Morgens liegt Tau auf den Wiesen, am Nachmittag reicht oft noch das T-Shirt: Der September kann mit einigen der schönsten Tage des Jahres überraschen. Dahinter steckt ein Wetterphänomen, das regelmäßig für spätsommerliche Wärme sorgt und dessen ungewöhnlicher Name eine besondere Geschichte hat.
Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Tage werden spürbar kürzer und morgens ist es bereits deutlich kühler. Und dann kommt er manchmal noch einmal zurück: der Spätsommer mit blauem Himmel, viel Sonne und Temperaturen von mehr als 20 Grad. Diese Schönwetterphase im September ist als Altweibersommer bekannt. Doch was steckt meteorologisch dahinter?
Hochdruck bringt Sonne und Wärme
Der Altweibersommer ist kein festes Datum im Kalender, sondern eine typische Witterungsphase. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) tritt sie häufig von Mitte September bis Anfang Oktober auf. Kennzeichnend sind stabile Hochdrucklagen, die für trockenes, ruhiges und tagsüber angenehm warmes Wetter sorgen.
Warme Luft kann dabei mit südlichen oder südöstlichen Strömungen nach Deutschland gelangen. Gleichzeitig sind die Nächte zu dieser Jahreszeit bereits deutlich länger als im Hochsommer. Dadurch kühlt die Luft nachts stärker ab. Morgens bilden sich deshalb häufig Tau und stellenweise Nebel, während es tagsüber in der Sonne noch einmal spätsommerlich warm werden kann. Der Altweibersommer verbindet damit zwei Jahreszeiten: Am Morgen kündigt sich bereits der Herbst an, wenige Stunden später fühlt es sich noch einmal nach Sommer an.
Warum heißt es eigentlich Altweibersommer?
Mit älteren Frauen hat der Begriff nichts zu tun. Der Name wird mit den feinen Spinnfäden in Verbindung gebracht, die zu dieser Jahreszeit besonders häufig in der Luft schweben und sich morgens im Tau gut erkennen lassen. Junge Spinnen nutzen solche Fäden, um sich vom Wind über größere Strecken tragen zu lassen.
Das Wort „weiben“ wurde früher auch für das Knüpfen von Spinnweben verwendet. Die silbrig glänzenden Fäden dürften so dem Altweibersommer seinen Namen gegeben haben.
Keine Garantie für den späten Sommer
So vertraut das Phänomen ist, eine Garantie auf sonnige und warme Septembertage gibt es nicht. Ob sich ein Altweibersommer entwickelt, hängt von der jeweiligen Großwetterlage ab. Bleibt der Hochdruckeinfluss aus und bestimmen Tiefdruckgebiete das Wetter, kann auch der September kühl, nass und windig verlaufen.
Der DWD bezeichnet den Altweibersommer dennoch als einen Witterungsregelfall. Das bedeutet, dass eine bestimmte Wetterlage in einem bestimmten Zeitraum häufiger auftritt, ohne dass sie sich jedes Jahr einstellen muss.
Wenn aus Spätsommer goldener Oktober wird
Hält sich das ruhige Hochdruckwetter bis in den Oktober hinein oder stellt es sich erneut ein, ist häufig vom „Goldenen Oktober“ die Rede. Dann steht weniger die Wärme als vielmehr das Zusammenspiel aus Sonnenschein und herbstlicher Laubfärbung im Mittelpunkt.
Der Altweibersommer ist dagegen die Übergangszeit, in der sich der Sommer noch nicht ganz verabschiedet hat. Vielleicht liegt gerade darin sein besonderer Reiz: Die warmen Tage sind nicht mehr selbstverständlich. Und jeder sonnige Nachmittag fühlt sich ein wenig wie eine Zugabe an.
Kathrin Gnilka / RNRed