Millionen von Menschen in Deutschland haben eine Fettleber, viele davon ohne es zu wissen. Dabei kann die Erkrankung schwerwiegende Folgen haben. Neue Medikamente und verbesserte Untersuchungsverfahren geben Hoffnung. Prof. Dr. Martina Müller-Schilling vom Universitätsklinikum Regensburg erklärt, was die Medizin heute leisten kann und wo sie an ihre Grenzen stößt.
Sie schmerzt nicht. Sie macht sich kaum bemerkbar. Und selbst wenn sie bereits geschädigt ist, fühlen sich viele Menschen vollkommen gesund. Dabei gehört die Fettleber zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen weltweit. Neue Erkenntnisse über ihre Entstehung und Behandlung eröffnen inzwischen Möglichkeiten, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab. Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dr. h. c. Martina Müller-Schilling, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Regensburg, erklärt, welche Fortschritte die Medizin macht und warum es jetzt darauf ankommt, dieses Wissen auch in der Gesundheitsversorgung zu nutzen.
„Die Leber leidet still“
Wer an eine schwere Lebererkrankung denkt, hat häufig Menschen vor Augen, die über Jahre hinweg zu viel Alkohol getrunken haben. Dabei gibt es jedoch vielfältige Ursachen für eine Lebererkrankung. So sind schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland von einer stoffwechselbedingten Fettleber betroffen, die vor allem mit Übergewicht, Insulinresistenz und anderen Stoffwechselstörungen zusammenhängt. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes liegt der Anteil sogar bei 60 bis 70 Prozent, bei Menschen mit Adipositas können es bis zu 80 Prozent sein.
Trotz dieser hohen Zahlen wissen viele Betroffene nichts von ihrer Erkrankung. „Die Leber leidet lange still“, erklärt Müller-Schilling. Die Ärztin, die im Oktober 2025 als eine der herausragenden Medizinerinnen Deutschlands zur Professorin des Jahres gekürt wurde, beschäftigt sich seit Jahren mit Lebererkrankungen, deren Ursachen und neuen Behandlungsmöglichkeiten. Was ihr besonders Sorgen bereitet, ist, dass viele Betroffene erst medizinische Hilfe erhalten, wenn ihre Leber bereits erheblich geschädigt ist. Zwar kann ausgeprägte Erschöpfung, medizinisch als Fatigue bezeichnet, ein Warnzeichen sein. Doch wer denkt bei anhaltender Müdigkeit sofort an die Leber? Eindeutigere Symptome wie eine Gelbfärbung der Haut oder der Augen treten meist erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Umso wichtiger ist es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Dafür stehen der Medizin heute verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung.

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Eine Volkskrankheit bekommt einen neuen Namen
Die früher als nichtalkoholische Fettlebererkrankung bezeichnete Krankheit heißt heute MASLD, kurz für Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease, zu Deutsch metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung – vereinfacht gesagt: eine stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung. Dabei lagert sich zu viel Fett in der Leber ab. Bei den Betroffenen liegt außerdem mindestens ein weiterer Risikofaktor wie Übergewicht, erhöhter Blutzucker, beziehungsweise Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder ungünstige Blutfettwerte vor.
Mit der neuen Bezeichnung sollen auch Vorurteile abgebaut werden. Denn noch immer werden Lebererkrankungen häufig auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückgeführt, obwohl auch Virusinfektionen, Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselstörungen die Leber schädigen können. Solche Vorurteile können dazu führen, dass Betroffene aus Scham medizinische Hilfe meiden. „Es ist eben nicht so, dass die Menschen, die leberkrank sind, in Anführungszeichen selbst schuld sind“, betont Müller-Schilling.
Warum die Leber aus dem Gleichgewicht gerät
Die Leber verarbeitet Nährstoffe, reguliert den Zucker- und Fettstoffwechsel, baut Medikamente ab und bildet Stoffe für die Blutgerinnung. Lagert sich dauerhaft zu viel Fett in ihren Zellen ein, kann sich das Gewebe entzünden und Schaden nehmen. Fachleute sprechen dann von einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten Steatohepatitis (MASH), zu Deutsch einer Fettleberentzündung. Dabei kann Bindegewebe entstehen, das gesundes Lebergewebe verdrängt. Diese Vernarbung nennt man Fibrose. Schreitet sie fort, droht eine Leberzirrhose, bei der das Organ seine Aufgaben immer schlechter erfüllen kann. Im schlimmsten Fall folgen Leberversagen oder sogar Leberkrebs.
