Ein Einsatz im zentralen Mittelmeer hat die Crew der SEA-EYE 5 am vergangenen Wochenende mehrfach gefordert. Neben Rettungseinsätzen musste das Team auch nach einem weiteren Boot suchen. Eine Rückführung nach Libyen konnte es dabei nicht mehr verhindern.
Am vergangenen Wochenende hat die SEA-EYE 5 bei zwei Rettungseinsätzen – einem in der libyschen und einem in der maltesischen Such- und Rettungszone (SAR-Zone) – insgesamt 52 Menschen aus Seenot gerettet.
13 Jahre ist es her, dass am 3. Oktober 2013 vor Lampedusa 366 Menschen bei einem Bootsunglück starben. Dass zivile Seenotrettung im zentralen Mittelmeer auch heute noch notwendig ist, hat das vergangene Wochenende erneut gezeigt.
20 Menschen in libyscher SAR-Zone gerettet
Am Samstag, den 3. Oktober, reagierte die Crew auf einen Mayday-Ruf in der libyschen SAR-Zone. Unterstützt wurde sie dabei aus der Luft durch das Aufklärungsflugzeug Albatross von SOS Méditerranée.
An Bord eines seeuntüchtigen Schlauchboots befanden sich 20 Menschen, darunter fünf Frauen, eine davon schwanger. Die Crew konnte alle Menschen innerhalb einer Stunde sicher an Bord nehmen und mit der medizinischen Versorgung beginnen. Sie hatten bereits zwei Tage auf See verbracht und waren dehydriert und erschöpft.
Während des Einsatzes wurden aus der Luft in der Nähe zwei Schiffe unbekannter libyscher Akteure gesichtet. Die Unterstützung aus der Luft war daher besonders wichtig, um die Situation im Einsatzgebiet beobachten zu können. Im zentralen Mittelmeer kommt es immer wieder zu gewaltsamen Rückführungen von Menschen auf der Flucht und zu gefährlichen Zwischenfällen mit zivilen Rettungsschiffen durch libysche Akteure.
Weiterer Seenotfall endet mit Pullback
Kurz nach der ersten Rettung meldete die zivile Rettungshotline Alarm Phone einen weiteren Seenotfall. Die SEA-EYE 5 änderte ihren Kurs. Doch als die SEA-EYE 5 die Position des Seenotfalls erreichte, hatten unbekannten libysche Akteure das Boot bereits nach Libyen zurückgeführt.
Ein Pullback ist keine Rettung. Menschen, die nach Libyen zurückgebracht werden, sind dort schwerster Gewalt und der Internierung in Haftlagern ausgesetzt. Die Menschenrechtsverletzungen sind zahlreich dokumentiert. Trotzdem werden Menschen im zentralen Mittelmeer weiterhin systematisch der Gefahr einer Rückführung nach Libyen ausgesetzt.
Anschließend erhielt die SEA-EYE 5 die Erlaubnis, nach einem weiteren von Alarm Phone gemeldeten Seenotfall zu suchen. Gemeinsam mit der AMA, einem Schiff der Organisation Sailidarity suchte die Crew die gesamte Nacht nach dem Boot. Die Suche blieb erfolglos und musste abgebrochen werden.
Weitere 32 Menschen in maltesischer SAR-Zone gerettet
Nachdem Vibo Valentia als Sicherer Hafen zugewiesen wurde, sichtete die Crew der SEA-EYE 5 einen weiteren Seenotrettungsfall mit 32 Menschen an Bord.
Am Sonntagmittag begann die Rettung. Innerhalb einer Stunde waren alle 32 Menschen sicher an Bord der SEA-EYE 5.
In der Nacht von Montag auf Dienstag konnten alle 52 Menschen sicher in Vibo Valentia an Land gehen.
"13 Jahre nach dem Bootsunglück vor Lampedusa müssen zivile Rettungsschiffe noch immer auslaufen, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Dieses Wochenende konnten 52 Menschen sicher an Bord gebracht werden. Gleichzeitig zeigt der gescheiterte Rettungseinsatz erneut, welche Folgen das europäische Versagen bei der Seenotrettung und die Zusammenarbeit mit der sogenannten libyschen Küstenwache haben: Menschen werden trotz ihrer Not zurück in ein Land gebracht, in dem ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen drohen."
Anna die Bari, geschäftsführende Vorständin Sea-Eye e.V.
Sea-Eye e. V. / RNRed