Frankenstraße, DEZ, Alex-Center – täglich stockt der Verkehr im Norden Regensburgs. Die Sallerner Regenbrücke als Teil der Nordspange soll für Entlastung sorgen. Doch Gegner fürchten, dass sie einer nachhaltigen Verkehrswende entgegensteht. Wir haben die Projektverantwortlichen intensiv zu den Plänen befragt, mit Kritikpunkten konfrontiert und Alternativen diskutiert.
Besonders im Norden der Stadt stockt der Verkehr mittlerweile regelmäßig – eine Situation, die sich durch die anstehenden Bauarbeiten am Pfaffensteiner Tunnel noch verschärfen könnte.
Die geplante Lösung: die Sallerner Regenbrücke im Rahmen der Nordspange Regensburg. Sie soll den Verkehr, der aus dem Norden in die Innenstadt fließt, gezielt entlasten. Während Gegner von einem Dinosaurierprojekt sprechen, drängen Befürworter auf eine schnelle Umsetzung. Doch welche Probleme soll die Regenbrücke tatsächlich lösen, welche Kritikpunkte gibt es – und existieren sinnvollere Alternativen?
175 Millionen gegen den Stau?
280 Meter lang und 23 Meter breit soll sie werden – die Sallerner Regenbrücke. Erste Ideen für den Ausbau der Nordgaustraße und den Neubau der Sallerner Regenbrücke reichen bis in die 1960er-Jahre zurück. Seitdem wird immer wieder über die Sinnhaftigkeit dieses Projekts diskutiert.
Aktuell geplante Kosten für das gesamte Projekt „Nordspange Regensburg“: 175 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um ein zusammenhängendes Vorhaben von Bund, Freistaat Bayern, Stadt Regensburg, Landkreis Regensburg, Markt Lappersdorf und der Autobahn GmbH des Bundes. Es umfasst den Ausbau der Nordgaustraße, den Neubau der Sallerner Regenbrücke und den Umbau des Lappersdorfer Kreisels. Diese Teilprojekte sind nur gemeinsam wirksam. Ihr zentrales Ziel ist die verkehrliche Entlastung des Regensburger Nordens. Im Fokus stehen dabei insbesondere Innenstadt-Pendlerinnen und Pendler aus dem nördlichen Umland, Anwohnende sowie Liefer- und Wirtschaftsverkehr.

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Die Ausgangssituation
Aktuell erreichen Pendlerinnen und Pendler die Regensburger Innenstadt aus dem Norden über mehrere Routen:
Eine große Gruppe kommt über die A93 und verlässt die Autobahn an der Anschlussstelle Regensburg-Pfaffenstein, um über die Frankenstraße und das Donau Einkaufszentrum (DEZ) in die südliche Innenstadt oder andere Stadtbereiche zu fahren.
Eine weitere Gruppe fährt bereits vor dem Tunnel an der Abfahrt Regensburg-Nord von der A93 ab. Ein Großteil dieser Verkehrsteilnehmer nutzt die Amberger Straße und Nordgaustraße durch Sallern, Reinhausen und Weichs, um ebenfalls zum DEZ und in die Innenstadt zu gelangen. Diese Route wird auch von Pendlern aus dem Norden (Zeitlarn, Regenstauf etc.) und dem nordöstlichen Landkreis Regensburg (also der B 16 folgend) genutzt.
Alternativ fahren manche Verkehrsteilnehmer – darunter viele Anwohnende aus Lappersdorf – über die Lappersdorfer Straße in die Innenstadt. Diese Route führt letztlich wieder auf die Frankenstraße und weiter am DEZ vorbei.
Die Folge: Morgens stadteinwärts wie abends stadtauswärts kommt es auf der Frankenstraße, der Amberger Straße, der Nordgaustraße und der Lappersdorfer Straße regelmäßig zu massiven Staus und Stockungen. Sowohl die Verkehrsteilnehmer als auch die Anwohnenden leiden unter der anhaltenden Belastung.
Bei Störungen oder Staus auf der A93 verschärft sich die Lage zusätzlich: Der Rückstau reicht häufig bis auf die Frankenstraße, die dann über weite Abschnitte nahezu vollständig blockiert ist.
Ziel der Nordspange
Durch den Bau der Sallerner Regenbrücke, den Umbau des Lappersdorfer Kreisels und den Ausbau der Nordgaustraße von zwei auf vier Spuren, samt Teileinhausung, soll dem von Norden kommenden Verkehr und auch dem Verkehr aus dem Raum Lappersdorf eine andere Möglichkeit zum Erreichen der Innenstadt von Regensburg und des Regensburger Ostens angeboten werden. Dasselbe gilt auch in umgekehrter Richtung.
Die Verkehre werden somit gebündelt und über leistungsgerecht ausgebaute Entlastungsstraßen vom Norden in die Innenstadt und wieder hinaus geführt. Zusammengefasst entsteht eine Entlastungswirkung vor allem für die Anwohnenden der Amberger Straße und der Lappersdorfer Straße sowie für Verkehrsteilnehmende auf der Frankenstraße sowie der Nordgaustraße – also alle Pendelnden, die das Stadtzentrum aus Richtung Norden ansteuern bzw. es in Richtung Norden verlassen möchten.
Die Nordspange kann darüber hinaus im Falle von Autobahnstaus die dann sofort entstehenden Überlastungen auf der Frankenstraße abmildern. Die Sallerner Regenbrücke soll aber nicht nur Pkws und Lkws, sondern auch Fußgängern und Radfahrern eine einfache, schnelle und sichere Querung des Regens ermöglichen – mit abgesetzten, vom durchgehenden Straßenverkehr abgetrennten Radwegen. Diese verlaufen dann auf der vom Fahrverkehr abgewandten Seite der Lärmschutzanlagen und sind dadurch wirksam vor Verkehrslärm geschützt.
Geplante Änderungen im Überblick
Die neue Sallerner Regenbrücke wird die Nordgaustraße (B 15) über den Regen führen und direkt an den Lappersdorfer Kreisel sowie die Autobahn A93 und die B16 anbinden. Das Brückenbauwerk soll dabei zum Stadtbild passen und die ökologisch wertvolle Flusslandschaft möglichst wenig beeinträchtigen. Sie wird den Verkehr auf der Amberger und Lappersdorfer Straße erheblich entlasten und eine leistungsfähige Direktverbindung zwischen dem Stadtnorden und der Innenstadt schaffen.

