Wenn Licht zur Kunst wird: Das RE.LIGHT Lichtfestival ist zurück in Regensburg. Nach dem großen Erfolg 2024 kommen neue und alte Künstler zurück nach Regensburg und verzaubern die Stadt mit ihren Installationen, die an verschiedenen Orten in der Innenstadt zu sehen sind.
Kulturreferent Wolfgang Dersch erklärt zum Start des RE.LIGHT International Light Art Festivals in Regensburg, dass das Festival nicht ohne die Sponsoren machbar gewesen wäre und bedankt sich bei ihnen, sowie bei den Künstlerinnen und Künstlern und der Kuratorin Nika Perne. Diese betont, dass sie sich wünsche, dass das Festival mit der Stadt lebe und erklärt, dass es ihr Ziel gewesen sei, RE.LIGHT mit und für die Stadt Regensburg zu organisieren. Von Flaggen über Betonscheinwerfer bis hin zu Lasern ist hier alles rund um Licht und Kunst zu bestaunen.
Rundgänge und Audioguides
Das Festival findet von Donnerstag, den 12. März, bis Sonntag, den 22. März, jeweils von 18:00 Uhr bis 22:30 Uhr statt. Insgesamt sind es 15 Installationen, von denen zwei kostenpflichtig sind. In den Flyern des RE.LIGHT Festivals, die in der Altstadt in Regensburg verteilt sind, sowie online auf der Website des RE.LIGHT sind die Standorte der Installationen markiert und die Route aufgezeichnet. Die Gehrichtung wird von der am Flyer angegebenen Nummerierung bestimmt – man kann aber jederzeit einsteigen. An den Abenden des RE.LIGHT sind auch geführte Rundgänge möglich, die auf der Website der Stadtmaus buchbar sind. Außerdem gibt es einen kostenfreien Audioguide, der entweder über einen QR-Code am Flyer oder online verfügbar ist. An den Kunstwerken sind auch die RE.LIGHT-Art-Mediators anzutreffen, die gerne nähere Informationen geben.
Die Station, die auf dem Flyer mit Nummer eins betitelt ist, befindet sich am Haidplatz im Thon-Dittmer-Palais. Einige Künstler, die aus verschiedenen Ländern kommen, waren am Tag vor der Eröffnung vor Ort und haben über die Entstehung und den Hintergrund ihrer Installationen berichtet.
Zeit und Raum
Sebastian Kite, ein Künstler aus England, der die Schnittstelle zwischen Kunst, Architektur und Musik untersucht, beschreibt seine Installation „Inner Time“, die sich im Thon-Dittmer-Palais befindet, als „time capsule“. Die Installation sieht aus wie drei Beton-Arme mit Lichtern am Ende, die sich um sich selbst drehen. Sie sind auf einem Betonsockel befestigt, in dem sich Wasser befindet. Das Kunstwerk wirkt, als würde es über dem Wasser schweben und bewegt sich gemeinsam mit der gregorianischen Musik im Hintergrund, die in einer Kooperation mit den Regensburger Domspatzen aufgenommen wurde. Diese sind am Dienstag, den 17. März, von 19:00 Uhr bis 20:00 Uhr und am Donnerstag, den 19. März, von 19:00 Uhr bis 20:00 Uhr im Thon-Dittmer-Palais live zu hören. Sebastian Kite erklärt, dass seine Installation eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart darstellt. Das Kunstwerk und die Klangkulisse lassen Zeit und Raum verschwimmen und erzeugen einen ganz anderen Blickwinkel auf die Zeit.

„Inner Time“, © filterVerlag
Symbol für Emanzipation
Auch Vanessa Hafenbrädls Installation „No Flag“ schafft es, einen großen Eindruck zu erzeugen. Die deutsche Künstlerin versucht mit ihren Kunstwerken, ob aus Glas, Musik oder Video-Mapping, gesellschaftspolitische Themen mit lokalen Bezügen auf emotionale Weise zu vermitteln. Ihr Kunstwerk, das eine Flagge aus Stoff ist, auf die ein Video einer Frau projiziert wird, hängt zwischen Rathausplatz und Kohlenmarkt. Es thematisiert das Thema Unterdrückung von Frauen. Es sieht fast so aus, als würde die Frau dort wirklich hängen und erzählen. Im Hintergrund hört man eine Mischung aus dem Lied „Ermutigung“ von Wolf Biermann und dem Frauenchor Haiyti und Tbilisi. Die Künstlerin erzählt vor Ort, dass kurz zuvor auf dem Kohlenmarkt noch eine Demonstration zum Frauentag stattgefunden hat. Sie erklärt, dass das Thema Humanismus und Unterdrückung, was auch auf der Demo eine große Rolle spielte, ein Thema für die Gesamtgesellschaft sei. Vanessa Hafenbrädl will genau das mit ihrer Installation ausdrücken. Diese ist in gewisser Weise ein Symbol für Emanzipation und das Weibliche. Insgesamt dauert die Kunstdarbietung 18 Minuten.

