Am 25. Oktober werden die Uhren wieder zurückgestellt. Doch während in Europa weiter über eine Abschaffung der Zeitumstellung diskutiert wird, gibt es aus den USA neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Warum Schlafmediziner vor allem die dauerhafte Sommerzeit kritisch sehen und welche Auswirkungen die Zeitverschiebung auf unsere Gesundheit haben kann.
Am kommenden Sonntag, dem 25. Oktober 2026, endet die Sommerzeit. Um 3:00 Uhr werden die Uhren auf 2:00 Uhr zurückgestellt. Damit gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit, umgangssprachlich auch Winterzeit genannt. Tatsächlich handelt es sich dabei um unsere Normalzeit. Die Sommerzeit hingegen ist eine künstliche Verschiebung der Uhrzeit um eine Stunde. Während wir in der Nacht zum Sonntag eine Stunde gewinnen, kommt nicht jeder Körper mit der Umstellung gleichermaßen gut zurecht. Denn unsere innere Uhr richtet sich nicht nach den Zeigern auf dem Zifferblatt, sondern vor allem nach dem Tageslicht. Wird die Uhrzeit verschoben, kann das den gewohnten Schlaf-Wach-Rhythmus vorübergehend durcheinanderbringen. Besonders kritisch beurteilen Schlafmediziner die Umstellung im Frühjahr, wenn eine Stunde Schlaf verloren geht.
Neue Erkenntnisse aus den USA
Wie sich unterschiedliche Zeitregelungen langfristig auf die Gesundheit auswirken könnten, haben Forscher der Stanford University untersucht. Ihre 2025 veröffentlichte Studie verglich drei Modelle: die bisherige halbjährliche Zeitumstellung, eine dauerhafte Sommerzeit und eine dauerhafte Normalzeit. Das Ergebnis: Nach den Berechnungen wäre eine dauerhafte Normalzeit für die meisten Menschen gesundheitlich günstiger. Für die USA errechneten die Wissenschaftler unter anderem, dass die Zahl der Menschen mit Adipositas um 2,6 Millionen und die Zahl der Menschen mit Schlaganfall um rund 300.000 niedriger ausfallen könnte.
Der Grund liegt vor allem im Tageslicht. Unsere innere Uhr benötigt morgens Licht, um sich auf den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus einzustellen. Bei der Sommerzeit geht die Sonne nach der Uhr eine Stunde später auf, während es abends länger hell bleibt. Das kann dazu führen, dass Menschen später müde werden, obwohl sie morgens zur gewohnten Zeit aufstehen müssen. Besonders im Winter wäre das bei einer dauerhaften Sommerzeit problematisch.
Die Forscher berechneten, dass eine dauerhafte Normalzeit die innere Uhr der meisten Menschen weniger stark belasten würde. Da Störungen dieses Rhythmus mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden, könnten sich daraus langfristig gesundheitliche Vorteile ergeben. Auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sowie die American Academy of Sleep Medicine sprechen sich deshalb für die dauerhafte Normalzeit aus.
Allerdings handelt es sich bei den Ergebnissen der Stanford-Studie um Modellrechnungen und nicht um tatsächlich beobachtete Veränderungen. Die Ergebnisse lassen sich deshalb auch nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen.
Eine weitere wissenschaftliche Auswertung aus dem Jahr 2026, die 157 Studien aus 36 Ländern berücksichtigte, fand Hinweise auf erhöhte Risiken für Herzinfarkte und tödliche Verkehrsunfälle nach der Zeitumstellung im Frühjahr. Insgesamt waren die Ergebnisse jedoch uneinheitlich. Nicht alle Untersuchungen stellten negative Auswirkungen fest.
USA und Europa diskutieren über die Abschaffung
Während die Wissenschaft die gesundheitlichen Auswirkungen untersucht, beschäftigt die Zeitumstellung weiterhin die Politik. In den USA gibt es Bestrebungen, die Sommerzeit dauerhaft einzuführen. Eine landesweite Abschaffung der Zeitumstellung ist bislang jedoch nicht beschlossen.
Auch in der Europäischen Union liegt seit Jahren ein entsprechender Vorschlag vor. 2018 führte die EU-Kommission eine öffentliche Befragung durch, bei der sich eine große Mehrheit der Teilnehmer gegen die Zeitumstellung aussprach. Das Europäische Parlament stimmte 2019 für ihre Abschaffung.
Bis heute fehlt jedoch eine gemeinsame Position der Mitgliedstaaten. Offen ist insbesondere, ob künftig dauerhaft die Sommerzeit oder die Normalzeit gelten soll. Deshalb bleibt es vorerst bei der halbjährlichen Umstellung.
So kommt die innere Uhr wieder in den Takt
Wer auf die Zeitumstellung empfindlich reagiert, kann seinem Körper die Anpassung erleichtern. Besonders hilfreich ist es, morgens möglichst viel Tageslicht zu bekommen. Ein Spaziergang am Vormittag kann die innere Uhr dabei unterstützen, sich auf den veränderten Rhythmus einzustellen.
Regelmäßige Schlafenszeiten helfen ebenfalls. Am Abend können gedämpftes Licht und der Verzicht auf späten Koffeinkonsum das Einschlafen erleichtern.
Die nächste Umstellung folgt am 28. März 2027. Dann werden die Uhren wieder von 2:00 auf 3:00 Uhr vorgestellt. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob Europa eines Tages ganz auf die Zeitumstellung verzichten wird – und welche Zeit dann dauerhaft gelten soll.
RNRed