© Ingenieurbüro Sabine Wiederer
Der Lappersdorfer Kreisel, ein zentraler Verkehrsknotenpunkt an der A 93 (Anschlussstelle Regensburg-Nord), wird umgebaut, um den Anschluss der Regenbrücke zu ermöglichen und den steigenden Verkehrsanforderungen gerecht zu werden. Geplant sind neue Rampen und Verbindungsstraßen, die den Verkehrsfluss verbessern und damit Stauungen reduzieren sollen. Ein neuer Pendlerparkplatz zum Ersatz des aktuell bestehenden soll ebenfalls entstehen.

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Die Nordgaustraße (B 15) wird zwischen der Kreuzung Brennes-/ Isarstraße (am Alex-Center) und der Amberger Straße von aktuell zwei auf vier Fahrstreifen erweitert. Dies soll den Verkehrsfluss verbessern und die Überlastung in Spitzenzeiten beseitigen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Lärmschutz: Eine 399 Meter lange, begrünte Schallschutzeinhausung wird im Bereich „Im Gschwander“ errichtet. Deren Deckel wird begrünt und dann mit Geh- und Radwegen ausgestattet, die die Stadtteile Reinhausen südlich der Nordgaustraße sowie Sallern Gallingkofen und die Konradsiedlung-Wutzlhofen barrierefrei miteinander verbindet.

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Diese Informationen stammen von der offiziellen Seite www.nordspange-regensburg.de, Visualisierungen Ingenieurbüro Sabine Wiederer
Widerstand gegen die Regenbrücke
Die Ziele des Projekts Nordspange Regensburg wirken auf den ersten Blick nachvollziehbar: neue Routen sollen den Verkehr entlasten, Wohngebiete schützen und die Mobilität verbessern. Gleich-zeitig bleiben jedoch einige Fragen offen – und nicht alle sehen die Umsetzung positiv. Immer wieder finden Demonstrationen gegen das geplante Projekt statt – und auch einige Regensburger Parteien lehnen es ab. Eine der bekanntesten Initiativen ist „MOBILITÄT neu denken – ohne Sallerner Regenbrücke“.

