Wenn die Nächte kälter werden, beginnt für Igel eine entscheidende Zeit. Sie müssen sich auf den Winterschlaf vorbereiten und einen geeigneten Unterschlupf finden. Dabei können Gartenbesitzer viel bewirken, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen. Doch nicht jede gut gemeinte Hilfe ist tatsächlich sinnvoll.
In der Abenddämmerung raschelt es unter der Hecke. Zwischen herabgefallenen Blättern taucht eine kleine, spitze Schnauze auf. Ein Igel ist unterwegs, auf der Suche nach etwas Fressbarem. Während wir es uns im Herbst zu Hause gemütlich machen, beginnt für die stacheligen Gartenbewohner eine besonders wichtige Zeit. Sie müssen sich genügend Fettreserven anfressen und einen geschützten Platz für den Winter finden.
Auch in Regensburg und der Umgebung sind Igel zu Hause. Sie leben in Gärten, Parks, Grünanlagen und sogar in Hinterhöfen. Meist bekommen wir sie kaum zu Gesicht, denn die Tiere sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Wer ihnen helfen möchte, muss dafür übrigens keinen großen Garten besitzen. Oft reichen schon ein paar kleine Veränderungen.
Warum Igel jetzt besonders viel fressen
Im Gegensatz zu Eichhörnchen legen Igel keine Vorräte für den Winter an. Sie tragen ihre Energiereserven gewissermaßen am Körper. Im Herbst fressen sie sich eine Fettschicht an, von der sie während des Winterschlafs zehren.
Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Käfer, Insektenlarven und Regenwürmer. Anders als häufig angenommen, sind Schnecken keineswegs ihre Lieblingsspeise. Sie werden eher dann gefressen, wenn andere Nahrung knapp ist.
Wenn die Temperaturen dauerhaft sinken und das natürliche Nahrungsangebot zurückgeht, ziehen sich die Tiere in ihre Winterquartiere zurück. Ausgewachsene Igel beginnen ihren Winterschlaf je nach Witterung meist im Laufe des Novembers. Jungtiere können noch länger auf Nahrungssuche sein.
Während des Winterschlafs vollbringt der Körper Erstaunliches: Die Körpertemperatur sinkt stark ab, Herzschlag und Atmung verlangsamen sich und der Energieverbrauch wird auf ein Minimum reduziert. Trotzdem ist der Schlaf nicht durchgehend. Igel können zwischendurch aufwachen, was allerdings wertvolle Energie kostet.
Das perfekte Winterquartier ist oft ganz einfach
Wer Igeln etwas Gutes tun möchte, sollte beim herbstlichen Aufräumen nicht allzu gründlich sein. Ein Haufen aus trockenem Laub, Zweigen und Reisig kann ein ideales Winterquartier sein. Besonders geeignet ist ein ruhiger, wettergeschützter Platz unter einer Hecke oder zwischen Sträuchern. Damit der Haufen nicht in sich zusammenfällt, lassen sich Äste und Zweige zwischen die Laubschichten legen. So entstehen kleine Hohlräume, in denen sich die Tiere ein Nest bauen können.
Auch Holzstapel, dichte Hecken und verwilderte Gartenecken bieten wertvolle Verstecke. Wer wenig Platz hat, kann ein spezielles Igelhaus aufstellen. Wichtig ist ein trockener, geschützter Standort, an dem die Tiere möglichst ungestört bleiben.
Einmal bezogene Winterquartiere sollten nicht mehr umgeschichtet oder kontrolliert werden. Wird ein schlafender Igel geweckt, verbraucht er Energie, die ihm später fehlen könnte.
Warum ein Loch im Gartenzaun helfen kann
Igel sind erstaunlich wanderfreudig. Auf ihrer nächtlichen Nahrungssuche legen sie teilweise mehrere Kilometer zurück und durchstreifen dabei zahlreiche Gärten. Ein vollständig geschlossener Gartenzaun kann für sie deshalb zum Hindernis werden. Der BUND Naturschutz empfiehlt kleine Durchgänge von mindestens zehn mal zehn Zentimetern, durch die Igel von einem Grundstück zum nächsten gelangen können. Solche Verbindungen sind besonders in Wohngebieten wichtig. Sie erleichtern den Tieren die Nahrungssuche und können verhindern, dass sie unnötig auf Straßen ausweichen müssen.
Ein igelfreundlicher Garten braucht außerdem nicht unbedingt einen perfekt gepflegten Rasen. Heimische Sträucher, Wildblumen und weniger häufig gemähte Bereiche locken Insekten an und schaffen damit die natürliche Nahrungsgrundlage für Igel.
