Bayern in den 1920er Jahren: Eine junge Demokratie gerät ins Wanken, politische Extreme gewinnen an Einfluss und aus einem kaum beachteten Redner wird Adolf Hitler. Die neue Bayernausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zeigt, wie Radikalisierung entsteht – und warum der Blick zurück heute aktueller denn je ist.
Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder und der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl, haben die Bayernausstellung 2026 „Brennpunkt Bayern. Hitler und der Kampf um die Demokratie“ feierlich eröffnet.
Söder sagte bei der Eröffnung der Bayernausstellung: „Aus der Geschichte lernen, um die Zukunft positiv zu gestalten: Das Wissen um die Geschichte hilft, Zusammenhänge zu verstehen, Entwicklungen zu erkennen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus darf sich niemals wiederholen. Die beispiellosen Verbrechen an Millionen Menschen bleiben ein immer währendes Mahnmal.“ Die Weimarer Republik sei nicht wegen der Stärke der Radikalen gescheitert, sondern auch wegen der Schwäche der Demokraten. Heute gebe es wieder Verunsicherung und die Suche nach vermeintlich einfachen Antworten und Schuldigen. Zur Bewahrung von Demokratie und Freiheit seien Pluralismus und gemeinschaftlicher Zusammenhalt umso wichtiger. „Unsere Demokratie muss stark, lebendig und wehrhaft sein. Es ist unsere tägliche Aufgabe, unsere Werte zu verteidigen und die Demokratie zu schützen.“
„Demokratie ist kein Selbstläufer, sie muss verstanden, gelebt und verteidigt werden“
Kunstminister Markus Blume erläutert: „Eine Ausstellung mit historischem Tiefgang und hochaktueller Botschaft! Die Bayernausstellung 2026 zeigt auf: Demokratie ist kein Selbstläufer, sie muss verstanden, gelebt und verteidigt werden. Genau dafür schafft das Haus der Bayerischen Geschichte einen außergewöhnlichen Lern- und Erlebnisort. Gerade in einer Zeit, in der Extremisten unsere Demokratie herausfordern, Hass und Hetze den öffentlichen Diskurs vergiften und Gewissheiten ins Wanken geraten, ist dieser Blick auf die 1920er-Jahre wichtiger denn je. Das Haus der Bayerischen Geschichte leistet hier Großartiges.“ Die Ausstellung führe ihre Besucherinnen und Besucher mitten hinein in die politischen Bühnen der 1920er Jahre. Sie öffne den Blick auf die Mechanismen der Radikalisierung, verbinde historisches Wissen mit einem innovativen Filmschauspiel und mache Demokratie mit interaktiven Angeboten und dem Fest der Demokratie unmittelbar erlebbar. „Genau so gelingt zeitgemäße Demokratiebildung. Mein herzlicher Dank gilt Dr. Richard Loibl und seinem gesamten Team für diese kluge, mutige und hochinnovative Ausstellung. Sie macht Vergangenheit verständlich, schärft den Blick für die Gegenwart und stärkt das Bewusstsein dafür, dass Demokratie unser wertvollstes Gut ist.“
Ein Land im Umbruch
Wirtschaftliche Krisen und politische Gewalt bedrohen in den frühen 1920er Jahren die Weimarer Republik. Zum Brennpunkt wird Bayern. Hier erringen die Nationalsozialisten erste Erfolge, scheitern aber im November 1923 mit einem Putschversuch. Im Hochverratsprozess lässt die bayerische Justiz die Rädelsführer glimpflich davonkommen. Die Bayernausstellung 2026 im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zeigt den Kampf um die Demokratie Anfang der 1920er-Jahre und wie sich darin der 1913 nach Bayern übersiedelte Hitler von der Zuschauer-, in die Statisten-, und schließlich in die Hauptrolle drängt.
