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Der Streit um die Nutzung der Grünflächen zwischen der Stadt und den Regensburger Gastronomen geht in die nächste Runde: Als Reaktion auf Ludwig Artingers Aussagen zu Beginn dieser Woche melden sich nun die Wirte zu Wort und stellen nicht nur einige Dinge richtig, sondern zugleich auch einige Forderungen auf.  

Nachdem sich Regensburgs dritter Bürgermeister Ludwig Artinger am Dienstag auf einer Pressekonferenz zur Nutzung der Grünflächen durch Regensburger Gastronomen geäußert hat, setzten sich fünf von ihnen stellvertretend für 150 Wirte der Domstadt am Donnerstagvormittag zur Wehr und widerlegten einige Aussagen Artingers. Karl von Jena, Sprecher der Altstadtgastronomen, monierte gleich zu Beginn der Pressekonferenz, dass Artinger die Regensburger Wirte in seinen Aussagen als „phlegmatisch“ dargestellt habe.

Zum Hintergrund: Von Jena hatte am 14. Mai eine E-Mail an die Stadt Regensburg mit dem Vorschlag zur Entzerrung im öffentlichen Raum durch die Nutzung der Grünflächen gesendet. Am 6. Juni habe sich laut Artinger Regensburgs erste Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer schriftlich an von Jena gewandt und die temporäre Nutzung der Grünanlagen unter bestimmten Voraussetzungen angeboten. Maltz-Schwarzfischer habe außerdem den Kontakt des Gartenamtes angegeben, da dies für mögliche Anträge vonseiten der Wirte zuständig sei. Auf diese E-Mail von Maltz-Schwarzfischer hätten sich, so Artinger, lediglich drei Interessenten gemeldet. Diese habe man daraufhin erneut an die Antragstellung beim Gartenamt aufmerksam gemacht. „Dann war Sendepause“, so Artinger am Dienstag weiter. Nur Familie Hahn und eine weitere Brauerei hätten einen Antrag gestellt und hätten nun die Erlaubnis erhalten, gemeinsam den Sommergarten im Stadtpark zu bespielen.    

Von Desinteresse keine Spur

Das erhitzt nun die Gemüter der Regensburger Gastronomen, auch wenn vor allem von Jena betont, dass auf Dult-Festwirt Michael Hahn niemand „sauer“ sei. „Hahn ist ein Unternehmer und er hat etwas unternommen“, schmunzelt von Jena. Aufgrund der Größe seines Unternehmens könne er aber schlicht anders agieren als viele ortsansässige Wirte in Regensburg.

Sophia Ramm etwa betreibt den Kosmonaut und stellt auf der Pressekonferenz der Regensburger Gastronomen klar, dass von „Desinteresse“, wie es Artinger in seinen Aussagen habe durchschimmern lassen, keine Rede sein kann. Vonseiten der Stadt seien den Gastronomen lediglich die Schillerwiese und der Grieser Spitz zur Nutzung angeboten worden. Vom Stadtpark oder vom Dultplatz seien nie zur Diskussion gestanden. Das bestätigt auch die E-Mail von Maltz-Schwarzfischer an von Jena, in der es heißt: „Eine temporäre gastronomische Nutzung der Grünflächen an der Schillerwiese und am Grieser Spitz ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich.“ Ramm verweist dabei auf die eh schon „abschreckende Situation“ am Grieser Spitz, die selbst durch Polizei und Ordnungsdienst nicht zu beruhigen gewesen sei. Sie finde es deshalb „befremdlich“, dass die Stadt die Verantwortung auf die Gastronomen abwälzen wollte. Hinzu komme, dass die Wirte selbst für Strom, Wasser oder Toiletten hätten aufkommen müssen. Ohne Unterstützung vonseiten der Stadt sei eine Bewirtung der Flächen aber nicht möglich, so Ramm, weshalb die angebotenen Areale auch keinerlei Option darstellen würden. Fast schon ungläubig richtet sie deshalb die Frage an die Stadt: „Wie wäre es denn mal mit einem Miteinander?“

