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Bild einer Uferschnepfe

Fast 37.500 Tier- und Pflanzenarten stehen derzeit auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN – und damit 28 Prozent der bislang über 134.000 bewerteten Arten. Die 1964 ins Leben gerufene Rote Liste der bedrohten Arten dient aber nicht allein als Informationsquelle über den globalen Erhaltungszustand der Tier-, Pilz- und Pflanzenwelt, sondern zugleich als Menetekel unserer biologischen Vielfalt.


Steckbrief Uferschnepfe

Name: Uferschnepfe
Lateinischer Name: Limosa limosa
Klasse: Vogel
Größe: 37 - 42 Zentimeter
Alter: Lebenserwartung 12 Jahre
Nahrung: Käfer, Larven und Schnecken
Verbreitung: Westeuropa bis Westsibirien, zieht im Winter an die Atlantikküste und das Mittelmeer
Lebensraum: Feuchtwiesen und Niedermoore

Die Uferschnepfe bringt nicht nur durch ihren Namen zum Kichern – auch der Ruf der gesprächigen Vogelart lässt ihre Beobachter lachen. Dank ihrer Laute hat sich die Uferschnepfe einige Beinamen verdient: Die Niederländer nennen sie oft „Grutto“ und besonders in Norddeutschland wird der Vogel oft „Greta“ genannt. Aber nicht nur im Norden des Landes lässt sich die Uferschnepfe noch blicken – auch in unseren Breiten findet man einige der wenigen vom Aussterben bedrohten Vögel.

Der Vogel ist nicht nur durch seine unterhaltsamen Rufe bekannt geworden, sondern auch wegen seines markanten Aussehens: Die Uferschnepfe ziert ein rostfarbenes Federkleid, das bei den Männchen stärker ausgeprägt ist als bei den Weibchen. Ansonsten erscheint der Vogel sehr zierlich, mit strohhalmartigen Beinen und einem ebenso dünnen und langen Schnabel. Den braucht die Uferschnepfe, um ihre bevorzugte Nahrung aus dem Boden ziehen zu können. Primär ernährt sich die Uferschnepfe von Käfern und Larven, mit ihrem langen Schnabel zieht sie aber auch Würmer und Schnecken aus dem Feuchtboden und Schlamm.


Schwund des Lebensraums


Leider verschwindet die Uferschnepfe Stück für Stück aus der deutschen Landschaft: In Bayern findet man sie nur an einigen wenigen Brutplätzen. Das liegt in erster Linie daran, dass ihr gewohntes Habitat immer weiter schrumpft. Die Lage von Feuchtgebieten und Mooren in Deutschland zeichnet ein trauriges Bild: Durch Brachlegung von Feuchtwiesen für Landwirtschaft oder Wohnungsbau und den voranschreitenden Auswirkungen des Klimawandels gibt es Jahr für Jahr weniger Orte, an denen sich Vögel wie die Uferschnepfe wohlfühlen, Futter finden und ihre Jungen aufziehen können. Daher verkleinern sich auch der Artenbestand der Uferschnepfe sowie der ihrer Kollegen unter den Wiesenbrütern immer weiter. Besonders überraschend ist aber, dass es in Deutschland nur zwei Gebiete gibt, in denen man diesen Vogel noch finden kann: Im Norden, insbesondere an der Nordsee, die durch ihr feuchtes Klima noch optimale Bedingungen für die Uferschnepfe bietet, und im Süden entlang der Donau. Zwischen Regensburg und Deggendorf findet man so viele dieser vom Aussterben bedrohten Vögel wie kaum an einer anderen Stelle in Deutschland.


Nicht typisch, aber ideal


Aber wieso? Der ausschlaggebende Faktor ist die Nähe zu verschiedenen Flüssen – nicht nur zur Donau, sondern auch zur Altmühl oder Naab. Dort befinden sich zwar keine Moore, aber dennoch fühlen sich die Wiesenbrüter hier wohl: Durch die feuchten Frühlinge treten die Flüsse unserer Region oft über ihre Ufer, sodass hier kleine Feuchtgebiete entlang der Gewässer entstehen. Die Uferschnepfe profitiert aber schon vor dem ersten Frühlingsregen von der Schneeschmelze, die die Talwiesen – wenn auch nur auf kleinen Flächen – mit Schlamm überzieht und das Nachwachsen der Wiesen zwar nicht verhindert, aber zumindest verlangsamt. Somit werden die Täler und Wiesen zur optimalen Brutstätte für die Uferschnepfe, auch wenn es sich hierbei nicht um ihr typisches Zuhause handelt.


Schützen, was es noch zu schützen gibt


Obwohl es sich bei der Region zwischen Regensburg und Deggendorf nicht um den Idealtypus eines Uferschnepfenhabitats handelt, gilt es trotzdem, das kleine Vorkommen dieses Vogels weiter zu schützen. Jedoch lässt sich seit den Achtzigerjahren ein stetes Schrumpfen der Population beobachten, was sich auch vornehmlich darauf zurückzuführen lässt, dass ihr Lebensraum nicht ausreichend geschützt wird. Aus diesem Grund wurde das Artenhilfsprogramm Wiesenbrüter ins Leben gerufen: Die Agenda Wiesenbrüter wurde für das Jahr 2030 in das Biodiversitätsprogramm der Bayerischen Staatsregierung aufgenommen und beinhaltet Vorschläge und Maßnahmen zur Instandhaltung und Vermehrung der Brutstätten für Uferschnepfen und weitere Wiesenbrüter. Als kurzfristiges Ziel wird in der Agenda eine Sicherung und Erhöhung der Uferschnepfenbestände festgeschrieben. Dafür bedarf es jedoch einiger Schritte, die über eine Erhaltung und Vermehrung der Grünlandbestände bis hin zur Verbesserung des Wasserhaushalts reichen, damit es nicht zur weiteren Austrocknung der Talwiesen kommt.

Die Bemühungen zum Artenerhalt der Uferschnepfe haben also noch einige Aufgaben vor sich, damit das seltene Vorkommen des Vogels in unseren Breiten erhalten bleibt. Ähnlich wie bei dem Volksbegehren zur Rettung der Bienen geht es auch hier weniger um das Bekämpfen von Artensterben durch gezielte Verfolgung als um den Einfluss, den der Mensch mit seinem Eingriff in die Natur auf die Habitate und Lebensweisen in der Tierwelt hat.


RNRed
Bildquelle: bigstockphoto.com | WildMedia

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