Ein Musiker, zwei bildende Künstler und ein Verein stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Kulturpreisverleihung in Regensburg. Im Staatstheater wurden am Mittwoch die Auszeichnungen vergeben. Neben den Preisgeldern ging es an dem Abend auch um die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Stadtgesellschaft.
Die Stadt Regensburg hat auch 2026 ihren Kulturpreis und die Kulturförderpreise verliehen. Die Preise würdigen kulturelle und künstlerische Leistungen, die in einem engen Bezug zu Regensburg stehen. Künstlerinnen und Künstler, Kulturgestalterinnen und -gestalter sowie Kulturinstitutionen konnten für die Auszeichnungen vorgeschlagen werden. In seiner Sitzung am 30. Juli 2026 hat der Stadtrat die Preisträgerinnen und Preisträger beschlossen. Am Mittwoch, den 21. Oktober, wurden die Preise im festlichen Rahmen der Kulturpreisverleihung im Staatstheater Regensburg vergeben.
Der Kulturpreis der Stadt Regensburg 2026 ging an den Musiker Josef Menzl, der für sein herausragendes Schaffen geehrt wird. Der Kulturpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Kulturförderpreise der Stadt Regensburg 2026 zu je 2.500 Euro wurden an die bildende Künstlerin Paula Dischinger, den bildenden Künstler Vincent Pollak sowie den Verein subsTanz e. V. vergeben.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger betonte die Bedeutung von Dialog und Austausch für ein vielfältiges Kulturleben in Regensburg: „Es ist mir eine große Freude, die Preisträgerinnen und Preisträger des Kulturpreises und der Kulturförderpreise zu würdigen, die wichtige Fragen nach den Idealen, den Werten, der Wahrheit und der Wahrnehmung von Welt stellen und damit Orientierung geben. Denn Kunst und Kultur sind wesentliche Bestandteile unserer Demokratie. Sie schaffen die notwendigen Räume für Austausch und laden zur Teilhabe ein. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss erlernt, gelebt und immer wieder neu errungen werden. Gerade in Zeiten, in denen demokratische Werte weltweit unter Druck geraten, autoritäre Tendenzen zunehmen und gesellschaftlicher Zusammenhalt fragiler wird. Nur in einer kreativen und offenen Auseinandersetzung können wir gemeinsam die Zukunft gestalten.“
Festlicher Abend im Staatstheater Regensburg
Moderiert von der Musikerin, Moderatorin und Autorin Nina FIVA Sonnenberg, gab das Abendprogramm dem Publikum viele Einblicke in das Leben und Schaffen der Preisträgerinnen und Preisträger. Die Laudatorinnen und Laudatoren Luise Kinseher, Julius Schophoff, Jörg Haala und Eva-Maria Eiberger würdigten die Preisträgerinnen und Preisträger in ihren Reden und brachten dem Publikum deren künstlerisches Schaffen näher. Preisträgerinnen und Preisträger präsentierten in Bühneneinlagen ihr Können. Der diesjährige Preisträger des Musikpreises der Stadt Regensburg in der Freien Kategorie, Kolja Briesen alias „blue inteded“, begleitete den Abend mit stimmungsvollen Stücken.
