Boxerinnen müssen bei vielen Wettkämpfen einen Brustschutz tragen, doch die gängigen Modelle sitzen schlecht. Eine Absolventin der OTH Regensburg hat deshalb eine individuell anpassbare Variante aus dem 3D-Drucker entwickelt. Beim James Dyson Award wurde ihre Arbeit bereits national ausgezeichnet.
Beatriz Jerez Arnau hat in ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Industriedesign an der OTH Regensburg einen Brustschutz für Boxerinnen aus dem 3D-Drucker entwickelt, der sich dem Körper der einzelnen Frau anpasst. Beim James Dyson Award 2026 wurde der Entwurf als einer von zwei nationalen Zweitplatzierten ausgezeichnet.
Gängige Brustschützer sitzen schlecht
Das günstigste Brustschutz-Set, das Jerez Arnau finden konnte, hat sie selbst anprobiert. Die Schale stand unten weit vom Körper ab. „Ich habe das gekauft und probiert und dachte: Auf keinen Fall.“ Der Grund: BH und Schale werden nur gemeinsam verkauft. Wer einen BH in M braucht, bekommt auch die Schale in M. Die BH-Größe hängt aber am Umfang des Brustkorbs, und der sagt, wie Jerez Arnau erklärt, wenig darüber, wie groß die Brust ist. Sportlerinnen aus Kampf- und Kontaktsportarten, die sie befragte, berichteten, dass der Schutz ständig rutscht; manche kleben ihn fest. Im Profiboxen sehen die Regeln das sogar vor. Er scheuert Blasen, und Modelle aus zwei Einzelschalen können sich verschieben und die Trägerin selbst verletzen.Wie oft sich Frauen beim Sport an der Brust verletzen, ist kaum untersucht. In einer US-Studie von 2018 mit 194 College-Sportlerinnen hatte sich fast die Hälfte an der Brust verletzt, weniger als zehn Prozent meldeten das überhaupt dem medizinischen Personal.„Das ist ein Kreis, der nie endet“, sagt Jerez Arnau, die aus Teneriffa stammt und selbst Basketball spielt. „Es wird nicht gemeldet, deswegen wird auch nicht geforscht, und deswegen wird auch nicht darüber geredet.“
Scan mit dem Handy, Druck an der Hochschule
Am Anfang steht ein Handyscan des Oberkörpers. In einer 3D-Software legt ein Programm, das Jerez Arnau selbst geschrieben hat, die Schale direkt auf die gescannte Körperoberfläche. Wie weit sie nach oben und zur Seite reicht, wird über Zahlenwerte eingestellt, fürs Boxen anders als etwa für Taekwondo. So folgt der Schutz Körperform, Brustgröße und Asymmetrien. Die Schale ist vom BH getrennt und wird in eine Innentasche eines Sport-BHs geschoben, den sich die Sportlerin selbst aussucht. Gedruckt hat Jerez Arnau die Schale aus dem flexiblen Kunststoff TPU für AMS an den 3D-Druckern ihrer Fakultät an der OTH Regensburg, gut 14 Stunden pro Schale. Das Material kostet rund 8,50 Euro, das günstigste Set im Handel dagegen 60 Euro.„Beatriz Jerez Arnau schlägt mit ihrer Arbeit nicht nur eine Lösung vor, sondern zeigt mit einer feministisch-inklusiven Perspektive Fehlstellen in der Gestaltung auf“, sagt Prof. Anja Lapatsch, die den Studiengang Industriedesign leitet und Jerez Arnau betreut hat.
Nächste Runde am 14. Oktober
Den James Dyson Award vergibt die Stiftung des britischen Erfinders jedes Jahr an Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen aus Design und Ingenieurwesen. Am 14. Oktober entscheidet sich, ob der Brustschutz weltweit unter die besten 20 Einreichungen kommt. Gleichzeitig beginnt Jerez Arnau an der Technischen Hochschule Nürnberg den Master Design for Digital Futures. Ob aus dem Entwurf ein Produkt wird, ist offen.
Industriedesign an der OTH Regensburg
An der OTH Regensburg gehört Industriedesign zur Fakultät Architektur und verbindet künstlerisches Entwerfen mit Werkstoffkunde und Konstruktion. Schon bei der Bewerbung will die Fakultät wissen, welche gesellschaftlichen Fragen Bewerberinnen und Bewerber mit ihren Entwürfen angehen wollen. Seit dem Wintersemester 2025/26 gibt es zusätzlich einen Masterstudiengang Design.
OTH Regensburg / RNRed