Die Schreibmaschine des Revolutionsführers und des ersten Bayerischen Ministerpräsidenten, Kurt Eisner, wurde dem Haus der Bayerischen Geschichte übereignet. Das Museum zelebriert diesen historischen Fund.
Im Dezember des vergangenen Jahres wurde dem Haus der Bayerischen Geschichte ein bislang unbekanntes Exponat der Spitzenklasse übereignet: Es handelt sich dabei um die Schreibmaschine des Revolutionsführers und ersten Bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (1867–1919).
Vom Journalisten zum Revolutionär
In Berlin geboren, war der Journalist, Schriftsteller und Politiker Kurt Eisner seit 1907 Chefredakteur bei der Fränkischen Tagespost in Nürnberg, wo er seine spätere Frau Else Belli (1887-1940), kennenlernte. 1910 zog er nach München und wurde zu einem der wichtigsten Mitarbeiter der sozialdemokratischen Zeitung Münchener Post. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs und seiner Ausbootung bei der Münchener Post entwickelte sich Eisner zunehmend zum Systemkritiker und Pazifisten, am Ende sogar zum Revolutionär.

Porträtfoto Kurt Eisner, mit Inschrift „Kurt Eisner, Ministerpräsident des Volksstaates Bayern“ © Digitalbild: Haus der Bayerischen Geschichte © Nachlass Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen
Eisners wichtiges Werkzeug
Sein wichtigstes Arbeitsgerät und Kommunikationsmittel war in dieser Zeit eine Schreibmaschine der Marke Mercedes, die Mitte 1914 im thüringischen Zella-Mehlis hergestellt und von Eisner in der zweiten Jahreshälfte erworben wurde. Wie Eisners Töchter sich später erinnern, wurden damals darauf sämtliche maschinengeschriebenen Schriften, Artikel und Korrespondenzen getippt. Bestätigt wurde dies durch die Schriftgutachten, die das Haus der Bayerischen Geschichte veranlasste. Der Großteil der Schriftstücke, die während des Ersten Weltkrieges auf der Schreibmaschine entstanden sind, dürfte von Eisners Frau Else getippt worden sein. Eisner diktierte ihr oder fertigte ihr handschriftliche Vorlagen zur Ausarbeitung an. In dieser Arbeitsteilung verfasste Eisner unter anderem Theaterkritiken für die Münchener Post sowie Artikel für das von ihm herausgegebene Arbeiter-Feuilleton, eine Pressekorrespondenz, mit dem er soziale Missstände anprangerte und Stellung zu Politik und Krieg bezog. Ebenso dürften darauf Briefe an diejenigen Personen geschrieben worden sein, die mit Eisner am 7./ 8. November 1918 den Umsturz wagten und schließlich den Freistaat Bayern begründeten. Eisners Erbe als Ministerpräsident wirkt bis heute fort, da er in Bayern etwa das Wahlrecht für Frauen oder den 8-Stunden-Tag umgesetzt hat.

Schreibmaschine von Kurt und Else Eisner © Haus der Bayerischen Geschichte
Die Odyssee einer Schreibmaschine
Nach der Ermordung Kurt Eisners am 21. Februar 1919 blieb die Schreibmaschine im Besitz seiner Witwe Else, die die Schreibmaschine weiterhin benutzt hat. Anfang Mai 1919 flieht Else Eisner nach der Niederschlagung der Räterepublik aus Bayern. Die Schreibmaschine begleitet sie in den folgenden Jahrzehnten bei ihrer Odyssee durch Mitteleuropa. Sie führt die Witwe Eisners über Südbaden und die Schweiz bis nach Frankreich. Nach dem Selbstmord von Else Eisner 1940 im Kloster Bon-Pasteur in der französischen Stadt Dole (Dép. Jura) blieb die Schreibmaschine bis in die 1950er Jahre dort und gelangte erst 1959 wieder in den Besitz von Eisners Töchtern in Gengenbach und Ostberlin, wo sie über drei Generationen lang - offenbar von der Öffentlichkeit unbemerkt - als Erinnerungsstück aufbewahrt wurde.
Übergabe an das Haus der Bayerischen Geschichte
Nun übergeben Kurt Eisners Urenkel Susanne Rother und Christian Strahl die Schreibmaschine offiziell dem Haus der Bayerischen Geschichte, wo sie ab 8. Juli 2026 als Jahrhundertobjekt der bayerischen Demokratiegeschichte in der Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie" in Regensburg zu sehen sein
wird.
Haus der Bayerischen Geschichte / RNRed