Kulturreferent Wolfgang Dersch blickte mit Stolz auf die Kunst- und Kulturlandschaft Regensburgs und rief zur Beteiligung auf: „Eine lebendige Kulturszene braucht nicht nur gute Ideen, engagierte Menschen und experimentelle Freiräume, sondern auch eine starke gemeinsame Stimme. Mit dem neuen Regensburger Kulturrat hat die Szene fortan die Möglichkeit, sich selbst zu organisieren, gemeinsame Interessen zu formulieren und die Kulturentwicklung unserer Stadt aktiv mitzugestalten. Und deshalb möchte ich ganz ausdrücklich dazu ermutigen: Bitte nutzen Sie die Chance zur aktiven Mitwirkung! Mein Appell richtet sich an Sie alle: an die großen Kulturinstitutionen genauso wie an einzelne Künstlerinnen und Künstler, an Vereine, kleinere Einrichtungen, Festivals und die Off-Szene. Denn dieser freie Kulturrat lebt davon, dass er möglichst viele Perspektiven abbildet.“
Kulturpreis für Musiker Josef Menzl
Seit über 30 Jahren begeistert Josef Menzl mit seiner Musik und großformatigen Bühnenereignissen. Der hervorragende Musiker und ausgezeichnete Komponist kombiniert Volksmusik mit unterschiedlichen Stilrichtungen und vielfältigen musikalischen Einflüssen. Dabei verbindet er als versierter Arrangeur unterschiedliche Genres auf meisterhafte Weise und verleiht dem Liedgut der Oberpfälzer Volksmusik neue Dynamik, ohne die ursprünglichen Klänge von Landler oder Polka in den Hintergrund zu drängen. Sein musikalisches Konzept erreicht damit nicht nur das traditionelle Publikum, sondern spricht auch junge Menschen und neue Zielgruppen an. Damit gelingt es ihm, die bayerische Musikkultur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und neue Begeisterung für sie zu wecken.
Josef Menzl wurde 1973 in Regensburg geboren. Im Alter von neun Jahren begann er Klarinette zu spielen, erhielt Unterricht und war Mitglied des Jugendblasorchesters Oberisling. Das Spiel an Saxophon, Tuba, Flöte und Gitarre brachte er sich später autodidaktisch bei. Als Mitglied verschiedener musikalischer Gruppen und namhafter Bands wie „Erwin & die Heckflossen“, „d’Raith Schwestern & da Blaimer“, dem „Leberkas Duo“, „Cream Sod“, „Soulflash“ oder „Slick 50“ kam er mit unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen und Genres in Berührung – von Rockabilly über den Sound der Big Bands bis hin zur altbayerischen Volksmusik. Auch Notensatz, Arrangement und Komposition eignete er sich eigenständig an.
1995 gründete Josef Menzl seine eigene Kapelle, die unter seinem Namen einen unverwechselbaren Stil und eigenen Klang entwickelte. Mit seiner „Blaskapelle Josef Menzl“ versammelt er hochkarätige Musiker um sich. In Tracht, im Dialekt und mit besonders viel Humor, technisch souverän, wortgewandt und voller Leidenschaft, weltoffen, bodenständig und selbstironisch überzeugen Josef Menzl und seine Musiker durch eine ansteckende Bühnenpräsenz.
Josef Menzl bespielte große Bühnen nationaler Kultur- und Volksfeste wie das Gäubodenfest oder das Oktoberfest und begeisterte dort ein tausendfaches Publikum. Erfolgreich ist er auch auf kleineren Bühnen oder im Theater. Mit der „Bayerischen Late-Night-Show“ entstand am Staatstheater Regensburg ein Format, das den Bogen von altbayerischer Musik bis hin zum Jazz spannt. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit übernimmt Josef Menzl sämtliche organisatorischen Aufgaben selbst. Er produziert die Musikalben, leitet das Orchester, moderiert, arrangiert die Noten, organisiert die Auftritte und fährt den Bandbus.
Als musikalischer Botschafter Regensburgs und Bayerns ist Josef Menzl national und international unterwegs. Fernseh- und Rundfunkaufnahmen sowie zahlreiche CD-Produktionen dokumentieren sein Schaffen. Zuletzt erschienen 2025 die Alben „Menzl zündt' auf“ und „Hitz' 2“. Ebenfalls 2025 feierte Josef Menzl gemeinsam mit seiner Kapelle das 30-jährige Bestehen des Ensembles. Aus diesem Anlass fand im Regensburger Audimax eine Benefizgala mit zahlreichen Gästen sowie langjährigen Wegbegleiterinnen und Weggefährten statt.
Für sein kulturelles Wirken erhielt Josef Menzl bereits im Jahr 2015 den Kulturpreis des Landkreises Regensburg. In diesem Jahr folgt mit dem Kulturpreis der Stadt Regensburg die große städtische Auszeichnung. Der Kulturpreis stellt eine angemessene Würdigung des langjährigen bedeutsamen Schaffens des Künstlers Josef Menzl dar, der die Kulturlandschaft in Regensburg und der Region bedeutend prägt, über die Landesgrenzen trägt und nachhaltig bereichert.
