Das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz bietet Chancen für Stadt, Kultur und Gemeinschaft. Die Initiative UNSER.STADT.RAUM lädt zur Podiumsdiskussion ein, um politische Perspektiven und Ideen für einen offenen, zukunftsfähigen Ort zu diskutieren.
Das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz bietet eine einmalige Gelegenheit, einen zentralen Ort in Regensburg für Stadt, Kultur und Gemeinschaft neu zu gestalten. Die Initiative UNSER.STADT.RAUM lädt alle Interessierten ein, ihre Ideen einzubringen und an der Podiumsdiskussion am Donnerstag, den 12. Februar, um 19:00 Uhr im Leeren Beutel, Bertholdstraße 9, teilzunehmen. Dort werden politische Perspektiven zur Zukunft des Platzes vorgestellt und diskutiert.
Ein Positionspapier für die Transformation des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes zu einem offenen Ort für Stadt, Kultur und Gemeinschaft von Johannes Zettel:
Wenn man sich mit der Stadtentwicklung in Regensburg beschäftigt, stößt man auf ein wiederkehrendes Muster: Wir Bürgerinnen und Bürger vergeuden unendlich viel Energie, gegen etwas zu sein – gegen Neubauten, Umbauten oder Veränderungen. Aber wir investieren nur einen Bruchteil dieser Energie, FÜR etwas aufzustehen. Dafür sein, heißt, Visionen zu entwickeln, Neues schaffen, einen Gewinn für die Stadtgesellschaft zu generieren. Das ehemalige Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz, mitten in der Regensburger Altstadt, lädt genau dazu ein – Es ist ein Glücksfall für die Bürgerinnen und Bürger im Weltkulturerbe. Seit den 1970er-Jahren prägt das Gebäude diesen zentralen Ort und ist ein Teil der Erinnerungen vieler Regensburgerinnen und Regensburger. Wer genau hinsieht, erkennt, dieses Gebäude ist kein Problem. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, ein Geschenk; ein seltener, zentraler und äußerst prominenter Leerstand in einer dicht gewachsenen Altstadt. Der Ort mit Struktur, Substanz und unendlich viel Potenzial ist in seiner zusammenhängenden Größe beispiellos.
Warum Erhalt Zukunft ist
Erhalt bedeutet nicht Stillstand, sondern kann die Grundlage für Bewegung sein. Nachhaltige Stadtentwicklung beginnt nicht mit dem Abbruchbagger, sondern mit dem Bewusstsein für das Vorhandene und weiterzuentwickeln, was wir schon besitzen. Ein Abriss mitten im UNESCO-Welterbe hinterlässt über Jahre hinweg eine Baustelle und vernichtet enorme Mengen grauer Energie. Das bedeutet viel Staub und Lärm sowie einen immensen CO₂-Aufwand für Abbruch, Entsorgung und Neukonstruktion. Der Bestand hingegen bietet alles, was eine zukunftsfähige Stadt braucht: Raum, Flexibilität und Geschichte. Ein Weiterbauen im Bestand eröffnet schnellere, ressourcenschonendere und kreativere Wege, als sie ein Neubau je bieten könnte. Hier kann man sofort beginnen. Ohne Abbruchlärm, ohne Brache, ohne Stillstand, mit schlanken Planungen.
Der Kairos – Jetzt ist der richtige Moment
Wir erleben in Regensburg einen äußerst seltenen Moment – vielleicht zum letzten Mal in der langen Geschichte unserer Stadt: Eine Innenstadtfläche dieser Größe, mitten im historischen Zentrum, steht offen für neue Ideen. Das ist kein Problem, das ist ein Geschenk! Es ist der Kairos, der günstige Moment, der nicht wiederkommt. Hier kann sich die Stadt selbst neu erfinden. Hier kann sie zeigen, dass Transformation nicht Verlust, sondern Gewinn bedeutet, wenn sie mit Sorgfalt, Offenheit und Neugier gestaltet wird.
Ein offener Möglichkeitsraum – Erhalten. Eröffnen. Erleben.
Was am Neupfarrplatz entsteht, lässt sich heute noch nicht vollständig festschreiben. Und genau das ist gut so. Der Wert dieses Ortes liegt in seiner Offenheit. Er kann vieles und kann genau deshalb alles sein: ein Raum für Begegnung, Kultur, Bildung und Stadtleben. Ein Ort, an dem Alltag und Außergewöhnliches ineinander übergehen.
Impulse für die künftige Diskussion und Ideenwettbewerbe:
- Welche Möglichkeiten bietet die Struktur des Gebäudes für neue Formen des Miteinanders? Für Arbeit, Lernen, Kreativität oder Engagement?