Sollte man Igel im Herbst füttern?
Wer einem Igel begegnet, möchte ihm vielleicht spontan etwas zu fressen anbieten. Doch nicht jeder Igel braucht zusätzliches Futter. Gesunde Tiere finden in einem naturnahen Lebensraum normalerweise selbst ihre Nahrung.
Bei untergewichtigen Jungtieren oder in nahrungsarmen Zeiten kann eine zeitlich begrenzte Zufütterung sinnvoll sein. Ob sie tatsächlich notwendig ist, sollte möglichst mit einer fachkundigen Igelberatungsstelle geklärt werden.
Geeignet sind beispielsweise fleischreiches Katzenfutter oder ungewürztes Rührei. Milch ist dagegen tabu: Igel vertragen sie nicht und können davon schweren Durchfall bekommen. Brot, Obst und Nüsse sind ebenfalls kein geeignetes Igelfutter.
Eine flache Schale mit frischem Wasser ist hingegen eine einfache Hilfe. Sie sollte regelmäßig gereinigt werden. Wer Futter anbietet, muss besonders auf Hygiene achten und Reste täglich entfernen, damit sich keine Krankheitserreger verbreiten.
Wann braucht ein Igel wirklich Hilfe?
Ein Igel, der im Oktober abends durch den Garten läuft, ist zunächst kein Grund zur Sorge. Auch kleinere Jungtiere können zu dieser Jahreszeit noch unterwegs sein.
Anders sieht es aus, wenn ein Tier offensichtlich verletzt, stark abgemagert oder apathisch wirkt. Ein Igel, der tagsüber ungeschützt herumliegt, sich kaum bewegt oder auffällig taumelt, kann ebenfalls Hilfe benötigen. Dabei ist nicht allein die Tageszeit entscheidend, sondern vor allem der Zustand des Tieres. In solchen Fällen sollte möglichst schnell eine fachkundige Igelstation oder eine Tierarztpraxis kontaktiert werden. Kranke Tiere brauchen gegebenenfalls medizinische Versorgung. Sie einfach nur zu füttern, reicht nicht aus. Gesunde Igel sollten dagegen in ihrer natürlichen Umgebung bleiben. Sie vorsorglich ins Haus zu holen, um sie dort überwintern zu lassen, ist keine gute Idee.
Hilfe für Igel in der Region Regensburg
Wer in Regensburg oder im Landkreis einen hilfsbedürftigen Igel findet, kann sich an die Private Igelschutzhilfe Regensburg wenden. Bianca Dirigl und ihr Team kümmern sich in Tegernheim um kranke und verletzte Tiere und beraten bei Fragen zur richtigen Versorgung. Die Igelschutzhilfe ist täglich von 09:00 bis 19:00 Uhr per WhatsApp unter 0941-51040 oder per E-Mail an
Versteckte Gefahren im Garten
Nicht nur Kälte und Futtermangel können Igeln zusetzen. Viele Gefahren entstehen dort, wo die Tiere eigentlich Schutz suchen.
Besonders problematisch sind Mähroboter, die in der Dämmerung oder nachts unterwegs sind. Igel flüchten bei Gefahr häufig nicht, sondern rollen sich zusammen. Gegen die scharfen Messer eines Mähroboters schützt sie dieses Verhalten nicht. Deshalb sollten die Geräte nicht während der Aktivitätszeiten der Tiere eingesetzt werden.
Vorsicht ist außerdem bei Motorsensen und Freischneidern unter Hecken geboten. Dort können sich Igel tagsüber verstecken. Offene Kellerschächte, steilwandige Gartenteiche und ungesicherte Gruben werden ebenfalls leicht zur Falle. Abdeckungen oder Ausstiegshilfen können hier Leben retten.
Wer im Herbst Laub- und Reisighaufen anlegt, sollte diese anschließend möglichst in Ruhe lassen. Vor dem Entfernen oder Umsetzen solcher Haufen muss sorgfältig geprüft werden, ob sich bereits ein Tier darin eingerichtet hat.
Ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung
Ein Garten muss im Herbst nicht vollkommen aufgeräumt sein. Ein paar liegen gebliebene Blätter, eine wilde Ecke und ein geschützter Unterschlupf können für Igel einen großen Unterschied machen.
Vielleicht raschelt es dann an einem der nächsten Abende wieder unter der Hecke. Und mit etwas Glück hat sich der kleine Besucher den eigenen Garten als Winterquartier ausgesucht.
RNRed