Nicht jede Fettleber nimmt diesen Verlauf. Entscheidend ist, ob es bereits zu Entzündungen und zur Fibrose der Leber gekommen ist. Frühe Veränderungen lassen sich häufig noch rückgängig machen, fortgeschrittene Schäden sind schwerer zu behandeln. Doch selbst eine beginnende Vernarbung kann sich zurückbilden, wenn die Ursachen konsequent behandelt werden. Deshalb macht es einen großen Unterschied, in welchem Stadium die Erkrankung entdeckt wird.
Eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Fettleber spielt auch die Fettverteilung. Während das Fett unter der Haut sichtbar und tastbar ist, liegt das sogenannte viszerale Fett tief in der Bauchhöhle und umgibt die inneren Organe. Im Gegensatz zum Unterhautfett ist es besonders stoffwechselaktiv, greift also aktiv in den Stoffwechsel ein. Es setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen im gesamten Körper fördern können. Müller-Schilling beschreibt dieses Fettgewebe deshalb als eine Art eigenständiges Organ. Zwischen dem viszeralen Fett und der Leber besteht eine enge Wechselwirkung. Beide beeinflussen sich gegenseitig, wodurch bestehende Stoffwechselstörungen weiter verstärkt werden können.
Allerdings ist Übergewicht keine notwendige Voraussetzung für eine Fettleber: Schätzungen zufolge sind etwa 7 bis 20 Prozent der Betroffenen normalgewichtig. Auch bei ihnen kann eine Gewichtsabnahme helfen, entscheidend sind jedoch vor allem Ernährung und Bewegung. Warum sich trotz normalem Gewichts Fett in ihrer Leber ansammelt, kann verschiedene Ursachen haben. Neben der Ernährung können die genetische Veranlagung, die Verteilung des Körperfetts und möglicherweise auch die Zusammensetzung der Darmbakterien eine Rolle spielen. Ein normales Körpergewicht bedeutet also nicht automatisch, dass die Leber gesund ist. Eine MASLD sollte deshalb auch bei schlanken Menschen in Betracht gezogen werden.
Wie groß die Gesundheitsbelastung mittlerweile ist, zeigt eine Resolution der Weltgesundheitsversammlung, des höchsten Entscheidungsgremiums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Mai 2026. Sie stuft die steatotische Lebererkrankung als wachsende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit ein. Weltweit sind schätzungsweise 1,5 Milliarden Erwachsene betroffen. Die Mitgliedstaaten sollen steatotische Lebererkrankungen deshalb stärker in ihre Gesundheitsstrategien einbeziehen. Für Müller-Schilling ist das längst überfällig, denn die Zahl der Erkrankten steigt stetig an.

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„Was dem Herzen guttut, tut auch immer der Leber gut“
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und stoffwechselbedingte Lebererkrankungen gehen oft Hand in Hand und teilen viele Risikofaktoren: Übergewicht, Bewegungsmangel, Typ-2-Diabetes, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck. „Eine Lebererkrankung ist immer eine Systemerkrankung “, erklärt Müller-Schilling. Menschen mit MASLD haben häufig ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören bei ihnen sogar zu den häufigsten Todesursachen. Auch Nierenerkrankungen und bestimmte Krebsarten außerhalb der Leber stehen mit Stoffwechselstörungen in Zusammenhang.Die enge Verbindung hat aber auch eine positive Seite: Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und die Behandlung bestehender Stoffwechselrisiken können gleich mehreren Organen zugutekommen. „Was dem Herzen guttut, tut auch immer der Leber gut“, betont Müller-Schilling.
Bereits Kinder sind betroffen
Eine unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel können den Stoffwechsel bereits in jungen Jahren beeinträchtigen. Untersuchungen zeigen, dass eine Fettleber auch bei Kindern und Jugendlichen vorkommt, insbesondere wenn sie unter Übergewicht und Adipositas leiden. Müller-Schilling verweist auf Studien, in denen bei 34 bis 45 Prozent der untersuchten Kinder mit erhöhtem Risiko eine MASLD festgestellt wurde.
