Ver.di will den Druck auf Nahverkehrsunternehmen erhöhen: In zahlreichen bayerischen kommunalen Nahverkehrsunternehmen werden dieses Wochenende keine Busse und Bahnen fahren. Auch in Regensburg soll der ÖPNV wieder stillstehen.
Ver.di ruft für Freitag, den 27. Februar, und Samstag, den 28. Februar, bundesweit zum zweitägigen Arbeitskampf auf.
Insbesondere in Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Dachau, Fürth, Ingolstadt, Landshut, München, Nürnberg, Passau, Regensburg, Schwabach, Schweinfurt und Würzburg ist mit erheblichen Auswirkungen zu rechnen. Jedoch sind die S-Bahnen sind nicht betroffen, da diese von der Deutschen Bahn betrieben werden.
Anders als in anderen Bundesländern gibt es in Bayern nur einen Tarifvertrag Nahverkehr, der sowohl die Entgelte als auch die Arbeitsbedingungen regelt. Die Gewerkschaft will die Tarifverträge trennen, da die Erfahrung zeigt, dass Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in schwierigen Zeiten schnell gegen eine Anhebung der Entgelte ausgespielt werden. ver.di strebt eine bundesweite Angleichung der Arbeitsbedingungen auf hohem Niveau an.
Forderungen der Gewerkschaft
Der Tarifvertrag Nahverkehr findet in über 20 Unternehmen Anwendung und regelt damit die Entgelte und Arbeitsbedingungen von ca. 9.000 Beschäftigten.
ver.di fordert eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Mit der Anhebung der Löhne würden Differenzen im Lohngefüge beglichen werden: Zum einen die, die innerhalb des Personals der Stadtwerkekonzerne besteht. Zum anderen könnten die Einstiegsgehälter im Fahrdienst in Bayern zu denen in Baden-Württemberg aufschließen. Eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und die Verlängerung der Mindestruhezeit auf elf Stunden würden der hohen Belastung im Schichtbetrieb entgegenwirken und wären somit ein wichtiges Element im Rahmen des Gesundheitsschutzes.
Der Streik geht in die nächste Runde
In der letzten Verhandlungsrunde am Freitag, den 13. Februar, war es zu keiner Annäherung der Tarifparteien gekommen. „Bewegung könnte in die Verhandlungen kommen, wenn die Arbeitgeber sich darauf einließen, separat über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Steigerung der Entgelte zu sprechen“, so Katharina Wagner, Branchenkoordinatorin Busse und Bahnen. „Die bayerischen Arbeitgeber weisen das, was in fast allen anderen Bundesländern Praxis der Tarifarbeit ist, als indiskutabel zurück.“
Sinan Öztürk, stellvertretener Landesbezirksleiter bei ver.di Bayern betont: „Statt die berechtigen Forderungen der Kolleginnen als überzogen zurückzuweisen, sollten die Arbeitgeberinnen endlich den Druck erkennen, der finanziell und auf Grund der Arbeitsbedingungen auf den Beschäftigten lastet und Verhandlungen auf Augenhöhe mit uns führen.“
Ver.di bittet um Solidarität
ver.di und seine Mitglieder sind sich der Auswirkungen auf die Bevölkerung bewusst und bitten um Unterstützung, indem die Arbeitgeber der jeweiligen Verkehrsbetriebe, den Unmut der Fahrgäste mitbekommen. Nicht die Beschäftigten sollten angegriffen werden, wenn sie für ihre Arbeitsbedingungen einstehen.
Seit Jahren weist ver.di darauf hin, dass ein verlässlicher ÖPNV, der Mobilitätsgarant für alle Menschen wäre, nur möglich ist, wenn ausreichend Personal für die Branche gewonnen und in dieser gehalten werden kann. Hierfür ist eine solide Finanzierung von Nöten, die von Ländern und dem Bund mitgetragen wird. Der Verweis auf die klammen Kassen der Kommunen ist keineswegs neu. Der sich zuspitzenden Lage kann nur mit einer grundlegend anderen Finanzierung des ÖPNV begegnet werden.
Wer Antworten im Sparen an den Beschäftigten suche, habe das Ziel einer nachhaltigen Verkehrswende aufgegeben.
Ver.di Landesbezirk Bayern / RNRed