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Die Nacht vom 9. auf dem 10. November 1938 markiert eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts und der Geschichte Regensburgs. Es ist der Beginn der unfassbar schrecklichen Gewalt des nationalsozialistischen Regimes gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Zusammen mit der Jüdischen Gemeinde und verschiedenen Jugendgruppen organisiert die Stadt zum ersten Mal eine gemeinsame Gedenkveranstaltung.


Im Zuge eines "Runden Tisches" sind unter der Moderation von Bildungsreferent und Leiter des Amts für Weiterbildung Dr. Hermann Hage und Carsten Lenk, Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerk, bereits mehrmals Vertreter der Kirchen, der Bildungseinrichtungen, der Universität, der Staatlichen Bibliothek und der Initiativen und Verbände zusammengekommen, um sich mit dem Thema der "Erinnerungskultur" auseinanderzusetzen. Erstes sichtbares Ergebnis: Eine Gedenkveranstaltung für die Pogromnacht und den Regensburger Schandmarsch, erstmals organisiert von der Stadt Regensburg in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde und evangelischen und katholischen Jugendvereinen.

Oberbürger Joachim Wolbergs, der seit Mai den Vorsitz des besagten Runden Tisches innehat, möchte mehr Dynamik in die Erinnerungskultur der Stadt bringen und ein Gesamtkonzept etablieren.

Unter dem Motto "Sieben Flammen gegen das Vergessen" findet heute, den 9. November, erstmals eine gemeinsame Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht und der Zerstörung der Synagoge 1938 statt. Dafür laden die besagten Organisatoren alle Bürger um 18 Uhr in die Neupfarrkirche ein. Im Anschluss begeben sich die Teilnehmer auf dem "Weg des Gedenkens" zur Jüdischen Gemeinde, wo die Jugendgruppen verschiedene Stationen aufgebaut haben. Dort werden Oberbürgermeister Wolbergs und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, Ilse Danziger, jeweils eine Rede halten.

Die Reichspogromnacht

Die Nacht vom 9. bis 10. November markiert den Beginn der systematischen Vertreibung, Enteignung und Vernichtung der Juden aus Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus. Auch Regensburg war von den grausamen Gräueltaten der Nationalsozialisten schwer betroffen: In der besagten Pogromnacht wurde die Synagoge in der Schäffnerstraße niedergebrannt und zerstört, SS und SA verwüsteten jüdische Geschäfte und schikanierten die jüdische Bevölkerung in der Öffentlichkeit. In einem "Schandmarsch" schickten die Nationalsozialisten Regensburger Juden durch die Maximiliansstraße, wo sie von Passanten auf erniedrigende Weise geschlagen, bespuckt und mit Steinen beworfen wurden. In der Mittagszeit wurden jüdische Männer mit dem Bus in das Konzentrationslager in Dachau abtransportiert. Der 10. November ist wichtiger Gedenktag an die Nazigräuel dieses Datums, an welchem an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert wird.

Gedenken des Todesmarsches

In Regensburg befand sich im Stadtteil Stadtamhof ein KZ-Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg. In dem provisorischen Gefangenenlager im Gasthaus "Colosseum" wurden im März und April 1945 um die 400 männliche KZ-Häftlinge eingewiesen. Als dieses am 23. April 1945 aufgelöst wurde, wurden die Insassen auf einen sogenannten Todesmarsch nach Landshut geschickt. Nur etwa 50 Menschen überlebten den Marsch.

Laut Carsten lenk soll ab jetzt auch ähnlich wie an die Reichskristallnacht gemeinsam an diesen Marsch gedacht werden. Die Stadt soll dafür ebenfalls die Federführung für die einzelnen Verbände übernehmen.

In diesem Zusammenhang kündigte Lenk eine Alternative zur bisherigen Gedenkplatte vor dem Colosseum in Stadtamhof an. Die Gedenkplatte, welche sich seit 2011 im Boden vor dem Gebäude befindet, ist sehr umstritten. Der Text darauf würde das Leid und den Tod der NS-Opfer verharmlosen. Als "grotesk" beurteilten die Gutachter Ulrich Fritz der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Dr. Jörg Skribeleit der KZ-gedenkstätte Flossenbürg und Prof. Dr. Markus Spoerer von der Uni Regensburg die in kritikgeratene Gedenkplatte. Wie die Alternative jedoch konkret aussehen wird, konnte der EBW-Chef bisher noch nicht sagen.


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Foto: pfatter / www.flickr.com
Das Dani Karavan Denkmal markiert einen Teil des Grundriss der zerstörten Synagoge in Regensburg. Als "lebender" Denkort ist dieses Gebilde fest in das Stadtbild integriert.

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