Drei Kulturförderpreise für Kunst und soziales Engagement
Die maximal drei zu vergebenden Kulturförderpreise werden unter Berücksichtigung des künstlerischen und wissenschaftlichen Nachwuchses an Personen oder Vereinigungen verliehen, die das kulturelle Leben in der Stadt gestalten und fördern.
Kulturförderpreis für Paula Dischinger
Paula Dischinger (geboren 2001 in Regensburg) ist eine international agierende Performance-Künstlerin und Designerin. Nach Studienaufenthalten in Paris und London ist sie seit 2025 Meisterschülerin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und gilt als herausragendes, vielfach ausgezeichnetes Nachwuchstalent mit starken Regensburger Wurzeln.Paula Dischinger verfolgt einen einzigartigen interdisziplinären Ansatz und agiert als Grenzgängerin zwischen Modedesign, bildender Kunst und Performance. Ihre Arbeiten hinterfragen spielerisch, aber tiefgründig gesellschaftliche Systeme sowie die Dynamik zwischen Individuum und Gemeinschaft. Der Kern ihres Schaffens liegt in der Interaktion: So bringt sie durch partizipative Kunstprojekte Menschen über Generationen und Haltungen hinweg zusammen und macht den Wert von Gemeinschaft unmittelbar erlebbar.
Diese einzigartige Formensprache brachte ihr bereits einige Auszeichnungen ein: Sie ist Trägerin des renommierten Atelierpreises 2025 des BBK München sowie des Graduate Awards der Central Saint Martins University in London. Zudem folgten Residency-Aufenthalte unter anderem in Highgrove, Athen und Maastricht. Ihre Performances und Ausstellungen wurden bereits weltweit realisiert – darunter in London, Paris, Tokio, New York, Tallinn und auf Island sowie aktuell beim Architektursommer Hamburg.
Trotz ihrer globalen Aktivitäten kehrt Dischinger für innovative Kulturprojekte regelmäßig nach Regensburg zurück, wo ihre künstlerische Laufbahn begann: Anfang 2024 gestaltete sie in der „kleinsten galerie“ in Regensburg ihre erste, vielbeachtete Einzelausstellung als begehbaren Raum. Mit der Tischperformance „ABENDESSEN“ (2024 im M26) und der international erprobten Performance „Herdentier“ (im öffentlichen Raum Regensburg, September 2025) setzte sie wichtige, öffentlichkeitswirksame Impulse für die lokale Kunstszene.
Paula Dischinger verbindet ihre internationale Karriere mit einer fortwährenden, engen Identifikation mit ihrer Heimatstadt. Als innovative Grenzgängerin bereichert sie die Regensburger Kulturlandschaft um zeitgenössische, partizipative Formate von hoher Qualität und internationaler Strahlkraft, was sie besonders förderwürdig macht.
Zweiter Kulturförderpreis für Vincent Pollak
Vincent Pollak (geboren 1991 in Regensburg, M. A. Medienwissenschaft) prägt als etablierter Künstler und Kulturakteur seit über einem Jahrzehnt maßgeblich das Regensburger Stadtbild sowie die lokale Kunstszene.
Vincent Pollak zeichnet sich durch eine signifikante künstlerische Handschrift aus, die figurative Malerei, Druckgrafik, Tafelbild und skulpturale Objekte zu einem prägnanten Gesamtwerk verbindet. Seine Arbeiten reichen von klassischen Holzskulpturen bis hin zu großflächigen Wandgemälden im öffentlichen Raum. Dabei zählt er zu den prägenden Figuren der Regensburger Street-Art-Szene: Als langjähriger Projektmanager der Danubiart sowie als Kurator der 24h-Galerie (Betonfreunde e. V.) verschafft er der urbanen Kunst institutionelle Sichtbarkeit und hohe gesellschaftliche Wertschätzung. Renommierte Auftragsarbeiten im Kontext der Welterbekoordination sowie prägnante Gestaltungen im Regensburger Stadtraum und in der lokalen Gastronomie brachten Pollaks Kunst an Wände und Fassaden.
