Monika Gruber, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg bringen große Opernklassiker nach Regensburg – allerdings auf eine besondere Art. Im Interview sprechen sie über bayerischen Humor, überraschende Momente auf der Bühne und ihre persönliche Verbindung zur Oper.
„Opern auf Bayrisch“ ist seit über 40 Jahren Kult. Paul Schallwegs Parodien großer Opernklassiker kommen am 25. September 2026 mit neuem Programm ins Audimax Regensburg. Auf dem Programm stehen „Salome“, „Lohengrin“ und „Der Barbier von Sevilla“. Anlässlich des Gastspiels haben wir mit Monika Gruber, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg über ihre besondere Form der Opernparodie gesprochen.
Frau Gruber – welche Affinität haben Sie zur Oper, dass Sie nun gemeinsam mit Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg, begleitet von einem hochkarätigen Musikensemble, in der Erfolgsproduktion „Opern auf Bayrisch“ auf der Bühne stehen?
Monika Gruber: Ich hatte als Kind vom Bauernhof recht wenig Berührungspunkte mit klassischer Musik im Allgemeinen und Oper im Besonderen, bin aber mit den Jahren immer mehr zum Opernfan geworden. Und „Opern auf Bayrisch“ hat ja mittlerweile in Bayern eine eigene Fan-Gemeinde, zu der auch ich seit langem gehöre. Daher habe ich sofort begeistert zugesagt, als mich der Kollege Gerd Anthoff vor einigen Jahren fragte, ob ich mir vorstellen könne, ab und an für die Kollegin Conny Glogger einzuspringen.
Mozart, Verdi, Wagner & Co. auf Bayrisch – wie darf man sich das vorstellen? Ist das irgendwo zwischen Opernhaus und Stammtisch anzusiedeln? Was macht die „Opern auf Bayrisch“ so besonders und wie bereiten Sie sich auf diese spezielle Form der Opernparodie vor?
Monika Gruber: Mir gefällt an „Opern auf Bayrisch“ diese hemdsärmelig-humorvolle Herangehensweise an die Werke: Das nimmt dem einen oder anderen vielleicht auch die Berührungsangst mit der Kunstform Oper. Durch den Dialekt wird außerdem manches, was auf den Zuschauer oft manieriert oder behäbig wirken mag, auf lockere Art und Weise aufgebrochen und dadurch „bekömmlicher“.
Ist das Ganze tatsächlich auch harte Textarbeit, Herr Anthoff?
Gerd Anthoff: Es ist zunächst tatsächlich harte Arbeit, weil man sich ja erst einmal in diese spezielle Text- und Reimform einlesen, reinarbeiten muss. Aber wenn man‘s dann in Fleisch und Blut – und damit buchstäblich im Mund hat, ist es nur noch pure Freude, die sich übrigens auch aufs Publikum überträgt!
Herr Lerchenberg – sind Sie selbst ein Opernfan? Wenn ja, gibt es Vorlieben? Lieblingskomponisten, -opern, -arien...? Was haben Sie zuletzt gesehen?
Michael Lerchenberg: Ich liebe die italienische Oper und Mozart. Und, ich habe das noch nie erzählt: Mein Partner in meinem ersten TV-Film 1978 war kein Geringerer als Placido Domingo, damals auf der Höhe seines Könnens. Er als Othello und ich – ebenfalls singend (!) – als sein Freund Cassio. So ein unmittelbares „Live-Erlebnis“ einer großen Stimme prägt einen für immer! Und als alter Festspielintendant schaue ich natürlich gerne Open Air und hier ganz besonders gerne Bregenz. Letzte Woche war es La Traviata mit der exzellenten Marjukka Tepponen in der Rolle der Traviata.
Frau Gruber – Sie teilen sich die Bühne in Regensburg unter anderem mit Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg – zwei Schwergewichte aus Theater und Fernsehen. Außerdem sitzt ein 12-köpfiges Orchester mit Musikern aus den Münchner Spitzenorchestern mit Ihnen auf der Bühne. Was macht diese Zusammenarbeit für Sie besonders? Wird da auch hinter der Bühne gelacht und gealbert?
Monika Gruber: Ich glaube, wer uns zuschaut, merkt, dass wir uns auch abseits der Bühne bestens verstehen. Daher kann es schon vorkommen, dass auf der Bühne mal improvisiert wird oder dem ein oder anderen Kollegen – oder auch mir – ab und an ein kleiner Streich gespielt wird.
Streiche spielen auf der Bühne? Wir sind neugierig!