- Wie können beispielsweise begrünte Fassaden, Dachgärten oder offene Treppenräume neue Aufenthaltsqualitäten schaffen?
- Wie kann das Gebäude öffentlich zugänglich und nutzbar bleiben. Als Haus für viele, nicht für wenige?
- Wie entsteht im Zentrum ein für Regensburg angemessener Ort für Musik, bildende Kunst und Veranstaltungen? Mit einem Konzertsaal oder flexiblen Räumen, die Kultur sichtbar machen und Stadtleben und Wirtschaft nachhaltig verändern und bereichern?
- Gibt es Möglichkeiten für kleinteiligen Einzelhandel und Gastronomie?
- Welche Rolle kann der Ort in einer Altstadt spielen, die Raum für Jugendliche, Familien, ältere Menschen und soziales Leben benötigt?
- Beispielhafte und vor allem miteinander kombinierte Nutzungen könnten sein: Co-Working-Spaces, Jugendzentrum, Artothek, Seminarräume, Kindertagesstätte, ein für Regensburg angemessener Konzert-/Veranstaltungssaal, Fahrradgarage in den Untergeschossen, Gastronomie, kleinteiliger Einzelhandel im Erdgeschoss, u.v.m.
Das Potential erkennen, nicht das Problem
Aufgrund seiner Struktur bietet das Haus vielfältige Möglichkeiten. Ob die Stadt Eigentümerin wird oder private Initiativen eine Rolle spielen, ist letztlich zweitrangig. Entscheidend sind die Ideen und die Haltung, mit der wir sie verfolgen. Eine Stadt, die ihr Erbe nicht abreißt, sondern weiterdenkt, zeigt Stärke. Sie sendet das Signal: Wir sind bereit, aus einer starken Vergangenheit heraus, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Ökologisch, sozial und kulturell.
Kultur als Frequenzbringer
Kultur und Teilhabe dürfen kein Luxus sein, sondern sind Grundlage lebendiger Stadtzentren. Ein Ort für Austausch, Veranstaltungen, Konzerte, Lesungen und mehr, mitten in der Altstadt. Dieser Ort braucht einen Frequenzbringer, einen starken Magneten, der viele Menschen in die Altstadt zieht. Ein solcher Ort muss nicht ausschließlich konsumgetrieben sein. Er entsteht durch Kultur, Bildung und Gemeinschaft. Das ehemalige Kaufhof-Gebäude bietet die einmalige und wahrscheinlich letzte Möglichkeit, diese Idee zentral, sichtbar und schnell realisierbar, mitten im Weltkulturerbe, umzusetzen.
Ein Prozess, der Menschen einlädt
Was wir nun brauchen, ist ein klarer, offener Prozess:
- den Dialog mit Eigentümerinnen und Eigentümern, Politik und Stadtverwaltung
- den offenen Diskurs in der Stadtgesellschaft
- einen interdisziplinären Ideenwettbewerb
- und vor allem: die Bereitschaft, nicht auf Investoren zu warten, sondern selbst zu gestalten.
Appell
Der ehemalige Kaufhof am Neupfarrplatz ist kein Problem für Regensburg. Es ist ein Geschenk an die Stadtgesellschaft. Ein Raum voller Möglichkeiten, der uns herausfordert, ihn mit Sinn zu füllen. Regensburg kann hier zeigen, was Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert bedeutet, nämlich nicht alte Strukturen zu tilgen, sondern sie weiterzudenken. Was entsteht, kann Zeichen setzen: für Vielfalt, Nachhaltigkeit, Kreativität und Zusammenhalt.
Mitmachen und Anpacken, Ihre Ideen sind gefragt
Wenn Sie proaktiv an unserer Initiative UNSER.STADT.RAUM und an einer raschen Entwicklung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes mitwirken wollen, sind Sie herzlich eingeladen, sich an unserer überparteilichen und in der Stadtgesellschaft breit verankerten Initiative „STADT.RAUM Zukunft Neupfarrplatz“ zu beteiligen. Die Initiative versteht sich als Plattform für Ideen, als Stimme für den verantwortungsvollen Umgang mit Bestand und als Einladung an alle, die an die Zukunft dieser Stadt glauben. Schreiben Sie uns eine Email oder sprechen Sie uns persönlich an. Werden Sie Teil unserer Gruppe und helfen Sie mit, unsere einzigartige Altstadt fit für die Zukunft zu machen.

Johannes Zettel / RNRed