Nur wenige Kliniken in Bayern erfüllen die strengen Kriterien eines Weaning-Zentrums. Das Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg ist nun offiziell zertifiziert. Ein spezialisiertes Team begleitet schwer Erkrankte auf dem Weg zurück zur eigenständigen Atmung – individuell, interdisziplinär und nachhaltig.
Nur wenige Kliniken in Bayern erfüllen die anspruchsvollen Kriterien eines Weaning-Zentrums. Das Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg gehört dazu: Seit Anfang des Jahres ist das Haus von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin offiziell zertifiziert. Weaning bedeutet, Patientinnen und Patienten nach einer längeren Zeit der künstlichen Beatmung dabei zu unterstützen, wieder selbstständig zu atmen.
Was Weaning bedeutet
Atmen – die meisten denken nicht darüber nach, es geschieht automatisch. Doch nach einer ernsten Erkrankung, die eine künstliche Beatmung über mehrere Wochen notwendig macht, kämpfen Betroffene regelrecht mit dem ersten selbstständigen Atemzug. Genau hier setzt Weaning (zu deutsch: „Entwöhnung“) an: Es beschreibt den gezielten, medizinisch begleiteten Prozess der Entwöhnung von der künstlichen Beatmung.
„Wir wissen, dass in Einrichtungen, die sich intensiv mit dem Thema Weaning auseinandersetzen, die Zahl der Patientinnen und Patienten, die dauerhaft von einer Beatmungsmaschine abhängig bleiben, deutlich sinkt“, erklärt Professor Dr. Michael Pfeifer. Er ist Chefarzt der Klinik für Pneumologie und konservative Intensivmedizin am Krankenhaus Barmherzige Brüder und weiß, wovon er spricht: Als ausgewiesener Lungenexperte hat er während seiner Zeit als Vorstand in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin die Etablierung zertifizierter Weaning-Zentren vorangetrieben. Umso mehr freut es ihn, dass nun das eigene Haus diese sehr anspruchsvolle Zertifizierung gemeistert hat.
Speziell ausgebildetes Team
Intensivmediziner Dr. Stefan Großmann hat ihn beim Aufbau des Weaning-Zentrums unterstützt und betont dessen Bedeutung: „Wieder selbständig atmen zu können, bedeutet einen enormen Sprung in der Lebensqualität. Die Erkrankten gewinnen Autonomie zurück, können sich freier bewegen und schaffen es nach dem Klinikaufenthalt oftmals, in ihre gewohnte Umgebung zurückzukehren – für die Betroffenen und ihre Familien ein großer Gewinn“, so der Oberarzt. Auch träten Folgekomplikationen seltener auf.
Kern jedes zertifizierten Weaning-Zentrums ist ein interdisziplinär besetztes und speziell geschultes Team. Denn neben ärztlichem und pflegerischem Wissen braucht es für eine erfolgreiche Entwöhnung von der künstlichen Beatmung auch die Kompetenz von Atem- und Physiotherapie, Logopädie, Psychologie und Sozialdienst. „Schwer Erkrankte kämpfen mit dem Gesundungsprozess selbst. Gleichzeitig verliert die Atemmuskulatur durch die künstliche Beatmung rasch an Kraft. Das wiederum beeinträchtigt das Schlucken und Sprechen. Zu all dem kommen die psychische Belastung und ganz praktische Sorgen im Hinblick auf die Bewältigung des künftigen Alltags“, erklärt Dr. Großmann die Zusammensetzung und folgert: „In dieser Zertifizierung steckt die Leistung unseres ganzen Teams.“
Flexibles Stufenmodell im Krankenhaus der Maximalversorgung
Das Weaning-Team bei den Barmherzigen Brüdern trifft sich täglich: Es erstellt für jede Patientin und jeden Patienten ein individuell angepasstes Behandlungskonzept, das laufend an die Tagesform angepasst wird. Dabei kommt den Betroffenen zugute, dass hier auf die Ausstattung eines Krankenhauses der Maximalversorgung zurückgegriffen werden kann. Zusätzliche Untersuchungen oder die Behandlung von Komplikationen können ohne Verlegung in ein anderes Haus und ohne Unterbrechung des Weaning-Prozesses erfolgen.
Eine Besonderheit des Weaning-Zentrums bei den Barmherzigen Brüdern ist, dass die Verantwortlichen bewusst auf ein Stufenkonzept setzen: Behandelt wird auf der Intensivstation, in einer eigens geschaffenen Weaning-Einheit mit sechs Betten und auf der pneumologischen Normalstation. „Wir holen unsere Patientinnen und Patienten genau dort ab, wo sie gesundheitlich stehen, und begleiten sie so lange, wie sie unsere Unterstützung bei der Entwöhnung von der künstlichen Beatmung benötigen“, erklärt Professor Pfeifer.
Der ganze Mensch im Blick
Dass dabei der Fokus immer auf dem ganzen Menschen und seiner Lebenswelt bleibe, liegt Dr. Großmann sehr am Herzen: „High Tech-Medizin ist wichtiger und lebensrettender Bestandteil bei der Behandlung von schweren Erkrankungen. Gleichzeitig begleiten wir Betroffene in einer sehr verletzlichen Phase ihres Lebens. Hier müssen und wollen wir menschlich bleiben.“ Das Personal bezieht deshalb Familie und Angehörige aktiv mit ein, Persönliches wird bewusst nicht ausgeklammert. Die Betreuung durch das Weaning-Team endet nicht an der Krankenhaustür: Für die Zeit danach steht das Team für Nachsorge, Kontrollen und Fragen von Betroffenen und deren Familien oder weiterbetreuende Einrichtungen bereit.
Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg/ RNRed