Gerd Anthoff: Klar gab und gibt es immer wieder unbewusst und bewusst herbeigeführte Überraschungsmomente. Fast alle haben wir fest in unsere Opernaufführungen übernommen, deshalb verrate ich jetzt nichts. Manchmal können nämlich auch Fehler sehr unterhaltsam und lustig sein...
Michael Lerchenberg: Wissen Sie, der Gerd und ich spielen die „Opern auf Bayrisch“ nun schon seit bald 40 Jahren und es wird uns einfach nie langweilig. Uns fällt immer wieder etwas Neues ein und da ist auch nicht immer alles vorher abgesprochen. Manches wird sogar aus der Not heraus geboren, wenn etwa eine kleine Panne kurzerhand zu einer Pointe umgelenkt wird.
Monika Gruber: Mir wurde beispielsweise bei der „Salome“ kurz vor der Vorstellung vorgeschwärmt, dass die Kollegin Conny Glogger an einer bestimmten Stelle immer diesen wunderbaren Schleiertanz zur Musik zum Besten geben würde. Die Kollegen fragten scheinheilig, ob ich vielleicht auch etwas in der Art vorbereitet hätte. Ich wusste natürlich von nichts, war völlig nervös und habe dann einfach improvisiert. Hinterher gaben die Herren zu, dass sie schamlos gelogen und mich reingelegt hatten und feixten: „Wir hätten nie gedacht, dass Du das wirklich machst!“
Herr Anthoff – warum tut sich das Genre Oper so schwer, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen? Könnten die „Opern auf Bayrisch“ da möglicherweise behilflich sein und als „Einstiegsdroge“ dienen?
Gerd Anthoff: Oh, das wäre fein, wenn wir als Einstiegsdroge wirken könnten! Aber der Oper haftet halt immer noch etwas Elitäres an, und selbst wenn wir mit unseren Opern die Lust darauf wecken sollten, bekommt der Zuschauer anschließend wieder Fernsehbilder mit manch overdresstem, betuchtem Bayreuth-Premieren-Besucher zu sehen. Haben wir uns dann umsonst geplagt? Nein, natürlich nicht, denn bei uns gab‘s ja gute zwei Stunden beste Unterhaltung.
Monika Gruber: Soweit ich das beurteilen kann, würde ich schon sagen, dass das Opernpublikum – so wie ich es erlebe – aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Ich sehe da eher ein Nachwuchsproblem: Wenn man sich im Zuschauerraum umsieht, wird man feststellen, dass das Durchschnittsalter bei 60+ oder höher liegt.
Daher ist mein Anliegen: Wie kann man die jüngere Generation wieder (mehr) für die Oper begeistern und auch dem ein oder anderen die Berührungsangst mit dem Genre Oper nehmen? Der humoristische, lockere Ansatz der „Opern auf Bayrisch“ ist da vielleicht eine gute Einstiegsmöglichkeit!
Herr Lerchenberg – was kann das Format „Opern auf Bayrisch“, was eine klassische Opernaufführung nicht bieten kann?
Michael Lerchenberg: Natürlich die Parodie und den Witz. Wir nehmen weder uns noch die Opernvorlagen allzu ernst, amüsieren uns und das Publikum mit diesen außergewöhnlichen Texten von Paul Schallweg, aber gleichzeitig auf höchstem bayerischem Niveau. Das ist, denke ich das Geheimnis der „Opern auf Bayrisch“. Obwohl auch in unseren bayerischen Opern durchaus tragische Momente stattfinden, wie etwa der Schluss von „Rigoletto“ oder der Tod der Zenta (sic!) im „Fliegenden Holländer“. Und ganz ehrlich: Wann bekommt man schon drei Opern an einem Abend serviert?
Zum Schluss – wie definieren Sie Heimat?
Gerd Anthoff: Heimat ist für mich ein Gefühl...
Michael Lerchenberg: In der Heimat, da bin i „dahoam“. Das ist meine Sprache, meine Kultur, meine Mitmenschen, meine Umgebung, und es ist auch meine persönliche Geschichte, mein Leben. Ohne Heimat verkümmert, vertrocknet der Mensch!
Monika Gruber: In einem meiner früheren Programme sagte ich mal: Heimat ist viel Landschaft und a bissl Geruch. Ich würde noch die Sprache und das Essen mit hinzunehmen wollen: Da, wo mir der Geruch von sonntäglichem Schweinsbraten und frischem Apfelkuchen in die Nase steigt… Da, wo mein Dialekt gesprochen wird und wo man oft etwas besser ausdrückt, indem man NIX sagt, da fühle ich mich „dahoam“.
Tickets
Tickets für „Opern auf Bayrisch“ für den 25. September 2026 gibt es auf: www.odeon-concerte.de/konzerte-karten | Tel. (0941) 29 60 00.
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