Früh einsetzende Stoffwechselerkrankungen können Betroffene jahrzehntelang begleiten. In Familien, Kindertagesstätten und Schulen entwickeln Kinder Essgewohnheiten, die oft bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Dabei spielen nicht nur die Ernährung zu Hause, sondern auch das Angebot in Kitas und Schulen eine wichtige Rolle. „Prävention muss im Kleinkindalter beginnen“, betont Müller-Schilling. Denn je früher gesundheitliche Risiken verringert werden, desto größer ist die Chance, chronische Erkrankungen zu verhindern.
Ein einfacher Test könnte viel verändern
Erste Hinweise auf eine Lebererkrankung liefern die Leberwerte GOT und GPT, die vor allem bei Leberschädigungen erhöht sind. Allerdings schließen auch unauffällige Werte eine fortgeschrittene Schädigung nicht aus.
Der sogenannte FIB-4-Index kombiniert Alter, Blutplättchenzahl und beide Leberwerte zu einem einfachen Rechenwert und dient zur Abschätzung des Risikos einer fortgeschrittenen Leberfibrose. Dadurch wird ersichtlich, wer weitere Untersuchungen benötigt. Zeigen die Werte ein erhöhtes Risiko, kann im nächsten Schritt die Leber mittels eines speziellen Ultraschallverfahrens, der sogenannten Elastographie, genauer untersucht werden. Dabei wird ihre Steifigkeit gemessen, also wie fest das Lebergewebe ist. Je stärker es vernarbt, desto härter wird es in der Regel. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.
Europäische Fachgesellschaften empfehlen dieses abgestufte Vorgehen für Risikogruppen, insbesondere bei Typ-2-Diabetes, Adipositas oder zur Abklärung erhöhter Leberwerte. Im Alltag wird es jedoch noch nicht konsequent umgesetzt. Müller-Schilling möchte deshalb, dass die Lebergesundheit in bestehende, strukturierte Behandlungsprogramme der Krankenkassen (Disease-Management-Programme, DMP), etwa für Diabetes, integriert wird. Der FIB-4-Index ließe sich aus bestehenden Laborwerten automatisch berechnen. Auffällige Befunde könnten gezielt fachärztlich abgeklärt werden.
Bislang scheitert die Umsetzung jedoch häufig daran, dass entsprechende Angebote in der medizinischen Versorgung fehlen und die Kosten für bestimmte Untersuchungen nicht übernommen werden.
Auch die Elastographie wird nicht überall ausreichend finanziert. Dabei wären die erforderlichen Blutuntersuchungen vergleichsweise einfach durchzuführen. Erst wenn der FIB-4-Index ein erhöhtes Risiko anzeigt, wären weitere diagnostische Schritte notwendig. Als Vorbild nennt Müller-Schilling die Herzmedizin mit ihren etablierten Präventions- und Behandlungsprogrammen. Vergleichbare Strukturen bei Lebererkrankungen könnten dabei helfen, schwere Komplikationen zu vermeiden.
Eine neue Ära der Behandlung
Seit 2025 steht in der Europäischen Union erstmals ein Medikament zur Verfügung, das gezielt für bestimmte Patientinnen und Patienten mit entzündlicher stoffwechselbedingter steatotischer Lebererkrankung zugelassen ist: Resmetirom. Der Wirkstoff aktiviert gezielt einen Schilddrüsenhormonrezeptor in den Leberzellen und fördert dadurch den Fettabbau. Für Müller-Schilling zeigt das, welche Chancen für neue Therapien durch ein besseres Verständnis der Vorgänge in einzelnen Zellen eröffnet werden.
Resmetirom ist allerdings nicht für alle Formen der Fettleber geeignet. Die europäische Zulassung gilt für Erwachsene mit metabolischer Dysfunktion-assoziierter Steatohepatitis (MASH) und mittelschwerer bis fortgeschrittener Fibrose, jedoch ohne Leberzirrhose. Studien zeigten bei einem Teil der Behandelten eine Verringerung von Entzündung und Vernarbung. Ob das Medikament langfristig Leberversagen, Transplantationen oder Todesfälle verhindern kann, muss sich noch zeigen. Die Studienergebnisse sind dennoch bedeutsam, da bislang keine gezielte medikamentöse Therapie für diese Patientengruppe zur Verfügung stand. Wichtig ist, dass das Medikament in Ergänzung zu Ernährungsumstellung und Bewegung eingesetzt wird.
