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Seit mehreren Jahren laufen die Ermittlungen, mittlerweile beläuft sich die Zahl der möglichen Opfer auf etwa 422 ehemalige Domspatzen. Erstmals trat 2010 Alexander Probst mit seinen Erfahrungen ans Licht, von Pax Christi wurde ihm deshalb dieses Jahr ein Preis für Zivilcourage verliehen. Bis Ende 2017 sollen die Opfer mit zwischen 5.000 und 20.000 Euro Schmerzensgeld entschädigt werden, je nach Schwere des Missbrauchs.

Die Opfer, die in den vergangenen Jahren nach und nach vortraten, wurden zwischen 1945 und Anfang der 1990er sexuell und körperlich missbraucht und gedemütigt. Viele trauten sich nicht darüber zu reden – bis Alexander Probst (Foto unten), in der Hoffnung endlich Frieden und Aufklärung zu finden, den Schritt wagte und als Erster an die Öffentlichkeit trat. Wie die Anderen, die ihm später folgten, hatte er Geschichten von Grausamkeit, Pädophilie und Perversion zu erzählen, ein Schicksal, das viele berührte und viele, die es teilten, dazu ermutigte auch an die Öffentlichkeit zu gehen.

Nach jahrelangen Untersuchungen sollte nun der Abschlussbericht im ersten Quartal 2017 veröffentlicht werden. Der Zeitpunkt verschob sich jedoch auf die zweite Juliwoche, da immerzu weitere Informationen auftauchten, die zu berücksichtigen waren. Dabei handelte es sich sowohl um Informationen über bereits bekannte Opfer, als auch Meldungen über weitere Geschädigte. Rechtsanwalt Ulrich Weber untersuchte den Skandal über zwei Jahre und achtete - nebst umfangreicher Strukturierungs- und Einordnungsarbeiten – darauf, allen Beteiligten gerecht zu werden und einen vollständigen Bericht zu verfassen.

Im Oktober 2016 eröffnete Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer, dass Missbrauchsopfer der Einrichtungen der Domspatzen bis zu 20.000 Euro Schmerzensgeld erhalten sollten, abhängig davon wie schwerwiegend die Übergriffe gestaltet waren. Die finanziellen Entschädigungen sollen Ende 2017 erfolgen.

Die Verantwortlichen des Missbrauchs seien bis auf eine Person bereits verstorben, können also nicht zur Verantwortung gezogen werden. Clemens Neck, Pressesprecher des Bistums Regensburg, zeigte sich bereits in der Vergangenheit bedauernd über den Skandal: „Man weiß nicht, was schwerer wiegt, die Striemen und blauen Flecken am Körper oder die Wunden der Seele, die nicht so schnell, oft gar nicht heilen.“ Ihm war es stets ein Anliegen, Betroffenen zur Seite zu stehen und sich bei diesen, mit allen in seiner Macht stehenden Mitteln, zu entschuldigen „Es schmerzt mich und tut mir in der Seele weh: jeder einzelne Fall, hinter dem ja ein Mensch steht, eine Kinderseele in diesen Fällen, schwer gequält, oft für das Leben gezeichnet. Ich kann es nicht ungeschehen machen und die Betroffenen nur um Vergebung bitten“, beteuerte er im Interview im Februar 2016.

Bereits im Jahr 2007 gab es einen Missbrauchs-Skandal, als Pfarrer von Riekofen den sexuellen Missbrauch von 22 Ministranten gestand und im Folgejahr verurteilt wurde. Auch zu diesem Zeitpunkt wurde dem Bistum eine Mitschuld vorgeworfen, da 1999 ein vorbestrafter Sexualstraftäter, der nicht mit Kindern hätte arbeiten dürfen, als Kaplan Kinder missbrauchte.

Zwischen 1945 und 2010 wurden bereits 13 Geistliche wegen sexuellem Missbrauch an Kindern strafrechtlich verurteilt, darunter befanden sich zwei ehemalige Direktoren der Regensburger Domspatzen. Dabei soll es zu Betastungen des Körpers, gegenseitiger Onanie, Zungenküssen, geschlechtsverkehrähnlichen Handlungen, Schenkelverkehr und einmal auch zu versuchtem Afterverkehr gekommen sein. Im Juli wird sich im Abschlussbericht zeigen, welche anderen schwerwiegenden Vergehen an den rund 422 geschädigten jungen Sängern der Domspatzen zwischen 1945 und den 1990ern ausgeübt wurden.

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