Die heißen Tage machen aktuell vielen Menschen zu schaffen – und auch für die Kleinsten kann große Hitze zur Belastung werden. Mit dem Klimawandel werden hohe Temperaturen und Hitzewellen in Deutschland häufiger. In Schierling entsteht deshalb eine Kita, die von Anfang an auf sommerliche Hitze vorbereitet ist.
Das neue Haus für Kinder Schierling Süd „Schierlinger Ganserl“ an der Fruehaufstraße wird Ende des Jahres fertiggestellt sein. Es ist zum Teil mit einem Gründach ausgestattet und es bekommt eine eigene PV-Anlage. Um die natürliche Beschattung von Anfang an zu gewährleisten, hat der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens Markt Schierling beschlossen, größere Bäume zu pflanzen. Außerdem wurden die technischen Voraussetzungen für die aktive Kühlung des Gebäudes geschaffen.
Das neue Gebäude entsteht als Holz-Rahmen-Bau und wurde vom Kelheimer Architekturbüro Raith geplant. Mit der Umsetzung ist das Kommunalunternehmen Markt Schierling beauftragt.
Bald raus aus den Containern
Der Bau liegt im Zeitplan: Ende des Jahres sollen die Kinder aus den Containeranlage an der Fruehaufstraße in das neue Gebäude zu ermöglichen. Die Kindertagesstätte wird von den Johannitern betrieben. Die Fußbodenheizung und der Estrich sind eingebracht. Die Bayerbacher Firma Bergmüller hat den Holzbau weitgehend abgeschlossen. Die Trockenbauarbeiten sind in vollem Gange. Zum Teil kann bereits der beauftragte Schierlinger Maler Görs mit den Arbeiten beginnen. Zug um Zug werden dann die Fliesen verlegt, Türen und Einbaumöbel gesetzt und die Fußböden eingebracht. Auch die Erschließung des Außenbereiches mit Zufahrt und Parkplätzen hat die Firma Pritsch in den letzten Wochen zügig vorangetrieben. Der Auftrag für die Gartengestaltung ist vergeben.

Im Inneren sind noch die mächtigen Kanäle der Lüftungsanlage zu sehen, die für den kontinuierlichen Luftaustausch und Verbesserung der Luftqualität sorgt. Sie beugt der Schimmelbildung vor und unterstützt die Energieeffizienz des Gebäudes. © F. Wallner
Schwieriger Umgang mit Regenwasser
Auf der Grundlage des von einem Sachverständigen erstellten Bodengutachtens war die Versickerung des Regenwassers geplant, das auf dem gesamten Gelände anfällt. Doch die beim Aushub vorgefundenen tatsächlichen Bodenverhältnisse bestätigten diese Annahme nicht. Deshalb wurde umgeplant und die Versickerungsanlage in eine Regenrückhalteeinrichtung (Füllkörperrigole) mit einem Volumen von 89 Kubikmetern, also 89.000 Litern, verändert. Diese liegt unter der Zufahrt und den Parkplätzen.
Das wichtigste Ziel dabei ist, den in der Fruehaufstraße verlaufenden Abwasserkanal so gering wie möglich zusätzlich zu belasten.
Was ein Gründach alles kann
Das nach Westen orientierte Pultdach ist bereits begrünt, was zahlreiche positive Wirkungen auf das Mikroklima hat.
Besonders interessant ist die Regenwasserverwertung. Das Gründach nimmt einen Teil des Regenwassers wie ein Schwamm auf, speichert es und gibt es nach und nach durch Verdunstung wieder an die Umgebung ab. Gleichzeitig wird die Menge an Regenwasser, die in den Kanal kommt, extrem stark reduziert. Das Gründach bietet nicht nur Wärmedämmung im Winter, sondern auch Schutz vor Hitze im Sommer. Es schafft Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die Rast-, Futter-, Nist- und Brutgelegenheiten benötigen. Diese Vorteile machen das begrünte Dach zu einer wertvollen Investition für die Zukunft und tragen zur Reduzierung von CO2 und Feinstaub bei. Auf dem nach Süden ausgerichteten Teil des Daches wird eine Photovoltaikanlage installiert, die in erster Linie der Stromversorgung des neuen Gebäudes dient.