„No Flag“, © filterVerlag
Bertolt Brecht des Mappings
Daniel Rossa, New-Media-Künstler aus Deutschland, hat für seine Installation „Metatecture“ das Haus der Bayrischen Geschichte besucht und sich mit dem Inhalt, wie auch mit der Architektur und Struktur des Gebäudes auseinandergesetzt. Der Begriff „Metatecture“ kommt von dem Wort Metafiction aus der Literatur, was bedeutet, dass eine Geschichte immer wieder ihre eigene Fiktionalität bricht und man als Leser erkennt, dass es sich um eine fiktionale Geschichte handelt. Genau so wollte der Künstler seine Installation auch konzipieren – unterschiedliche Sequenzen, die immer wieder unterbrochen werden. Daniel Rossa ist gewissermaßen der Bertolt Brecht des Mappings. Die Installation, die von der Mitte der Eisernen Brücke aus übrigens am besten zu sehen ist, bricht also immer wieder das Konzept und man erkennt, dass es eben genau das ist: eine Installation. Von Farbwolken über Skizzen bis hin zu Technikplänen signalisiert der Künstler, dass das alles eben nicht echt ist. Insgesamt ist „Metatecture“ die teuerste Installation des Festivals mit zehn Projektoren und einer Stärke von über 30.000 Lumen. Ein Teilausschnitt der Installation wird sogar für eine Woche im BMW-Werk in Regensburg für die Mitarbeiter ausgestrahlt, um auf das Festival aufmerksam zu machen.

„Metatecture“, © filterVerlag
Historische Zeitrisse
Fragmentierte Bilder und Geschichten benutzt auch die aus Berlin angereiste Video- und New-Media-Künstlerin Liudmila Sieweski, die sich im Rahmen ihrer Installation „Zeitrisse“ am Neupfarrplatz mit Projektionsmapping und Medienszenographie beschäftigt. Ihre Kunstdarbietung erzählt die Geschichte Regensburgs – von den Römern über die NS-Zeit bis hin zum UNESCO-Welterbe. Die Fassade der Kirche wird zu einer Art Geschichtsstunde, die alle Epochen verschmelzen und neu zusammensetzen lässt. Die Künstlerin erklärt, dass es wichtig sei, die Hintergründe Regensburgs zu kennen und die Textur des Gebäudes zu verstehen, um so eine Projektion zu erschaffen. So ist auch der Neupfarrplatz historisch einer der wichtigsten Plätze Regensburgs.

„Zeitrisse“, © filterVerlag
Rotes Meer aus Lasern
Etwas beängstigend wird es in der Dreieinigkeitskirche, in der die Künstlerin Margareta Hesse, die ebenfalls aus Berlin kommt, in ihrer Installation „No Barrier“ Laser verwendet. Diese sind mit einem Sicherheitsmechanismus ausgestattet, damit Besucherinnen und Besucher die Laser berühren und passieren können, ohne dass jemand verletzt wird. Die Laser geben einem das Gefühl, in ein rotes Meer einzutauchen. Margareta Hesse hat für ihre Installation extra einen Orgelton aufgenommen und bearbeitet, denn: „Eine Installation ohne Sound ist wie ein Film ohne Ton.“

„No Barrier“, © filterVerlag
Ampelshow
Eines der Installationen, für die ein Ticket benötig wird, ist „Transit“ des Duos cabosanroque – das Laia Torrents Carulla, Diplom-Wirtschaftsingenieurin und Roger Aixut Sampietro, diplomierter Architekt, bilden – und des Designbüros Studio Animal. Das Künstler-Duo und Javier Jimenez Iniesta, der Leiter des Studios, kommen aus Spanien. Die Installation, für die das Velodrom extra geöffnet wurde, besteht aus 49 Ampeln, die in einem Viereck aufgehängt wurden. Die Show beginnt mit ein paar Ampeln, die aufleuchten und wird dann immer wilder. Die Ampeln erkennt man als solche gar nicht wieder, man sieht nur verschiedene Lichter und hört dazu Töne von Motoren und immer wieder das Wort „Lux“. Die Lichter bewegen sich teilweise so schnell, dass man dem Ganzen gar nicht mehr folgen kann. Die Installation dauert circa zwölf Minuten und kann mit dem Kombiticket für 14 Euro zu festen Zeiten besucht werden.

„Transit“, © filterVerlag
Rund ums Festival
Als Begleitprogramm bieten Bars und Cafés in Regensburg Möglichkeiten zum Entspannen und Genießen an. Außerdem gibt es in ausgewählten Lokalen das RE.LIGHT Gedeck – einen leuchtenden Cocktail mit Snack für zwölf Euro.
Das RE.LIGHT Regensburg läuft noch bis Sonntag, den 22. März, und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
Lucia Stuber / RNRed