Immer mehr, vor allem junge Menschen, träumen davon, Influencer zu werden. Während der Beruf eines Content Creators für die einen eine glamouröse Welt voller Freiheiten eröffnet, ist er für die anderen „ohnehin kein richtiger Job“. Doch wie sieht der Alltag von Influencern wirklich aus, wie verdienen sie ihr Geld – und wie realistisch sind große Erfolge?
Instagram, TikTok und Co. wirken auf manche wie magische Orte, die scheinbar mühelosen Ruhm versprechen. Viele verbinden damit aber vor allem die Vorstellung von Freiheit – davon, ihr eigener Chef zu sein und von überall auf der Welt aus zu arbeiten. Doch wer diesen Beruf ernsthaft betreibt, weiß auch: Es ist harte Arbeit, die viel strategische Planung erfordert. Gleichzeitig ist die Branche mittlerweile zu einem wichtigen Werbemarkt geworden.
Influencer-Ökonomie: Ein Milliardenmarkt mit Wachstum
Während Influencer-Marketing von einigen noch belächelt wird, haben viele Firmen bereits dessen großes Werbepotenzial erkannt. Influencer fungieren als Markenbotschafter, Vertrauensfiguren und Zielgruppen Schnittstellen. Gerade jüngere Generationen wie Millennials und Gen Z reagieren stärker auf deren Empfehlungen als auf klassische Werbung.
Weltweit ist das Influencer Marketing Volumen, sprich das Geld, das Unternehmen für Werbung über Influencer ausgeben, auf über 30 Milliarden US Dollar im Jahr 2025 angewachsen – Tendenz steigend. Auch in Deutschland ist der Influencer-Marketing-Markt größer als häufig angenommen. Laut einer Statista-Auswertung liegen die bundesweiten Werbeausgaben dafür mittlerweile bei über 700 Millionen Euro – prognostiziert wird ein Anstieg bis 2029 auf 960,4 Millionen Euro.
Laut dem „State of German Influencer Marketing Report 2025“, erstellt von den Marketingagenturen INFLUENCER360 und MAI xpose360 in Kooperation mit dem Bundesverband Influencer Marketing e.V. (BVIM), investieren 41 % der Unternehmen 10 bis 25 % ihres Online-Marketing-Budgets in Influencer-Kampagnen, 15 % geben 26 bis 50 % und 7 % sogar mehr als 50 % dafür aus.
Zwischen Glamour und schlechter Bezahlung
Während Firmen mit guten Influencern viel Geld verdienen können, sieht die Situation für die Creator selbst häufig anders aus. Da immer mehr Menschen diesen Beruf ausüben möchten, ist der Markt stark umkämpft. Das Resultat: Es gibt wenige, sehr erfolgreiche Influencer, die viel Geld damit verdienen, sich auf chicen Events tummeln und viel reisen, aber auch diejenigen, die sehr wenig oder gar kein Geld erhalten so ist es Gang und Gäbe, Content-Creator mit Gratis-Produkten zu entlohnen.
Die „Voices of the Creator Economy 2025“ Studie von Kolsquare verdeutlich, wie stark die Einkommen variieren: So verdienen in Deutschland rund 19 % der Creator weniger als 500 Euro im Monat, etwa 20 % zwischen 3.000 Euro und 4.999 Euro und 17 % sogar mehr als 5.000 Euro monatlich. Dabei handelt es sich um Umfrageergebnisse unter Creatorn in Deutschland, die ihr Einkommen selbst angegeben haben. Erfolgreich werden ist also möglich, aber bei weitem nicht die Norm. Das zeigt sich auch dadurch, dass viele Influencer weiterhin ihrem Vollzeit-Job nachgehen.

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So verdienen Influencer Geld
Wer jedoch mit hochwertigem Content und einer engagierten Community ein solides Fundament geschaffen hat, kann auf verschiedene Weise Einnahmen generieren:
Affiliate Programme: Influencer verdienen Geld, wenn Follower über ihren Link oder Rabattcode kaufen – so erkennt die Firma, dass die Empfehlung vom Influencer stammt.
Kooperationen & Sponsored Posts: Marken zahlen für die glaubwürdige Präsentation ihrer Produkte.
Langfristige Markenpartnerschaften: Influencer bewerben Produkte für die Firmen regelmäßig – in Stories, Beiträgen oder Produktplatzierungen.
YouTube Werbeeinnahmen über Views/Ads: Influencer verdienen daran, wenn ihre Videos angesehen werden und Anzeigen laufen – je mehr Views und Interaktionen, desto höher die Einnahmen. Das Geld kommt direkt von YouTube.
TikTok Creator Fund: TikTok bezahlt ausgewählte Creator basierend auf Views und Interaktionen – das Geld kommt direkt von der Plattform, unabhängig von Kooperationen oder Verkäufen.
Eigene Produkte oder Merchandise: Viele Influencer verkaufen eigene Artikel – von eigenen Büchern oder eBooks über digitale Kurse bis zu Kleidung, Accessoires oder Nahrungsmittel.
