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Erfolgreiche Absolventinnen und Studentinnen der Informatik an der OTH Regensburg sprechen über ihre Erfahrungen an der Hochschule, Geschlechterverhältnisse oder der Arbeit als Mutter. 

So mancher (technischer) Studiengang oder Beruf wird von hartnäckigen Stereotypen verfolgt. Es seien Jobs für Einzelgänger, für ‚Nerds‘ und vor allem: Für Männer. Doch die Zeiten ändern sich. An der Fakultät Informatik und Mathematik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) studieren mehr und mehr Frauen. Einige Studiengänge wie die technische Informatik oder die Wirtschaftsinformatik sind noch zu 87, beziehungsweise 72 Prozent „männlich“, bei der medizinischen Informatik jedoch liegt das Geschlechterverhältnis bereits bei 50-50.  

Mit der Informatik ganz nach oben 

„Es gibt keinen Grund, warum Frauen keine Informatikerinnen werden sollten. Wenn ich das Wissen habe, wenn ich Kompetenz habe, werde ich auch für voll genommen“, sagt die Informatik-Absolventin Melanie Bachinger, bevor sie wieder den Blick durch die Fensterscheibe nach draußen lenkt. Die Softwareentwicklerin steht hoch oben im Glasbau der Regensburger Techbase, mit einem Panoramablick, der kilometerweit über die Altstadt hinweg bis zum dunstblauen Horizont reicht. Melanie Bachinger hat sich den Platz hier oben erarbeitet.

Hier oben in den Büros ihrer IT-Firma rBITech, die sie 2011 nach ihrem Abschluss von der OTH Regensburg zusammen mit ihrem Mitbewohner gründete. Neben IT-Systemhilfe für regionale Mittelständische Unternehmen entwickelten sie eine App für die Waldwirtschaft: den Forestmanager. „Ich habe als Frau in dem Feld noch nie ein Problem gehabt“, erzählt Melanie Bachinger, „ich war aber auch schon immer dickhäutig und schlagkräftig.“ Allen Schülerinnen und Studentinnen rät sie vor allem, nicht schon unsicher in die Berufssuche einzusteigen und eine abwertende Behandlung aufgrund des Geschlechts zu erwarten: „Es mag schon sein, dass es so etwas in großen Unternehmen noch gibt, aber davon darf man sich nicht einschüchtern lassen.“ 

Mit der Informatik die Gesellschaft voranbringen

Für manche gehe es schon in der Schule los. „Dort höre ich immer noch, dass Frauen nicht unbedingt gefördert werden, wenn es um MINT geht“, berichtet die Frauenbeauftragte der OTH Regensburg Prof. Dr. Christine Süß-Gebhard, „Das Bild vom Nerd ist noch recht dominant, auch das Vorurteil vom Einzelkämpfer, der nur vor dem Rechner sitzt.“ Meist sei das aber heutzutage falsch. Die Arbeit erfolge sehr oft in Teams, mit und für Menschen. Prof. Dr. Süß-Gebhard kann sich daher erklären, warum besonders die medizinische Informatik einen vergleichsweise hohen Frauenanteil hat: „Wenn Frauen studieren, so zeigen Studien, wollen sie den Sinn dahinter sehen. In der Medizin ist das sehr deutlich.“ Mona Poschenrieder ist eine der Studentinnen der medizinischen Informatik an der OTH Regensburg. Der Bezug zur Praxis war ein zentraler Grund, warum sie 2017 von ihrem vorherigen Wirtschaftsmathematik-Studium in Rosenheim nach Regensburg wechselte. Sie könnte seitdem nicht glücklicher sein mit dem Lernumfeld und ihren Informatik-Kommiliton*innen und -Professor*innen: „Einer der positivsten Punkte war, dass vor allem auch die männlichen Kommilitonen nie ein Problem damit hatten, dass wir als Frauen Informatik studieren. Für sie waren wir immer alle gleichwertig und sie haben uns geholfen (z.B. beim Programmieren). Meistens haben wir auch zusammen gelernt.“ 