Unter der Zufahrt und den Parkplätzen ist eine Regenrückhalteanlage mit einem Fassungsvermögen von 89 Kubikmeter eingebaut worden. Von dort dürfen nur 1,25 Liter in der Sekunde in den Kanal abgeleitet werden, so dass eine Entleerung rund zwanzig Stunden beansprucht. © F. Wallner
Wenn die Wärmepumpe zum Kühlen genutzt wird
Bei der Konzipierung des Gebäudes und der Technik war besonders darauf zu achten, dass für die Kinder und das Personal optimale, auch gesunde Bedingungen gewährleistet sind. Eine wirksame „Lüftungsanlage“ sorgt für kontinuierlichen Luftaustausch, verbessert die Luftqualität, beugt Schimmelbildung vor und unterstützt die Energieeffizienz des Gebäudes. Dies ist besonders in modernen, energieeffizienten Gebäuden wichtig, die aufgrund luftdichter Bauweise keine natürliche Lüftung über Fensterfugen oder Türspalten zulassen.
Außerdem ist in diesem Gebäude die Möglichkeit einer „aktiven Temperierung“ über die Fußbodenheizung sowie über die raumlufttechnischen Anlagen vorgesehen. Heizungsbautechniker Alexander Krausenecker erklärt das so: „Bei der aktiven Kühlung wird der Kältemittelkreislauf der Wärmepumpe umgekehrt. Die Temperierung erfolgt sowohl über die vorhandene Fußbodenheizung als auch über Change-over-Register in den Lüftungsgeräten. Dadurch wird dem Gebäude Wärme entzogen und nach außen abgeführt. Der Verdichter der Wärmepumpe bleibt hierbei in Betrieb, während ein Vier-Wege-Umschaltventil die Umkehrung des Kältemittelkreislaufs ermöglicht. Es handelt sich auch bei diesem System nicht um eine klassische Raumkühlung, wie sie beispielsweise durch eine Klimaanlage erreicht wird.“ Ziel sei vielmehr eine moderate Absenkung der Raumtemperaturen, um das Raumklima an warmen und heißen Tagen spürbar zu verbessern.
37.000 Euro für größere Bäume
„Bäume sind die besseren Sonnenschirme!“, heißt ein wichtiger Grundsatz. Nicht zuletzt deshalb hat sich der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens dafür entschieden, bereits bei der Erstpflanzung auf große Bäume und Sträucher zu setzen, die nicht erst nach acht oder zehn Jahren für natürlichen Sonnenschutz sorgen, sondern bereits nach zwei Jahren mit einer beachtlichen Krone wie ein natürlicher Sonnenschirm wirken. Der Mehraufwand beträgt etwa 37.000 Euro, der durch Einsparungen an anderer Stelle finanziert wird.
Platz für 99 Kinder
Das neue Haus für Kinder hat Platz für insgesamt 99 Kinder in drei Kindergarten- und zwei Kinderkrippengruppen. Das Gebäude weist eine Nutzfläche von 1899 Quadratmetern auf, was annähernd elf Einfamilienhäusern entspricht. Allerdings ist der Standard nicht mit einem Privathaus vergleichbar. So schlägt allein die Lüftungsanlage mit gut 400.000 Euro zu Buche. Das Grundstück ist gut 5.300 Quadratmeter groß. Alles ist im Eigentum des Kommunalunternehmens. Mit dem Markt Schierling wurde ein Mietvertrag über 25 Jahre geschlossen. Vereinbart ist eine „Kostenmiete“, die sich am Aufwand des Kommunalunternehmens orientiert.
Das kostet die neue Kita
Die Gesamtkosten für das Gebäude, die Zufahrt, 17 Parkplätze, Regenrückhaltung und die Gartengestaltung sind mit 7.980.000 Euro geschätzt. Aufgrund der bisherigen Auftragsvergaben ist mit einer deutlichen Reduzierung dieser Kosten zu rechnen. Der Freistaat Bayern gibt einen Zuschuss von 2.448.000 Euro aus Finanzausgleichsmitteln (FAG) und 200.000 Euro als Holzbauförderung. Der Bund steuert rund 600.000 Euro bei, weil es sich um ein Gebäude mit dem „Qualitätssiegel nachhaltiges Bauen (QNG)“ handelt.
Markt Schierling / RNRed