In Regensburg soll günstiger Wohnraum für Auszubildende entstehen – und zwar in Form eines Azubi-Wohnheims. Obwohl IHK und Handwerkskammer das Vorhaben unterstützen, stellten sie bereits klar, dass sie selbst nicht als Bauträger oder Betreiber infrage kämen. Doch wer soll den Bau übernehmen? Wer trägt am Ende die Kosten? Und wie soll das Wohnheim konkret aussehen?
Bezahlbaren Wohnraum zu finden, stellt für viele Auszubildende eine große Herausforderung dar. Umso größer ist nun die Hoffnung, dass ein Azubi-Wohnheim diese Lücke bald schließen kann. Nachdem bereits einige Zeit über diese Pläne diskutiert wurde, zeigte sich in einem Fachgespräch im Dezember – das zwischen der Stadt Regensburg, dem DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund), der DGB-Jugend, der Stadtbau GmbH, der IHK und der Handwerkskammer stattfand – große Einigung. Alle Beteiligten verständigten sich darauf, die Voraussetzungen für ein Azubi-Wohnheim mit rund 20 Wohnungen in Regensburg zu prüfen. Und auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer kündigte an, dass es nun in die konkrete Projektplanung gehe.
Die Idee dafür existiert schon lange, doch die entscheidenden Impulse in den vergangenen zwei bis drei Jahren kamen von der DGB-Jugend. „Die Apartments sollen jungen Menschen zugutekommen, die sich sonst durch die Ausbildung ihr Leben nicht finanzieren können“, beschreibt Martin Oswald und ergänzt: „Viele junge Menschen können nicht der Ausbildung nachgehen, die sie gerne machen würden, weil sie sich ein Leben außerhalb des in der Regel mietfreien Elternhauses nicht leisten können. Sie bleiben aufgrund hoher Mietkosten in der Stadt ans Elternhaus gebunden – selbst wenn sie das gar nicht (mehr) wollen.“
Und auch für die Unternehmen in der Region sei günstiger Wohnraum für Auszubildende von Vorteil. „Ein Azubi-Wohnheim steigert die Attraktivität des Standorts Regensburg und zieht angehende Fachkräfte aus Handwerk oder Industrie in die Stadt“, ist Oswald überzeugt. Die Stadt Regensburg erhofft sich ebenfalls eine bessere Rekrutierung von Auszubildenden, auch überregional.
300 Euro warm – wie ist das möglich?
Die Mietkosten stehen noch nicht fest. Laut Oswald wird jedoch ein Betrag von etwa 300 Euro warm angestrebt. „Das sehen auch die Förderbedingungen des Freistaats Bayern vor“, erklärt er. Angesichts der derzeit sehr hohen Mietpreise erscheint dieser Betrag schwer umsetzbar. Oswald verweist jedoch auf das AzubiWerk in München, wo die Warmmiete ebenfalls bei rund 300 Euro liegt. Auch in Bremen-Osterholz habe erst vor wenigen Wochen ein Wohnheim mit 54 Apartments für Auszubildende eröffnet – dort beträgt die Miete 350 Euro.
Um solch günstige Mietpreise zu ermöglichen, sollen Betriebe finanzielle Beiträge ableisten. „Diese erfolgen durch den Erwerb sogenannter Belegrechte. Das Prinzip: Neben der Miete, die Auszubildende zahlen, schießen Firmen noch einen Teil dazu.“, beschreibt Oswald. Die Gesamtmiete liegt beispielsweise bei 450 Euro, für die Azubis ist sie auf 300 Euro gedeckelt – die restlichen 150 Euro tragen die Unternehmen. Dabei kaufen die Unternehmen die Wohnungen nicht, sondern reservieren sie bei Bedarf für ihre Auszubildenden. In München wird das bereits umgesetzt: Ein Belegrecht kostet dort monatlich rund 155 Euro, in Bremen 100 Euro.

