Was macht eine Sache wertvoll? Ist es das Material, die Arbeit, die darin steckt, oder der Wert, den wir ihr zuschreiben? „stroh zu gold“ nennt die Künstlerin Regina Hellwig-Schmid ihre Rauminstallation in der Minoritenkirche im Historischen Museum. Die Ausstellung wird am Sonntag mit einer Performance der Künstlerin eröffnet.
Im Inneren der Regensburger Minoritenkirche leuchtet es golden. Es riecht nach Stroh. Die Künstlerin Regina Hellwig-Schmid verwandelt Stroh zu Gold. Im sakralen Raum changiert ihr Werk zwischen ideeller und materieller Verheißung. In Installation und Performance hinterfragt sie Wert, Reichtum und Sinn. Hellwig-Schmid eröffnet so einen weitreichenden Dialog.
Die Ausstellung wird am Sonntag, den 29. März, um 11:00 mit einer Performance der Künstlerin eröffnet.
Während der Laufzeit der Ausstellung in der Minoritenkirche im Historischen Museum (Dachauplatz 2) vom Montag, den 30. März, bis Sonntag, den 17. Mai, finden sonntags um 11:00 Uhr Gespräche statt, die den wirtschaftlichen, ernährungsbezogenen, kunsthistorischen, philosophischen, religiösen und mythischen Kontext ausleuchten.
Was ist wertvoll?
Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine überwältigende Skulptur aus Stroh. Wer genau hinschaut, erkennt einzelne goldene Halme. Stroh ist ein weitgehend wertloses Nebenprodukt aus der Landwirtschaft. Gleichzeitig präsentieren sich Teile der Installation von Regina Hellwig-Schmid als eines der wertvollsten und begehrenswertesten Materialien – Gold. Während die Krisen und Kriege rund um den Erdball bedrohlich näher rücken, schießt der Goldpreis durch die Decke. Doch was macht seinen Wert aus? Was ist wertvoll? Hat nicht König Midas im antiken Epos die Ambivalenz des Goldes eindrucksvoll vorgeführt? Oder Rumpelstilzchen im Grimm’schen Märchen?
Sonntagsgespräche
„stroh zu gold“ berührt zahlreiche Sinnzusammenhänge. Ernährung, Existenz und Wert sind nur einige davon. Während der Laufzeit der Ausstellung finden in der Minoritenkirche sonntags um 11:00 Uhr Gespräche mit Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichsten Branchen statt.
Am Ostersonntag, den 5. April, eröffnet Peter Geiger die Reihe mit der grundlegenden Frage: Was ist wertvoll – das Gold oder die Geschichten, die wir ihm zuschreiben? Am Sonntag, den 12. April, widmet sich Dr. Maria Baumann, Museumsleiterin und Diözesankonservatorin beim Bistum Regensburg, dem Thema „Gold in der Kunst“ und beleuchtet es als Zeichen des Göttlichen. Eine Woche später, am Sonntag, den 19. April, spricht Monika Reinecker vom Gut Aukofen bei Mintraching über den Zusammenhang von Brot, Ernte und Leben als Ursprung allen Reichtums. Am Sonntag, den 26. April, bringt Susanne Niemann psychologische Aspekte ins Gespräch und thematisiert Fragen von Wert, Anerkennung und Selbstbild. Darauf folgt am Sonntag, den 3. Mai, Dr. Birgit Angerer, Kreisheimatpflegerin im Landkreis Schwandorf, mit einem Blick auf ethnologische Aspekte und die Bedeutung von Stroh im Alltag. Am Sonntag, den 10. Mai, geht Dr. Hans Simon-Pelanda der Frage „Gold und Glaube – Verheißung oder Versuchung?“ nach. Den Abschluss bildet am Sonntag, den 17. Mai, Julia Weigl-Wagner mit dem Märchen „Rumpelstilzchen“, das die Thematik auf erzählerische Weise aufgreift und abrundet.
Lebensthema der Künstlerin
Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich Regina Hellwig-Schmid mit dem vielgestaltigen Thema „stroh zu gold“. Im Museum der Arbeit in Hamburg zeigte sie 2006 eine Schatztruhe, aus der statt Gold Stroh quoll. Jetzt gewinnt das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an Dimension und Sinnhaftigkeit. Im sakralen Raum der ehemaligen Bettelordenskirche der Minoriten bewegt sich die Bildsprache der Künstlerin zwischen materieller und ideeller Verheißung.
„stroh zu gold“ avancierte zum Lebensthema der Künstlerin, wurde zur Allegorie für das eigene Tun. Stroh steht für Ernte, Nahrung und Überleben, für Arbeit und Kreisläufe, für das Fundament menschlicher Kultur. Gold hingegen symbolisiert Macht, Transzendenz, Reichtum und göttliche Verheißung. „Gerade im Aufeinandertreffen beider Materialien wird sichtbar, dass Wert keine feste Größe ist, sondern eine Zuschreibung – ein kultureller, sozialer und ökonomischer Akt“, sagt Regina Hellwig-Schmid über ihre raumgreifende Installation aus unzähligen Halmen, ein Teil davon vergoldet.
Über die Künstlerin
Regina Hellwig-Schmid ist Künstlerin und Kuratorin. In den vergangenen Jahren überzeugte sie mit Ausstellungen, zum Beispiel im Frauenmuseum Bonn, im Museum der Arbeit in Hamburg, bei den Kunstsammlungen Bistum Regensburg oder beim Europaparlament in Brüssel. Bis Ende Dezember 2025 war die von Regina Hellwig-Schmid co-kuratierte Ausstellung „Sheroes / Heldinnen“ (Positionen aus Südosteuropa) im Frauenmuseum in Bonn zu sehen.
Regina Hellwig-Schmid lebt und arbeitet in Regensburg. Sie ist Präsidentin des Künstlerverbund im Haus der Kunst e. V. sowie Gründerin des KunstKnoten e. V. und des donumenta e. V. für zeitgenössische Kunst. Hellwig-Schmid wurde mit dem Kulturpreis Bayern und dem Kulturpreis der Stadt Regensburg geehrt. Sie ist ausgezeichnet mit dem Preis Frau Europas der Europäischen Bewegung Deutschlands 2004 und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande.
Stadt Regensburg / RNRed