Wenn Beschäftigte länger ausfallen, steckt nicht immer eine Erkältung dahinter. Der aktuelle Fehlzeiten-Report der AOK zeigt, dass psychische Erkrankungen in Bayern zunehmend ins Gewicht fallen. Auch der allgemeine Krankenstand und weitere Entwicklungen in der Arbeitswelt werden darin betrachtet.
Die stetige Zunahme von Krankmeldungen aufgrund psychischer Erkrankungen und die damit verbundenen langen Ausfallzeiten der Beschäftigten sind wesentliche Treiber für den Anstieg der Fehlzeiten in den vergangenen Jahren. Das zeigen die Analysen des aktuellen Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) mit dem Schwerpunktthema „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“. Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen sind bei den bayerischen AOK-versicherten Beschäftigten in den vergangenen zehn Jahren um knapp 41 Prozent gestiegen. Während 2016 noch 248 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Mitglieder zu verzeichnen waren, lag dieser Wert 2025 bei 349 Tagen je 100 Mitglieder.
Psychische Erkrankungen führen zu langen Ausfallzeiten
Im Vergleich der verschiedenen Krankheitsarten lagen die psychischen Erkrankungen 2025 mit durchschnittlich 12,5 AU-Fällen je 100 Mitglieder zwar weit hinter den Atemwegserkrankungen, die mit 77,1 Fällen je 100 Mitglieder die Statistik anführen. Sie nahmen aber bei der durchschnittlichen Dauer der Krankschreibung je Fall mit 27,9 Tagen einen Spitzenplatz ein. Zum Vergleich: Bei den Atemwegserkrankungen waren es 2025 nur 5,3 Tage je Fall.
Ein überdurchschnittlicher Anstieg von 83 Prozent war laut Fehlzeiten-Report bei den Burnout-Diagnosen zu verzeichnen: Während 2016 noch 8,8 Ausfalltage je 100 AOK-Mitglieder mit der Diagnose Burnout erfasst wurden, waren es 2025 bereits 16,1 Tage.
Fehlzeiten 2025 leicht rückläufig
Über alle Erkrankungen hinweg gab es bei den Fehlzeiten nach den Höchstständen der vergangenen Jahre jedoch einen leicht rückläufigen Trend. So waren 2025 insgesamt 21,1 Arbeitsunfähigkeitstage je AOK-Mitglied in Bayern zu verzeichnen. Damit lag der Wert leicht unter dem Spitzenwert aus dem Jahr 2022 (22,2 Tage) und der Jahre 2023 (21,5 Tage) und 2024 (21,6 Tage), aber immer noch deutlich über dem Niveau vor der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).
„Das hohe Niveau der Fehlzeiten seit 2022 ist in erster Linie durch den statistischen Effekt infolge der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zu erklären. Denn diese hat dazu geführt, dass insbesondere kurzzeitige Erkrankungen vollständiger erfasst worden sind“, so Dr. Irmgard Stippler, Vorstandvorsitzende der AOK Bayern.
Im ersten Halbjahr 2026 lagen die erfassten AU-Tage mit 20,8 Tagen unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2025 von 21,7 Tagen, sodass in diesem Jahr mit einem weiter sinkenden Krankenstand zu rechnen ist.
Psyche im Fokus der Betrieblichen Gesundheitsförderung
Bei den Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen: Weit vorne lagen 2025 Berufe im Dialogmarketing mit 34,4 AU-Fällen je 100 Mitglieder, gefolgt von Berufen in der Haus- und Familienpflege (23,1 Fälle) und Berufen in der Altenpflege (22,3 Fälle).
Die längsten Ausfallzeiten bei den psychischen Erkrankungen entfielen laut Report auf die Diagnose „Depressive Episoden und wiederkehrende depressiven Störungen“, gefolgt von „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“. In einer aktuellen Beschäftigten-Befragung für den Fehlzeiten-Report 2026 wird deutlich, dass Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation oder die Angst vor Arbeitslosigkeit bei den Beschäftigten mit mehr psychischen Belastungen einhergehen.
Laut Stippler ist es daher besonders wichtig, im betrieblichen Setting unterstützende Angebote auszubauen, die helfen, Stress und belastende Situationen zu reduzieren. „Bei den Präventionsmaßnahmen der AOK Bayern im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung legen wir einen klaren Schwerpunkt auf Stärkung der psychischen Gesundheit“, so Stippler.
Die Gesundheitskasse bietet hier ein breites Angebot, insbesondere zur mentalen Gesundheit, an. Die AOK Bayern unterstützt zudem Versicherte mit psychischen Belastungen durch passgenaue Angebote wie das digitale Versorgungsangebot „Soforthilfe“ in Kooperation mit dem Anbieter mentalis. Es hilft Betroffenen dabei, Belastungssituationen besser zu bewältigen und ihre psychische Widerstandskraft zu stärken.
AOK Bayern - Die Gesundheitskasse / RNRed