In Betracht kommen außerdem Wirkstoffe, die ursprünglich gegen Typ-2-Diabetes und Adipositas entwickelt wurden. So gibt es mittlerweile für Patientinnen und Patienten mit einer schweren Fettleberentzündung auch eine Zulassung für eine „Abnehmspritze“, die ebenfalls in Kombination mit Ernährungsumstellungen und Bewegung eingesetzt wird. Durch die Wirkung auf den Stoffwechsel und das Körpergewicht können sie auch die Lebergesundheit verbessern. So wichtig diese neuen Behandlungsmöglichkeiten auch sind: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung ersetzen sie nicht.

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Gesunde Ernährung, gesunde Leber
Schon der griechische Arzt Hippokrates sagte: „Eure Lebensmittel sollen eure Heilmittel sein.“ Für ihn war klar, dass eine gesunde Ernährung für die Erhaltung der Gesundheit von großer Bedeutung ist. Und dieser Grundsatz gilt seit der Antike bis heute. Doch wer seine Leber schützen möchte, braucht keine komplizierte Diät. Müller-Schilling empfiehlt eine pflanzenbasierte Ernährung nach mediterranem Vorbild mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und pflanzlichen Ölen. Stark verarbeitete Lebensmittel und zuckerreiche Getränke sollten dagegen selten auf dem Speiseplan stehen. Ihre Empfehlung lässt sich auf eine einfache Formel reduzieren: „Bewusster essen, lokaler essen, bunter essen.“
Besonders wichtig sind Ballaststoffe, also Nahrungsfasern, die vom menschlichen Verdauungssystem nicht zersetzt und weitestgehend mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Sie tragen zur Förderung einer gesunden Darmflora bei, unterstützen unser Immunsystem und sind damit alles andere als „Ballast“. Rund 30 Gramm täglich gelten für Erwachsene als Richtwert. Sie stecken in Haferflocken, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Leinsamen und unterstützen die Darmgesundheit. Bei übergewichtigen Menschen mit MASLD kann bereits eine moderate Gewichtsabnahme von etwa fünf Prozent das Leberfett reduzieren. Ein größerer Gewichtsverlust von sieben bis 10 Prozent und mehr kann auch Entzündungen und Vernarbungen positiv beeinflussen. Bewegung verbessert den Stoffwechsel, selbst wenn das Gewicht kaum abnimmt. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, etwa zügiges Gehen oder Radfahren. Bei einer bestehenden Lebererkrankung rät Müller-Schilling zudem zum Alkoholverzicht, da Alkohol die Leber zusätzlich schädigen kann.
Die geheimnisvolle Verbindung zwischen Darm und Leber
Am Universitätsklinikum Regensburg erforscht Müller-Schillings Team, wie Ernährung, Darmbakterien und Leber zusammenwirken. Was wir essen, beeinflusst die Zusammensetzung der Darmflora. Sie beherbergt circa 10 Billionen Bakterien. Diese produzieren Stoffwechselprodukte, die unter anderem auf das Immunsystem wirken und über die Pfortader – ein großes Blutgefäß zwischen dem Gastrointestinaltrakt und der Leber – auch die Leber erreichen können. Es konnte gezeigt werden, dass bei Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes die Darmflora häufig verändert ist.
Ein Schwerpunkt der Regensburger Forschung ist die Darmbarriere. Sie sorgt dafür, dass unerwünschte Stoffe aus dem Darm nicht ins Blut gelangen. Wird diese krankheitsbedingt durchlässiger, können bakterielle Bestandteile Entzündungsreaktionen begünstigen. Anhand von Modellen, die aus menschlichen Darmschleimhautproben hergestellt werden, untersucht das Team diese Vorgänge. Die Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass bestimmte Darmbakterien bei übermäßigem Vorkommen die Verbindungen zwischen Darmzellen angreifen können. Dadurch können die Bakterien die Darmbarriere überwinden, in den Körper eindringen und potenziell lebensbedrohliche Infektionen verursachen.
Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung gezielter Therapien, um eine schwerwiegende Infektion mit Durchwanderung des Darmepithels durch Bakterien frühzeitig zu verhindern. Dies ist besonders bei Menschen mit Lebererkrankungen von Bedeutung, die ein erhöhtes Risiko für schwere bakterielle Infektionen aufweisen.
„Wir müssen Prävention stärker priorisieren“
Während die Forschung immer mehr Erkenntnisse über chronische Erkrankungen gewinnt, konzentriert sich das Gesundheitssystem weiterhin vor allem auf deren Behandlung. Viele Risikofaktoren ließen sich jedoch früher beeinflussen. Müller-Schilling fordert deshalb eine bessere Ernährung in Schulen und Kindertagesstätten, verständliche Lebensmittelkennzeichnungen und strengere Regeln für an Kinder gerichtete Werbung.
Auch eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke befürwortet sie. In Großbritannien hat eine solche Maßnahme dazu beigetragen, dass Hersteller den Zuckergehalt vieler Getränke senkten. Die Einnahmen würde Müller-Schilling für Prävention verwenden. Zugleich sollten Obst und Gemüse finanziell gefördert werden, um schon im Supermarkt Anreize für die Wahl der gesunden Alternative zu setzen und damit gleichzeitig gesunde Ernährung auch bei geringerem Einkommen erschwinglich bleibt. Denn Lebensmittelpreise, Werbung und Lebensbedingungen beeinflussen, was Menschen essen.
Wie hoch die wirtschaftliche Belastung durch chronische Erkrankungen ist, zeigen aktuelle Berechnungen. Laut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina verursachen Übergewicht und Adipositas in Deutschland jährlich volkswirtschaftliche Kosten von rund 113 Milliarden Euro. Eine Kommission der europäischen Fachgesellschaft zur Lebergesundheit in Europa beziffert den wirtschaftlichen Schaden durch Lebererkrankungen in Europa auf etwa 55 Milliarden Euro pro Jahr. Darin spiegeln sich unter anderem Arbeitsausfälle und vorzeitige Todesfälle wider. Für Müller-Schilling sind solche Zahlen ein wichtiges Argument dafür, stärker in Früherkennung und Prävention zu investieren. Denn während sich die Kosten schwerer Erkrankungen beziffern lassen, bleibt der Erfolg der Vorsorge häufig unbemerkt. „Das ist das Paradox der Prävention. Ihre Erfolge sind nicht sichtbar“, erklärt sie. Wer dank wirksamer Vorsorge gesund bleibt, taucht schließlich in keiner Krankenhausstatistik auf. Gerade deshalb hält sie es für falsch, im Gesundheitssystem ausgerechnet an der Prävention zu sparen.
Wissen alleine reicht nicht
„Was uns fehlt, ist nicht die Evidenz. Was uns fehlt, sind nicht die Medikamente. Was uns fehlt, ist das praktische Handeln“, sagt Müller-Schilling. Das Wissen über Lebererkrankungen wächst, erreicht aber noch längst nicht alle Menschen, die davon profitieren könnten. Dabei stehen bereits heute Möglichkeiten zur Verfügung, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, ihren Verlauf positiv zu beeinflussen und schwere Folgeschäden zu verhindern. Dafür müssen Früherkennung und Prävention stärker im medizinischen Alltag verankert werden. Denn entscheidend ist nicht allein, was die Forschung herausfindet, sondern ob ihre Erkenntnisse rechtzeitig bei den Menschen ankommen.

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Sieben Tipps für eine gesunde Leber
- Bewusster essen, bunter essen
- Zucker sparen
- In Bewegung bleiben
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten
- Möglichst auf Alkohol verzichten
- Gegen Hepatitis B impfen.
- Risikofaktoren frühzeitig erkennen.
Lebererkrankungen bleiben oft lange unbemerkt. Wer an Übergewicht, Typ-2-Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen leidet, sollte sein persönliches Leberrisiko ärztlich abklären lassen. Ein einfacher Score aus Blutwerten und Alter (FIB-4-Score) hilft, das Risiko für eine fortgeschrittene Leberfibrose abzuschätzen und festzustellen, ob noch weitere Untersuchungen notwendig sind. Der Gesundheits-Check-up ab 35 umfasst zudem einmalig ein Screening auf Hepatitis B und C.
Ein Bericht von Kathrin Gnilka / filterRedaktion