Mehr als zwei Jahre lang ermittelten Staatsanwaltschaft und Bundespolizei gegen eine international agierende Schleusergruppierung. Am Montagmorgen durchsuchten Einsatzkräfte mehrere Wohnungen in Landshut und Nürnberg. Ein 32-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen, außerdem stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher.
In den Morgenstunden des Montags (05.10.2026) durchsuchten Einsatzkräfte der Bundespolizei mehrere Wohnungen in Landshut und Nürnberg. Dabei nahmen sie einen mit Haftbefehl wegen des Tatverdachts des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens in mehreren Fällen gesuchten 32-jährigen Syrer in Landshut fest. Er wird im Laufe des Tages dem Haftrichter vorgeführt. Außerdem stellten sie umfangreiches Beweismaterial sicher.
Mindestens 236 Menschen in Schengenstaaten eingeschleust
Vorausgegangen waren über zwei Jahre andauernde umfangreiche Ermittlungen unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Landshut, Abteilung zur Bekämpfung der organisierten grenzüberschreitenden Kriminalität, gegen eine international agierende Schleusergruppierung. Bei den drei männlichen Tatverdächtigen handelt es sich um zwei syrische und einen deutsch-syrischen Staatsangehörigen im Alter zwischen 28 und 34 Jahren. Ihnen wird vorgeworfen im Zeitraum Oktober 2022 bis November 2023 bei mindestens 33 Schleusungen insgesamt 236 Personen ins Gebiet der Schengenstaaten, vornehmlich nach Deutschland, eingeschleust zu haben. Den Ermittlungen nach erwirtschaftete die Bande dabei einen Gewinn im sechsstelligen Bereich.
Bargeld und Gold bei Durchsuchung sichergestellt
Die Durchsuchungsmaßnahmen richteten sich insbesondere auch gegen einen 34-jährigen Deutsch-Syrer, der den Ermittlern zufolge als sog. Hawaladar für die Auszahlung des Schleuserlohnes in Deutschland zuständig war. Hier konnte Bargeld und Gold in einem höheren vierstelligen Bereich sichergestellt werden. An den Einsatzmaßnahmen waren 40 Beamte und Spezialkräfte der Bundespolizei beteiligt.
So funktioniert das Hawala-System
Das aus dem arabischen Raum stammende Hawala-System ist ein auf Vertrauen basierendes Finanztransaktionssystem. Dabei wird für die einzelnen Überweisungen auf sog. Hawaladare zurückgegriffen, die das Geld entgegennehmen und einen anderen Hawaladar zur Auszahlung anweisen. Die so generierten Saldos der Hawaldare werden untereinander aufgerechnet. Ein tatsächlicher Geldtransfer findet nicht zwingend statt. Aufgrund weitreichender Vernetzung der Hawaladare untereinander ist es den Kunden möglich, Gelder in nahezu allen europäischen und arabischen Staaten zu versenden oder zu empfangen. Die Geldtransfers können anonym und ohne staatliche Zulassung oder Aufsicht realisiert werden.
Bundespolizeidirektion München / RNRed