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Wenn sie in ihr Heimatland rückgeführt werden, gelten sie als die Verlierer und Versager. Junge Flüchtlinge, die nach oft monatelangem Warten abgeschoben werden, haben so gut wie keine Perspektive mehr. Diesen jungen Menschen hier in Regensburg zu helfen, das war der Stadt Regensburg ein großes Anliegen.

Deshalb hat das Stadtjugendamt mit der Lernwerkstatt der Katholischen Jugendfürsorge ein Projekt auf den Weg gebracht, in dem gerade diese jungen Geflüchteten mit einer schlechten Bleibeperspektive qualifiziert werden. So haben sie wenigstens etwas, das ihnen hilft und nützt, mit dem sie „punkten können“ wie Hubert Schmalhofer, Leiter der Lernwerkstatt, sagt, „wenn sie in ihrem Heimatland ankommen und ihr Leben neu organisieren müssen.“

Können wir uns vorstellen, was diese jungen Menschen durchmachen? Wie es ihnen überhaupt noch gelingt, frühmorgens aufzustehen und den Tag zu bewältigen? Die Rückführung in ein Land, aus dem sie geflohen sind, weil dort Krieg, Elend oder Terror ein Weiterleben unmöglich macht, schwebt wie ein Damoklesschwert über ihnen und doch wartet das Leben auf sie. Sie wissen nicht, welches und wo, deshalb brauchen sie jede erdenkliche Hilfe und Unterstützung, damit sie sich nicht aufgeben und den Mut völlig verlieren. „Gerade auch für diese jungen Menschen ein qualifiziertes Angebot zu schaffen, das ihnen auch Hoffnung und Halt gibt, ist uns als Stadt Regensburg ein wichtiges Anliegen“, erklärt Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Stadtjugendamt ergreift Initiative
Keine einfache Aufgabe und eine besondere Zielgruppe – und doch hat das Stadtjugendamt Regensburg die Initiative für die jungen Ausländer mit Fluchthintergrund und schlechter Bleibeperspektive ergriffen. „Respekt“, sagt Hubert Schmalhofer, der das gerne unterstützt, „wir sind sehr dankbar, dass die Stadt Regensburg diese Maßnahme bei uns im Haus mit unterstützt.“ Es handelt sich um ein tagesstrukturierendes und qualifizierendes Angebot für die jungen Geflüchteten gerade in der Situation vor einer drohenden Rückführung. Das haben die Lernwerkstatt und das Stadtjugendamt gemeinsam konzipiert – die Maßnahme hat den Titel: „Beschäftigung & Qualifizierung“ (BQ). Das Ziel ist, die jungen Leute zu motivieren, sie fachlich zu qualifizieren und ihnen eine Tagesstruktur zu geben. Warum das so wichtig ist, liegt auf der Hand. In einem Setting von professioneller Begleitung und Unterstützung werden die jungen Menschen gehalten und geführt. Sie sind nicht einfach auf der Straße oder laufen Gefahr in schlechte Kreise zu geraten oder ausgegrenzt zu werden, sondern erlernen sinnvolle Tätigkeiten, werden sogar beruflich qualifiziert. Das tut ihnen gut und jeder Gemeinschaft, in der sie später Fuß fassen werden.

Kein untätiges Warten
Etwa ein Drittel der unbegleiteten minderjährigen Ausländer in Bayern haben keine gute Bleibeperspektive, keinen Zugang zu Betriebspraktika, zu einer Ausbildungs- oder Arbeitserlaubnis. Bis zum Zeitpunkt der tatsächlichen Ausreise verstreichen Monate, teilweise sogar Jahre, wenn sich etwa wegen eines Widerspruchs gegen den ablehnenden Asylbescheid das Verfahren in die Länge zieht, oder weil aus anderen Gründen die Ausreise vorerst nicht umgesetzt werden kann. „Unsere BQ-Maßnahme haben wir so organisiert, dass die Jugendlichen unter Berücksichtigung der Gegebenheiten im Heimatland einen Kompetenzzuwachs bekommen. Kern der BQ ist das Arbeitstraining und die Qualifizierung in realer Arbeitsumgebung in den Ausbildungsbereichen der Lernwerkstatt, die Arbeitszeit kann dabei individuell geplant werden“, erklärt Hubert Schmalhofer, „wir erarbeiten ganz gezielt neue Perspektiven für sie.“

Hoffnung und Perspektiven geben
Jugendamtsleiter Dr. Volker Sgolik, sein Vertreter Dr. Marco Merk und Lorenz Schmid haben die BQ-Maßnahme mit der Lernwerkstatt konstruktiv, schnell und unkompliziert realisiert. Sie sind sich einig: „Es ist das Gebot der Stunde, diesen jungen Menschen zu helfen und ihnen gerade in dieser extremen Belastungssituation zur Seite zu stehen.“ Die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden aktuell in der Maßnahme aufgenommen. Die Pädagoginnen und Pädagogen sind gefordert, die jungen Menschen brauchen sie. Sie brauchen Hilfe, um ihre Fluchterlebnisse zu verarbeiten, Hilfe, damit sie sich in einer anderen Kultur und Sprache zurechtzufinden und nicht zuletzt Unterstützung all das zu verarbeiten, was sie bisher aushalten mussten: Fehlschläge, Überforderung, Leistungseinbrüche.

Ein junger Mensch, der das nötige Rüstzeug für sein Leben mit auf den Weg bekommen hat, kann hier und dort sein Leben in die Hand nehmen und gestalten – hier bei uns in Deutschland oder in seinem Heimatland. Hier wie dort ist es wichtig, sich belastbar zu zeigen, in einer Ausbildung oder im Beruf etwas leisten und durchhalten zu können, erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten zu stabilisieren und auszubauen. „Wir haben dabei besonders Berufe im Blick, die im Heimatland gefragt sind“, sagt Huber Schmalhofer, „um ihnen die weitere Vorbereitung auf eine Ausbildung oder einen schulischen Abschluss zu ermöglichen.“ Das ist Hilfe zur Selbsthilfe, Entwicklungshilfe und die geforderte menschenwürdige Begleitung, wie sie sich jeder von uns in dieser Situation wünschen würde.

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