Mit seinem Talent und Können machte er bereits früh auf sich aufmerksam: So arbeitete er als ehemaliger Förderkünstler der Oswald-Zitzelsberger-Stiftung im Künstlerhaus Andreasstadel (2019–2021) oder reüssierte mit erfolgreichen Einzelausstellungen in der Sigismundkapelle oder im W1. Vertreten und ausgestellt wird Vincent Pollak regelmäßig von der Galerie konstantin b. in Regensburg.
Als 1. Vorstand des KunstvereinGRAZ e. V. bringt sich Vincent Pollak seit Jahren aktiv und konstruktiv in die Stadt- und Kulturentwicklung Regensburgs ein. Bei zukunftsweisenden städtischen Workshops und Thinktanks – unter anderem zur Neugestaltung des Neupfarrplatzes und zum Stadtlagerhaus – agiert er als zentraler Impulsgeber.
Aufgrund seines langjährigen, facettenreichen Engagements hat sich Vincent Pollak in hohem Maße um die Regensburger Kulturszene verdient gemacht. Die Auszeichnung mit dem Kulturförderpreis würdigt sowohl sein unverkennbares künstlerisches Schaffen als auch seinen professionellen Einsatz für die Sichtbarkeit und Weiterentwicklung der urbanen Kunst und Kultur in Regensburg. Denn Vincent Pollak agiert als Kurator, gut vernetzter Kulturakteur und engagiertes Vorstandsmitglied. Er gestaltet das kulturelle Leben Regensburgs aktiv, strategisch und zukunftsweisend mit.
subsTanz e. V. für Tanz, Theater und Integration
Der Verein subsTanz e. V. – initiiert und geleitet von Julia Leidhold und Bettina Schönenberg – formierte sich 2024 als Ergebnis einer erfolgreichen, seit 2014 bestehenden Projektreihe. Seit über einem Jahrzehnt realisiert die Initiative tanz-, theater- und kunstpädagogische Projekte, die gezielt Regensburger Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren fördern. Im Rahmen einer fundierten, sechs- bis achtmonatigen Probenphase erleben sich die Teilnehmenden selbst als aktive Kulturschaffende. So ermöglicht das Projekt kulturelle Teilhabe über gesellschaftliche Grenzen hinweg. Dabei arbeitet der Verein eng mit lokalen Institutionen zusammen – darunter das Amt für Jugend und Familie, die Schulsozialarbeit sowie die ambulante Familienhilfe –, um Zielgruppen mit großem Förderbedarf zu erreichen.
subsTanz e. V. setzt auf die ganzheitliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen: Neben der rein künstlerischen Praxis (Tanz und Schauspiel) steht die Persönlichkeitsentwicklung im Fokus. Die Kinder erwerben essenzielle ästhetische, emotionale und soziale Kompetenzen. Jedes Projekt mündet in die Entwicklung eines eigenen Stücks, das auf einer professionellen Bühne vor öffentlichem Publikum präsentiert wird.
Mit Julia Leidhold (Tänzerin) und Bettina Schönenberg (Schauspielerin) wird das Projekt von zwei etablierten Akteurinnen der Regensburger Kulturszene geleitet. Sie bringen ihre eigene langjährige Bühnen- und Vermittlungserfahrung ein und garantieren die ausgezeichnete künstlerisch-pädagogische Qualität. Durch die langfristig angelegte Arbeit bringt subsTanz e. V. Kinder ins Rampenlicht, die gesellschaftlich oft übersehen werden. Die erfahrene Wertschätzung und Stärkung des Selbstbewusstseins wirken bei den Teilnehmenden nachhaltig fort.
subsTanz e. V. leistet einen unverzichtbaren, hocheffektiven Beitrag zur kulturellen Bildung und sozialen Integration in Regensburg. Durch die Verknüpfung von künstlerischer Professionalität mit sozialer Verantwortung schließt der Verein eine kritische Lücke im lokalen Kulturangebot für Kinder und Jugendliche und ist in hohem Maße förderwürdig.
Stadt Regensburg / RNRed