Korb geschnappt und ab in den Wald: Im Spätsommer und Herbst beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres. Wer zwischen Moos und Laub nach Steinpilzen, Maronen und Pfifferlingen sucht, sollte allerdings ein paar Regeln kennen. Denn mitnehmen darf man längst nicht alles, was man findet.
Die Oberpfalz ist ein Paradies für alle, die gerne durch den Wald streifen: Mehr als 40 Prozent des Regierungsbezirks sind bewaldet. Im Spätsommer und Herbst kommt für viele noch ein guter Grund für einen Ausflug hinzu. Dann beginnt die Suche nach Steinpilzen, Maronen, Pfifferlingen und Co.
Pilzesammeln hat seinen ganz eigenen Reiz. Man ist draußen, bewegt sich und mit etwas Glück wartet am Ende auch noch ein gutes Essen. Damit die Freude daran bleibt, sollten Sammler allerdings einige Regeln kennen.
Wie viele Pilze darf man sammeln?
Ein Kilo, zwei Kilo oder doch ein ganzer Korb? Eine pauschale Kilogrammgrenze gibt es auch in der Oberpfalz nicht. Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt es grundsätzlich, Pilze an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf zu sammeln.
Bei einigen besonders geschützten Arten gelten zusätzliche Bestimmungen. Dazu gehören beispielsweise Steinpilze, Pfifferlinge, Rotkappen und Morcheln. Sie dürfen laut Bundesartenschutzverordnung in geringen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden. Entscheidend ist also nicht eine bestimmte Zahl auf der Waage, sondern der Eigenbedarf. Wer einige Pilze für die eigene Küche mitnimmt, darf das grundsätzlich. Größere Mengen zu sammeln, um sie anschließend zu verkaufen, ist dagegen nicht ohne Weiteres erlaubt.
Nicht überall darf gesammelt werden
Auch der Fundort spielt eine Rolle. Wer im Wald unterwegs ist, sollte Betretungsverbote beachten. In Naturschutzgebieten können zudem besondere Bestimmungen gelten. Je nach Schutzgebietsverordnung kann das Sammeln eingeschränkt oder untersagt sein. Gerade wer für seine Pilzsuche gezielt ein Naturschutzgebiet in der Oberpfalz ansteuert, sollte deshalb vorher prüfen, welche Regeln dort gelten. Die jeweiligen Verordnungen zu den Naturschutzgebieten veröffentlicht unter anderem die Regierung der Oberpfalz.
Und auch abseits rechtlicher Vorgaben gilt: Nicht jeder Pilz muss mit nach Hause. Sehr junge oder alte Exemplare können ebenso stehen bleiben wie Pilze, die man ohnehin nicht verwerten möchte.
Nur sammeln, was man wirklich kennt
Der schönste Fund nützt wenig, wenn später Zweifel aufkommen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) rät deshalb, nur Pilze zu verzehren, die eindeutig als essbar bestimmt wurden.
Auf Pilz-Apps oder Fotos aus dem Internet sollte man sich bei der Bestimmung nicht allein verlassen. Im Zweifelsfall gehört der Fund nicht auf den Teller. Eine Pilzberatungsstelle oder ein Pilzsachverständiger kann bei Unsicherheit weiterhelfen.
Auch essbare Arten können problematisch werden, wenn sie zu alt oder verdorben sind. Pilze enthalten viel Wasser und verderben leicht. Sie sollten deshalb möglichst frisch verarbeitet werden. Weiche, schmierige, stark verfärbte oder bereits faulige Exemplare lässt man besser im Wald.
Korb statt Plastiktüte
Schon beim Sammeln lässt sich einiges richtig machen. Ein luftdurchlässiger Korb ist für Pilze wesentlich besser geeignet als eine Plastiktüte. Darin können sich Wärme und Feuchtigkeit stauen, wodurch die Pilze schneller verderben.
Zu Hause sollte die Ausbeute möglichst bald verarbeitet werden. Das LGL empfiehlt, Wildpilze vorzugsweise trocken zu reinigen. Stark verschmutzte Exemplare können kurz mit Wasser abgespült werden.
Rohe Wildpilze sind ebenfalls keine gute Idee. Das LGL weist darauf hin, dass die meisten Wildpilze roh unverträglich oder sogar giftig sein können. Sie sollten daher ausreichend erhitzt werden.
Tschernobyl ist noch immer messbar
Ein Thema begleitet das Pilzesammeln in Bayern auch 40 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl: In manchen Wildpilzen lässt sich weiterhin radioaktives Cäsium-137 nachweisen. Wie hoch die Werte sind, hängt vor allem von Pilzart und Fundort ab.
Aktuelle Messungen zeigen das auch in der Region. Zwei Proben von Maronenröhrlingen aus dem Landkreis Regensburg enthielten im Oktober 2025 jeweils 91 beziehungsweise 96 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse. Damit lagen sie deutlich unter dem auf heimische Wildpilze angewandten Wert von 600 Becquerel pro Kilogramm. Auch bayernweit überschritt 2025 keine der vom Bayerischen Landesamt für Umwelt untersuchten Wildpilzproben diesen Wert. Maronenröhrlinge wiesen dabei im Durchschnitt höhere Werte auf als etwa Steinpilze oder Pfifferlinge. Die radioaktive Belastung der Waldböden nimmt nur langsam ab und wird deshalb noch längere Zeit messbar bleiben.
Der Fund macht den Reiz aus
Pilzesammeln braucht weder eine aufwendige Ausrüstung noch einen festen Plan. Ein Korb, ein gutes Auge und ausreichend Zeit reichen für den Anfang. Wer nur sicher bestimmte Arten für den eigenen Bedarf mitnimmt und die Regeln im Wald beachtet, kann aus einem Herbstspaziergang nebenbei eine kleine Schatzsuche machen. Und vielleicht ist genau das das Schöne daran: Man weiß nie, was hinter dem nächsten Baum wartet. Manchmal bleibt der Korb fast leer. Und manchmal steht plötzlich dort, wo eben nur Moos und Laub zu sehen waren, der Steinpilz, auf den man die ganze Zeit gehofft hat.
Kathrin Gnilka / RNRed