Wie lassen sich manipulierte Bilder erkennen – und welche Rolle spielen sie bei der politischen Meinungsbildung? In Regensburg können Schulklassen bei kostenfreien Begleitprogrammen zur Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern“ historische Propaganda untersuchen und sich mit aktuellen Fragen rund um künstliche Intelligenz beschäftigen.
Die Bayernausstellung 2026 „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ ist bis zum 7. August 2027 in Regensburg zu sehen. Dazu bietet das Haus der Bayerischen Geschichte mit „Macht der Bilder – Von der Propaganda zur KI“ ein kostenfreies Begleitprogramm für alle weiterführenden Schularten an.
„Was Sie auf diesem Bild sehen, ist so nie passiert“, erklärt Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Es ist die wohl bekannteste Darstellung des Putschversuchs von Adolf Hitler und seiner Anhänger am 9. November 1923.
Die Entstehungsgeschichte dieses nach 1933 vor allem auf Postkarten verbreiteten Motivs zeigt, dass gezielte Bildmanipulation bereits vor rund einem Jahrhundert der politischen Meinungslenkung diente. Heinrich Hoffmann, selbst ernannter „Leibfotograf“ Adolf Hitlers, hielt sich zwar am 9. November in München auf, beim Schusswechsel an der Feldherrnhalle war er jedoch nicht anwesend. Der gescheiterte Putschversuch wurde nach der Machtübernahme zu einem Schlüsselereignis der NS-Propaganda. Hoffmanns Firma lieferte mit dem manipulierten Foto das passende Bildmaterial.
Die schießenden Männer, der Demonstrationszug und vor allem der sich in seinem hellen Mantel an vorderster Front mutig und auch optisch selbst zum Ziel machende Adolf Hitler wurden alle nachträglich in das Bild retuschiert. Erkennbar ist dies beispielsweise an der Perspektive und den Licht- und Schattenverhältnissen. Das Foto sieht zwar echt aus, bildet aber nicht die Realität ab, und den Fotografen wäre eine so perfekte authentische Momentaufnahme mit den damaligen technischen Möglichkeiten kaum gelungen.
Bildmanipulation erkennen und Medienkompetenz stärken
Da der gescheiterte Hitlerputsch ein zentrales Ereignis der neuen Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ darstellt, beginnt auch das Angebot „Macht der Bilder – Von der Propaganda zur KI“ mit diesem Bild. Am Beispiel der Arbeitsweise Heinrich Hoffmanns und seiner Fotografien entlarven Schülerinnen und Schüler politische Bildpropaganda. Sie lernen unterschiedliche Methoden der Bildmanipulation kennen und werden dabei mit hochaktuellen Fragen konfrontiert: Wie formen Bilder unsere Wahrnehmung? Was ist echt, was inszeniert? Wie lassen sich KI-Bilder von authentischen Fotografien unterscheiden?
„Einige Jugendliche können sich am Anfang unseres Programms gar nicht vorstellen, dass man Bilder ohne KI und Photoshop überhaupt manipulieren konnte. Wenn es schwarzweiß ist, ist es aufgrund des Alters echt, so ist oftmals ihre Interpretation. Doch kaum war die Fotografie erfunden, begann auch die Manipulation von Bildern“, so Florian Köhler, Mediencoach an der Bavariathek, der das Programm entwickelt hat.
Historischen Mordfall mit einem Escape Game untersuchen
Investigativ sind die Schülerinnen und Schüler nicht nur bei der Entlarvung von Propaganda unterwegs. Mit „Hass, Hetze, Mord – ein historisches Escape Game“ holt das Haus der Bayerischen Geschichte einen historischen Mordfall der frühen 1920er-Jahre in die Bavariathek, das medienpädagogische Projektzentrum direkt neben der Dauerausstellung.
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in Investigativ-Teams, um den Fall anhand der historischen Beweise zu lösen. Unter Zuhilfenahme moderner Medien analysieren sie originale Polizeiakten und kombinieren Beweise. Die Spuren führen nach Bayern.
Kostenfreie Programme verbinden Praxis und Ausstellungsbesuch
Die kostenfreien Programme verbinden den Praxisteil in der Bavariathek mit einer rund 20-minütigen Schwerpunktführung durch die Ausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“. In diesem kurzen Rundgang werden die inhaltlichen Grundlagen für die Begleitprogramme vermittelt. Für eine Teilnahme benötigen die Schülerinnen und Schüler somit kein Vorwissen.
Schulprogramme jetzt wieder buchbar
Die Programme können ab sofort wieder gebucht werden. Die Anmeldung ist über die Buchungshotline unter +49 (0)941 788 388 0 oder per E-Mail an
Haus der Bayerischen Geschichte / RNRed