„Unglücklich“ über Verhalten der Stadt

„Unglücklich“ über das Verhalten der Stadt zeigt sich am Donnerstag auch Karin Griesbeck von der Neuen und Alten Filmbühne und beklagt das mangelnde Entgegenkommen vonseiten der Stadt, das die Gastronomen seit Beginn der Corona-Krise zu spüren bekommen hätten. Ein Beispiel fügt sie ebenfalls an: Ihre Mitarbeiter hätten zu der Zeit, als lediglich To-Go möglich war, im Hintergrund leise Musik gehört. Daraufhin habe das Ordnungsamt bei ihr angeklopft und das Ausschalten der Musik gefordert. Schließlich könne leise Musik zu einer Ansammlung von Menschen führen, habe das Ordnungsamt laut Griesbeck als Begründung angefügt. Dass die Musik nur für die Angestellten gedacht war, habe das Amt nicht interessiert. Stattdessen drohen der Wirtin nun Bußgelder in Höhe von bis zu 5.000 Euro. „Wir organisieren junge Menschen“, so Griesbeck. Das sei nun aber nicht mehr möglich, da sich alles nach draußen verlagert. Über das generelle Musikverbot auf öffentlichen Grünanlagen durch die Stadt kann Griesbeck auch nur milde lachen: „Meine erste Frage war: Die Boombox wird verboten, ist dann Blasmusik erlaubt?“ Ganz zu schweigen vom Nutzen des Betretungsverbots auf der Jahninsel und dem Grieser Spitz: „Ab Oktober werden Hauspartys stattfinden“, ist sich die Wirtin sicher.  

Gegängelt würden die Wirte seit Beginn der Krise aber nicht nur von der Stadt oder vom Ordnungsamt, sondern auch von „einzelnen Beschwerdeführern, die eine ganze Branche in Gefahr bringen“, so Tim Bockes, Betreiber vom Beer Dorado. Hinzu komme, dass die Kritik meist anonym erfolge und oftmals nicht stimme, wie er selbst zu berichten weiß. Ein Bewohner im vierten Stock oberhalb seiner Kneipe habe sich über zu laute Musik beschwert, Bockes selbst habe sich vor Ort vom absoluten Gegenteil überzeugt. Dennoch sei ihm eine Beschwerde ins Haus geflattert.  

„Nicht nur den Bademeister spielen“

Glücklich zeigen sich die Gastronomen am Donnerstag über die Lösung mit den Freisitzen, auch wenn für diese noch immer – reduzierte – Gebühren anfallen würden. Michael Scharff von der Hubertushöhe hält die Freisitze auch im Winter für „überlebenswichtig“ für die Wirte, weshalb sie beispielsweise auch nicht von Glühweinständen verdrängt werden dürften. Bislang gebe es zum Behalt der Freisitze und möglicher gasbetriebener Heizpilze aber nur einen Vorstoß der CSU-Fraktion, ein Beschluss fehle nach wie vor. Von Jena fügt hinzu, dass uns Corona noch länger begleiten werde, weshalb gemeinsam mit der Stadt ein Fahrplan für die nächsten ein bis zwei Jahre entwickelt werden müsse.

Konkrete Forderungen bringt abschließend Tom Bockes auf den Tisch: Er ruft die Stadt Regensburg dazu auf, den Dultplatz für die Gastronomen und die ortsansässigen Schausteller zur Verfügung zu stellen – inklusive Wasser, Strom und Toiletten. Einen konkreten Vorschlag oder gar einen Antrag habe er bei der Stadt aber noch nicht eingereicht, die Idee sei lediglich innerhalb des Gastro-Verbandes angebracht worden. Im Namen aller Gastronomen sprach sich Bockes am Donnerstag zudem für einen Bürgermeister als festen Ansprechpartner für ihre Belange aus, um gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten. Welchen der drei amtierenden Bürgermeister sie für die beste Option halten, dazu wollten sich die Gastronomen am Donnerstag nicht äußern. Fest steht für Bockes nur: Die Stadt könne nicht am Beckenrand stehen und zuschauen, während die ertrinkenden Wirte im Wasser schwimmen. Jeder Betreiber müsse schließlich nicht nur für sich selbst, sondern auch für Miete, Mitarbeiter oder Lieferanten aufkommen. „Wir fordern die Stadt auf, aktiv zu werden und nicht nur den Bademeister zu spielen.“

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