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„Trotz aller Schwierigkeiten ist der Beruf der Hebamme immer noch einer der schönsten Berufe.“, schildert Astrid Giesen vom Bayrischen Hebammen Landesverband. „Eine Frau in dieser Lebensphase begleiten zu dürfen, zu erleben, wie aus einer Frau eine Mutter wird, einem Paar eine Familie wird, ist eine sehr befriedigende Arbeit. Die Geburt des Kindes zu erleben, ist dabei  die Krönung“. Die Suche nach Hebammen gestaltete sich in den letzten Monaten und Jahren für Schwangere jedoch immer schwieriger – Nun bildet sich ein neuer Stolperstein für die bereits komplizierte Situation. Denn der GKV-Spitzenverband fordert neue Regelungen für sogenannte Beleghebammen – Hebammen, die in Kliniken individuell für Schwangere sorgen, also nicht vom Krankenhaus angestellt sind.

Diese sollen nun nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen. Jede zusätzliche Schwangere, die betreut wird, selbst bei telefonischer Beratung, kann nicht mehr über die Krankenkasse abgerechnet werden. Außerdem müssen sich Frauen bis zur 38. Schwangerschaftswoche verbindlich angemeldet haben um die Leistungen einer Hebamme in Anspruch zu nehmen und dies über die Krankenkasse abrechnen zu können. „Es stellt sich die Frage, was die Hebammen dann tun sollen, wenn eine 3. Frau zum Beispiel mit Beschwerden kommt“, so Astrid Giesen. Ein weiteres Problem: Ein Großteil der Krankenhäuser in Bayern arbeitete in der Vergangenheit mit Beleghebammen die mehrere Frauen gleichzeitig betreuten. Festangestellte Hebammen waren, aufgrund der geringen Geburtenrate in den jeweiligen Krankenhäusern, nicht rentabel. Beleghebammen begleiteten im Jahr 2015 ungefähr 20 Prozent aller Geburten. Die Neuerungen, die langfristig zur Abschaffung dieser führen könnten, könnten also Kreissaalschließungen zur Folge haben und für eine Verschlechterung der Qualität von Geburtshilfe führen.

Hebammen haben schon lange mit Versicherungstechnischen Problemen zu kämpfen. So stieg beispielsweise die Berufshaftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen auf 6800€. Die Folge: Viele Hebammen verdienen nicht genug Geld um ein profitables Geschäft zu machen, die Anzahl der Hebammen sinkt.

Grund für die hohen Versicherungsprämien ist zum Großteil das langfristige Berufsrisiko. Denn die Verjährungsfrist bei Personenschaden liegt in Deutschland bei 30 Jahren. Die Risiken gemeldeter Spätschäden sind somit beinahe unkalkulierbar. Mittlerweile suchen immer mehr Schwangere Frauen vergeblich nach Hebammen, denn der Beruf ist keineswegs mehr lohnenswert, zumindest nicht finanziell.

Laut Giesen gibt es insgesamt wenige Schadensfälle. „Wenn, dann sind sie jedoch sehr teuer. Deswegen sind die Prämien in den letzten 10 Jahren auch gestiegen. Inzwischen ist es nicht mehr so, dass nach vielen Jahren ein Schaden gemeldet wird, sondern sehr schnell, da die Krankenkassen einen Kostenträger für die hohen Kosten suchen. Wenn nicht die Eltern klagen, tun das die Krankenkassen“.

Auch Monika, die in der 33. Woche Schwanger ist, hat negative Erfahrungen mit der Suche nach Hebammen und den Möglichkeiten die Schwangeren hier gegeben werden gemacht: „Wohnt man wie ich in einem kleinen Dorf ist es nahezu unmöglich eine Hebamme auch nur für das Wochenbett zu finden, geschweigen denn vor und während der Geburt betreut zu werden“. Die 26-jährige Landshuterin begann in der 20. Schwangerschaftswoche mit der Suche nach Hebammen, doch zunächst hagelte es Absagen. „Entweder weil mein Wohnort zu weit weg war und die Krankenkassen, obwohl ich privat versichert bin, die Kosten von dem Anfahrtsweg nicht übernehmen oder weil die Hebammen schlichtweg ausgebucht sind“. Mit viel Glück ergatterte sie zuletzt über Bekannte eine Hebamme, die sich bereit erklärte, sie nach der Geburt zu unterstützen.

Doch damit war das Problem der Entbindung noch nicht gelöst. Aufgrund der schlechten Verhältnisse bezüglich der Entbindung in vielen Kreißsälen, entschied sich die werdende Mutter für eine Hausgeburt. Laut ihren Aussagen gibt es in Kreißsälen oft „Leitlinien, Anordnungen von Ärzten, finanziellen Druck der Krankenhausleitung. Viele Dinge, die die Geburt beeinflussen und vor denen uns die Hebammen immer schwieriger beschützen können“. Monika war es wichtig „eine Geburt zu erleben, bei der die Würde und die Selbstbestimmung der Frau gewahrt bleiben. Dass sie ohne Angst, Zeitdruck und mit einer unterstützenden Hebamme gebären kann“. Sie ist der Auffassung, dass dies, aufgrund der derzeitigen Bedingungen in Kliniken und den vorgeschlagenen Neuerungen der Krankenkassen, in einem Kreißsaal nicht mehr möglich ist.

Seit 2013 ist die Anzahl der Kreißsäle in Bayern gesunken, die Anzahl der Geburten jedoch gestiegen. Und das hauptsächlich in Kliniken, die mit dem Belegsystem arbeiteten. So stiegen die Geburten in diesen Kliniken von 57.321 auf 72.175. Geburtenzahlen in Kliniken mit Angestellten-System veränderten sich kaum, von 45.044 auf 45.537. Ein Erhalt des Belegsystems wäre daher enorm wichtig für den weiteren Verlauf der Geburtenbetreuung in Bayern. Auch Giesen sieht Probleme mit der Situation: „In Deutschland wird die Zentralisierung in der Geburtshilfe forciert. Das hat unterschiedliche Gründe. Wir sehen das vor allem im ländlichen Raum sehr kritisch. Die Frauen haben (dann) sehr weite Wege, um die nächste Geburtsklinik zu erreichen“.

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