Martin Oswald: Jugendsekretär in der DGB Region Oberpfalz. Die DGB-Jugend ist eine Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbunds, die sich um die Interessen junger Menschen im Zusammenhang mit Ausbildung, Praktikum und Job kümmert. © Fabian Grötsch
Eigenes Bad, Gemeinschaftsräume und Beratung
Das AzubiWerk in München betreibt mittlerweile über 1.000 Wohnungen in unterschiedlichen Wohnheimen und dient der DGB als Vorbild. „Die Apartments haben jeweils ein eigenes Bad und gewähren Privatsphäre. Die Häuser verfügen über Gemeinschaftsräume sowie ein sozialpädagogisches Beratungsangebot. Genau das wollen wir auch in Regensburg“, beschreibt Oswald. Für Regensburg sind Apartments zwischen 17 und 20 Quadratmetern geplant.
Hinsichtlich des Standorts hält die DGB-Jugend es für sinnvoll, wenn die Apartments in die Quartiersentwicklungen im Stadtosten – also etwa auf dem Gebiet der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne – integriert würden. Grundsätzlich sei eine gute Einbettung in das Wohn- und Gewerbeumfeld sowie die Anbindung an den ÖPNV wichtig. In München, Bremen und wohl künftig auch in Regensburg gilt die Regel, dass nur volljährige Auszubildende ein Apartment anmieten können.
Und wer trägt die Kosten?
Wie viel die Umsetzung des Projekts kosten würde, könne man laut Oswald zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös einschätzen, weil das von Faktoren wie Größe, Lage, Baumaterial, Erschließung, Ausstattung etc. abhänge. Als Vergleich zieht er den „besonders nachhaltigen Neubau“ in Bremen heran, der etwa 11 Millionen Euro gekostet hat.
„Bei der Planung und beim Bau sehen wir die Stadt Regensburg bzw. ihre 100-prozentige Tochter, die Stadtbau GmbH, in der Pflicht. Wir wollen den Bau durch die öffentliche Hand. Für den Betrieb favorisieren wir – auch wieder nach Münchner Beispiel – einen gemeinnützigen Verein.“
Für kommunale oder gemeinnützige Bauträger gebe es eine attraktive Förderkulisse des Bundes und des Freistaats explizit für Azubi-Wohnen. „Der Freistaat etwa fördert ein Apartment mit 45.000 Euro. Das Gute dabei: Wenn die Förderbedingungen, so etwa eine 25-jährige Zweckbindung der Immobilie (also Azubi-Wohnen), erfüllt werden, muss das Geld nicht zurückgezahlt werden. Deshalb wollen wir, dass Stadt und Stadtbau hier Geld in die Hand nehmen.“, wünscht sich Oswald.
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer betont, dass viele Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen müssten, um das Projekt zu realisieren: „Hier ist nicht nur die Stadt gefragt.“
Wann kommt das Azubi-Wohnheim?
Aktuell prüft die Stadt Regensburg die Realisierbarkeit des Projekts und plant die Abstimmung mit weiteren Akteuren: „Erst einmal werden die Bedarfe ermittelt, mögliche Strukturen sowie Fördermöglichkeiten ausgelotet. Die Stadtbau GmbH hat die Aufgabe erhalten, potenzielle Örtlichkeiten im Stadtgebiet vorzuschlagen und erste Kostenschätzungen abzugeben.“, erklärt Maltz-Schwarzfischer. Die Kammern ermitteln Bedarfe bei ihren Unternehmen – und der DGB prüft über seine Mitgliedsgewerkschaften feste Finanzierungszusagen seitens der Betriebe.
Ein fester Baubeginn steht noch nicht fest, doch Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer zeigt sich optimistisch: Sie geht davon aus, dass alle Beteiligten den Weg mitgehen. Bereits im Februar 2026 wird eine weitere Gesprächsrunde stattfinden.
Für den DGB sind diese 20 geplanten Wohnungen jedoch nur der Anfang, da weiterhin großer Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Azubis besteht.
Marina Triebswetter I filter Magazin