeren. Ich genieße diese Ruhe.

 30 Jahre Bühne heißt auch 30 Jahre Öffentlichkeit. Stört das ?
Also zu DDR-Zeiten gab es diesen Medienrummel ja gar nicht. Wir hatten eine Fernsehzeitung, bei der ich einmal auf dem Titelbild war. Mehr gab es da nicht. Schon gar keine Paparazzis. Das kam erst nach der Wende. Ich musste lernen, damit zu leben, dass man in der Öffentlichkeit steht. Man entkommt der Yellow-Press nicht. Wenn man denen gut gesonnen ist und selbst schöne Geschichten anbietet, werden die zwar angenommen aber trotzdem wird auch immer weiter geschnüffelt und teilweise werden auch glatte Lügen geschrieben ? Hauptsache es gibt eine neue Schlagzeile und eine Story. Es ist mühsam, immer im Nachhinein dagegen vorzugehen. Schade ist, dass unsere Fans so auch Unwahrheiten aufgetischt bekommen.

Ihr Freund Lanny (37, Österreicher) ist selbst Musiker. Er kämpfte sich damit durch die USA, ging einen völlig anderen musikalischen Weg. Trafen da zwei Welten aufeinander ?
Natürlich. Aber beide Geschichten haben ihre Vorteile. Der eine fängt klein an, muss sich durchwuseln, lernt von der Pike auf, ohne Druck und hat auch Zeit dafür. Auf der anderen Seite jemand, der zwar das Glück hatte, sehr schnell erfolgreich zu sein, aber ständig gefordert wurde. Das kann man so oder so sehen. Ich habe meinen Weg so gemacht ? und vor die Wahl gestellt, würde ich es wahrscheinlich nochmal genauso machen. Natürlich hätte ich vielleicht gerne Musik studiert, was mir verwehrt blieb. Es wäre zwar machbar gewesen, aber dann hätte ich den Beruf an den Nagel hängen und auf den Erfolg erst mal verzichten müssen. Und nach drei Jahren hätte vielleicht kein Hahn mehr nach mir gekräht. Stattdessen ging ich auf Tour und war voll beschäftigt. Allerdings war 'Learning by Doing' bei den vielen Auftritten und Konzerten schon auch eine prima Schule. Die beste, die ich haben konnte. Jeder andere wäre dankbar für so viele und kontinuierliche Möglichkeiten des Weiterentwickelns.

Lanny ist eher der Rocker, macht ganz andere Musik. Wie steht er zu Ihrer ?
Musik kennt keine Grenzen. Im Januar trat ich z.B. bei uns im Dorf mit einer Hobby-Swing-Band im kleinsten Kreis auf. Ich sang alte, amerikanische Klassiker und konnte so wirklich auch musikalisch abschalten von der durchaus anstrengenden Alben-Produktion. Der Song "Dirndlrock" von meinem Album stammt aus Lanny's Feder. Das Lied zeigt musikalisch, dass ich in die Zukunft schaue, aber auch weiterhin zu dem stehe, wo ich herkomme, was ich singe und wer ich bin.

Bildquelle: |



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