Abonnements und Plattform Integrationen: Viele kreieren exklusive Inhalte, Online-Kurse oder Apps, die über den freien Content hinausgehen und nur zahlende Abonnenten sehen oder nutzen können. So können Fans etwa für detaillierte Trainingspläne oder persönliche Tipps monatlich zahlen.
Events: Einige Influencer treten live auf, was zusätzliche Einnahmen bringt.
Spenden / Donations: Fans können Creators freiwillig Geld geben, z. B. während Livestreams, über spezielle Buttons auf Plattformen (wie TikTok, Twitch oder YouTube) oder über externe Dienste wie PayPal oder Ko-Fi.
Wie viel Influencer verdienen, hängt davon ab, wie viele dieser Kooperationen und andere Einnahmen sie generieren, wie bekannt sie sind und welche Reichweite sie haben. Makro Influencer mit Hunderttausenden oder Millionen Followern können pro Beitrag oft mehrere tausend Euro verlangen, während Mikro Influencer (10.000 – 100.000 Follower) mit kleinerer Community deutlich niedrigere Beträge erhalten. Wie in der freien Wirtschaft hat auch Verhandlungsgeschick einen entscheidenden Einfluss.
Business-Modell statt Reise-Selfie: Der Alltag eines Influencers
Wer sich dauerhaft etabliert, betreibt weit mehr als ein glamouröses Hobby. Es muss eine Strategie erarbeitet, Zielgruppen analysiert, Content-Formate festgelegt, Redaktionspläne erstellt und ein Content-Plan definiert werden. Dann geht es an die Produktion: Drehplanung, Fotosessions, Videodrehs, Nachbearbeitung, Schnitt und die Anpassung der Inhalte an unterschiedliche Plattformen sind nötig. Bei Kooperationen kommt die Abstimmung mit Kunden hinzu – Briefings lesen, Konzepte entwickeln, Freigaben einholen und Änderungen umsetzen.
Darüber hinaus muss die Beziehung zur Community gepflegt werden, Nachrichten gelesen und Kommentare beantwortet werden. Daneben kümmern sich Influencer um Buchhaltung, Vertragsmanagement und werten mit Analytics Tools ihre Performance aus, um Reichweite, Engagement und Kampagnenerfolge zu messen – und diese auch ihren Kunden mitzuteilen.

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Das machen erfolgreiche Influencer anders
Die, die richtig erfolgreich sind, sind das gewiss nicht geworden, indem sie ab und zu ein Selfie vom Strand oder vom Dinner posten. Entscheidend ist, dass sie über längere Zeit einen eigenen, wiedererkennbaren Kanal aufbauen, der unterhält, informiert oder inspiriert. Dabei müssen sie oft zunächst unentgeltlich Zeit investieren: Inhalte posten, Videos schneiden, Stories planen – und in professionelles Equipment investieren. Licht, Mikrofon, Kamera, Laptop und Schnitt-Software bilden das Grundgerüst, das schnell mehrere Tausend Euro oder mehr kosten kann.
Doch auch die Persönlichkeit des Creators spielt eine große Rolle. Viele Analysen zeigen, dass Influencer besonders erfolgreich sind, wenn sie den Eindruck vermitteln, „wie ein Freund“ zu sein. Es entsteht eine Vertrauensbasis – was es ermöglicht, Produkte glaubwürdig zu empfehlen und zu vermarkten. Ein weiteres Erfolgsmodell ist der Fokus auf Nischenprodukte wie zum Beispiel nachhaltige Mode, bestimmte Hobbys oder spezielle regionale Themen.
Neben großen Accounts können auch Mikro-Influencer erfolgreich sein. Unternehmen schätzen ihre Authentizität und die enge Bindung zu ihren Followern. Durch den direkten Austausch mit ihrer Community vermitteln sie Inhalte glaubwürdig und erzielen zugleich überdurchschnittliche Interaktionsraten.
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Ob Mikro-Influencer oder Social Media Celebrity: Erfolg und der Luxus scheinbar unendlicher Freiheit haben ihren Preis: Der Druck, ständig produktiv zu sein, und der Vergleich mit anderen Creators belasten viele. Bezahlter Urlaub existiert im Prinzip nicht, am Wochenende wird oft gearbeitet – wer nichts produziert, verdient kein Geld. Das kann zu Selbstzweifeln bis hin zum Burnout führen.
Die Herausforderungen machen deutlich, dass Influencer-Marketing mehr ist als nur Likes und Selfies. Während Content-Creator von vielen immer noch belächelt werden, zeigt ein Blick hinter die Kulissen: Es ist ein Wirtschaftsmodell, ein Karriereweg, ein professionelles Geschäft – und vor allem harte Arbeit. Nur ein kleiner Teil derer, die Influencer werden wollen, erreicht ein hohes Einkommen. Mit einer guten Strategie, Professionalität und Authentizität können Creator jedoch echten Erfolg erzielen.
Marina Triebswetter I filter Magazin