Ein Land im Umbruch, die Demokratie von Rechtsaußen und Linksaußen bedrängt, Politiker bedroht. Einem Politiker aus den 1920er Jahren kämen die heutigen Zeiten womöglich bekannt vor. Mehr als 600 Hassbotschaften, die Kurt Eisner innerhalb von drei Monaten erhielt, fand man im Nachlass des Ministerpräsidenten. „Daran sieht man: Man muss aufpassen. Auch damals beginnt die Radikalisierung mit der Sprache“, erklärt Dr. Richard Loibl, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Vor 100 Jahren allerdings hatte das Land gerade den Ersten Weltkrieg verloren, war radikalisiert, noch von Monarchie geprägt, von Armut, Mangel und den Nachwirkungen der Spanischen Grippe geschlagen. Die Anzahl der Menschen, die 100-prozentig hinter der Demokratie standen, war klein. „Heute genießt Demokratie stabile Wertschätzung insbesondere bei den Jungen“, ordnet Dr. Loibl ein.
Wer gefährdet die Demokratie? Wer verteidigt sie?
Im Zeitalter der Massenkundgebungen führen die Protagonisten den Kampf um die Demokratie mit theatralischen, bereits von den Zeitgenossen als beinahe bühnenhaft wahrgenommenen Auftritten. Schriftsteller wie Lion Feuchtwanger oder die Journalistin Paula Schlier verarbeiten die Ereignisse in ihren Werken und beschreiben das bayerisch-politische Milieu als Nährboden des Nationalsozialismus. Deshalb fasst die rund 500 Quadratmeter große Ausstellung die prägenden Ereignisse im Brennpunkt Bayern in fünf Bühnenbildern zusammen und beleuchtet die zentralen Protagonisten: Wer gefährdet die Demokratie? Wer verteidigt sie? Wer wird von der Bühne gedrängt? Wer agiert im Hintergrund?
Demokratie soll bewahrt und Extremismus verhindert werden
In Zeiten zunehmender Radikalisierung an den Rändern der Gesellschaft leistet das Haus der Bayerischen Geschichte mit der Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung und Extremismusprävention. Für Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schularten werden interaktive Begleitprogramme angeboten. Darüber hinaus können Schulen die ausstellungsbegleitende Plakatserie „Geschichte frei Haus“ kostenlos beziehen. Als weiteres Highlight wird vom 24. bis 26. Juli 2026 das „Fest der Demokratie“ mit umfassendem Programm für Jung und Alt die Werte unserer Demokratie in den Mittepunkt stellen.
Internationale Kooperationsausstellung
Die Bayernausstellung 2026 wird in Kooperation mit dem Haus der Geschichte | Museum Niederösterreich präsentiert, das 2020 in der Ausstellung „Der junge Hitler. Prägende Jahre eines Diktators 1889 – 1914“ die Jugendjahre Adolf Hitlers in den gesellschaftlich-politischen Kontext der Donaumonarchie Österreich-Ungarn um 1900 eingeordnet hat. An die Erzählung anknüpfend, zeigt das Haus der Bayerischen Geschichte nun die gesellschaftlich-politischen Ereignisse und Strömungen in Bayern sowie Adolf Hitlers politische Anfänge in den 1920er Jahren. Die Konzeption der internationalen Kooperationsausstellung wurde von einem hochrangig besetzten wissenschaftlichen Beirat begleitet.
Kostenlose Attraktion – Bayern in den 1920er Jahren
Als kostenlose Attraktion zeigt das Haus der Bayerischen Geschichte das 25-minütige Filmschauspiel „Wartesaal – Bayern in den 1920er Jahren“, von und mit Christoph Süß, sowie Luise Kinseher, Christian Springer, Max Uthoff und Helmut Schleich in den weiteren Rollen. Das mit modernster Technik produzierte Schauspiel blickt in eine Zeit der Auf- und Umbrüche aber auch der Abgründe. Der Film ist zweimal täglich und nach Voranmeldung auf großer Leinwand zu sehen.
Magazin zur Bayernausstellung
Das neue HDBG-Magazin ist der Begleitband zur Bayernausstellung „Brennpunkt Bayern. Im reich bebilderten Magazin beschäftigen sich neun Expertinnen und Experten mit Fragen rund um das politische Geschehen der 1920er-Jahre in Bayern. Was ist die Ordnungszelle Bayern? Wie entwickelt sich Adolf Hitler vom perspektivlosen Weltkriegsveteran zum Führer der Rechtsextremen? Sind nur zwei der Fragen, die im Magazin beantwortet werden. Neben den historischen Fragen spielen auch aktuelle Themen eine wichtige Rolle im Magazin.
Haus der Bayerischen Geschichte / RNRed