Endlose Möglichkeiten bei der Berufswahl

Wie Mona Poschenrieder haben viele Studentinnen außerdem bereits während des Studiums begonnen, als Werkstudentinnen bei einer Firma zu arbeiten. Die Masterandin Erika Cardenas zum Beispiel arbeitet nebenbei als Softwareentwicklerin. „Durch das Praxissemester habe ich einen guten Anschluss bei der Firma AKTORmed bekommen", erzählt sie, "das Studium an der OTH ist wirklich sehr gut. Man hat viele Praktika, das heißt viel 'Hands-On'-Arbeit." Erika Cardenas studiert seit fünf Jahren in Regensburg. Ihre Begeisterung für das Feld kam bereits in der Schulzeit. In ihrer Heimat Kolumbien sei die Informatik ab der 6. Klasse Pflichtfach und werde sehr gefördert. Für Mädchen, genauso wie für Jungs. "Ich halte es für wichtig, das Vorurteil hinter sich zu lassen, dass bestimmte Berufe nur für ein Geschlecht gelten. Und dies muss zu Hause und in der Schule vermittelt werden", sagt Erika Cardenas. Mit dem Studium an der OTH ist sie sehr glücklich, hier sei sie noch nie aufgrund ihres Geschlechts anders behandelt worden. "Nur im privaten Umfeld können Menschen nicht glauben, dass ich als junge Frau Informatik studiert habe. Als wäre das nur ein 'Männer-Job', mit dem Frauen nichts anfangen können. Und viele sind einfach sehr begeistert, dass eine Frau so ein Studium anstrebt."

Auch die Masterandin Luise Middel fand in der Schule zur Informatik. Mit Hindernissen jedoch: Nach einem Schulwechsel wurde das Fach nicht mehr angeboten. „Deshalb habe ich mich umso mehr auf den Beginn des Studiums gefreut. Außerdem sind die Job-Aussichten auch nicht gerade schlecht", erzählt sie mit einem Augenzwinkern. An der OTH Regensburg schätzt sie vor allem die kleinen Gruppen und dadurch die enge Zusammenarbeit mit Kommiliton*innen und Professor*innen. Dass der Männeranteil in ihrem Master deutlich höher war, hat sie nie gestört. "Man sollte sich bei der Studiengangwahl daher nicht einschüchtern lassen", rät sie Schülerinnen, die sich noch nicht sicher in ihrer Studien- oder Berufswahl sind. 


Als Mutter im IT-Büro

Diesen Rat will auch StartUp-Gründerin Melanie Bachinger unterstreichen: "Ich kann nur sagen: Mädels, kommt zu mir. Ich würde mich freuen!" Gleichzeitig empfiehlt sie künftigen Informatik- Absolventinnen stets auch die Gründung eines eigenen Start-Ups: "Mich selbstständig zu machen, war die beste Idee!" Nicht nur wurde sie dadurch ihr eigener Chef. Auch die Gründung ihrer Familie war so kein Problem. Nachdem bereits während des Studiums an der OTH Regensburg ihre erste Tochter auf die Welt kam, folgten noch zwei 'Bürokinder', wie sie sie scherzhaft nennt. "Es hat sehr gut funktioniert. Die Kinder hatten Spaß, ich konnte arbeiten", erinnerte sie sich. Manchmal haben die IT-Kollegen auf die Kids aufgepasst. Das sei auch, was sie an der Informatik so schätze: Die Arbeit sei extrem flexibel, wirbt Melanie Bachinger: "Ich brauche nicht mal ein Büro. Ein bisschen Hardware und das war's." Sie selbst baute rBITech damals in der heimischen WG auf. Ihr Fazit zum Schluss: "Wenn das Interesse an der Informatik da ist, gibt es keinen Grund, es nicht zu studieren. Egal ob Mädel oder Junge."

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