Die Initiative „MOBILITÄT neu denken – ohne Sallerner Regenbrücke“. © Herbert Baumgärtner
Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die ihrer Ansicht nach „veraltete Planung“ der Sallerner Regenbrücke zu stoppen. Dafür läuft aktuell ein Bürgerbegehren: Rund 6.000 gültige Unterschriften von wahlberechtigten Regensburgerinnen und Regensburgern wären erforderlich, damit ein Bürgerentscheid stattfinden kann. „Über 4.600 Unterschriften haben wir seit diesem Sommer bereits gesammelt“, erklärt Wolfgang Bogie, Sprecher des Bündnisses. Sollte das Bürgerbegehren erfolgreich sein, könnte das Projekt tatsächlich noch gestoppt werden. Wir haben mit Johannes Maidorn, zuständig für die Projektkommunikation der Nordspange Regensburg, gesprochen und ihn mit ausgewählten Kritikpunkten konfrontiert.
Verlagerung von Staus in die Innenstadt
Ein Kritikpunkt ist, dass der Ausbau leistungsfähiger Straßen mehr Verkehr in die Innenstadt bringt. Die Initiative „MOBILITÄT neu denken“ formuliert dies auf ihrer Website so: „Wir befürchten, dass sich der Stau von der Autobahn in die Stadt verlagert und hier an vielen Tagen „Verkehrschaos“ herrscht – mit allen negativen Folgen, auch für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger. Besonders die Kreuzungen am DEZ und am Alex-Center sind bereits heute Stauschwerpunkte. Die Initiative geht davon aus, dass zusätzliche Fahrzeuge die Situation weiter verschlimmern.
Zudem wird argumentiert, dass gut ausgebaute Verbindungen auch Durchgangsverkehr anziehen könnten, der Regensburg nicht als Ziel hat, sondern die Stadtroute lediglich als Abkürzung nutzt. Die Projektverantwortlichen teilen diese Einschätzung nicht. Projektsprecher Maidorn betont, dass es ausdrücklich nicht Ziel des Vorhabens sei, eine alternative Route zur Autobahn durch das Stadtgebiet zu schaffen. Für den überregionalen Durchgangsverkehr entstehe kein Zeitvorteil – im Gegenteil: Die Autobahn bleibe die schnellere und leistungsfähigere Verbindung.
Ein entscheidender Punkt sei zudem die Verkehrssteuerung. Über die Ampelschaltungen in der Innenstadt könne der Verkehrsfluss gezielt reguliert und gedämpft werden. Lichtsignalanlagen würden gezielt den Verkehr verlangsamen und die Innenstadt für Fern- und Schwerlastverkehr unattraktiv machen: „Ein Lkw-Fahrer wird daher keinen Anreiz haben, die Innenstadt als Abkürzung zu nutzen.“

Das Gebiet - noch ohne Sallerner Regensbrücke. © Ingenieurbüro Sabine Wiederer

Ein Blick auf die entstehende Sallerner Regensbrücke. © Ingenieurbüro Sabine Wiederer
Steht das Projekt einer geplanten Verkehrswende entgegen?
Gegner der Sallerner Regenbrücke kritisieren auch die langfristigen Auswirkungen auf die Mobilität in Regensburg. Die Initiative „MOBILITÄT neu denken“ befürchtet, dass eine vierspurige Brücke mit bis zu 28.000 Fahrzeugen pro Tag der angestrebten Verkehrswende entgegenwirken und den Beginn einer Stadtautobahn durch Regensburg bedeuten könnte. Ziel dieser Wende ist es jedoch, den Individualverkehr zu reduzieren und den öffentlichen Nahverkehr sowie den Rad- und Fußverkehr zu fördern.
Tatsächlich ist aktuell jedoch nicht abzusehen, dass sich der Individualverkehr – ob mit oder ohne Regenbrücke – kurzfristig tatsächlich deutlich verringern wird. Die Stadt muss deshalb aktuell auf bestehende und für die Zukunft prognostizierte Verkehrsbelastungen reagieren, etwa auf die hochbelastete Nordgaustraße oder die Amberger Straße. Eine Entlastung allein durch den Ausbau des ÖPNV wäre wünschenswert, scheint jedoch wenig realistisch.
Projektsprecher Maidorn betont, dass die Sallerner Regenbrücke nicht allein für den Individualverkehr gebaut werde, sondern allen Verkehrsteilnehmenden dienen soll: Radfahrende und Fußgänger erhalten eine zusätzliche schnelle und sichere nördliche Querung über den Regen. Dies könne seiner Ansicht nach den Umstieg auf das Fahrrad oder das Zufußgehen erleichtern und somit eine Verkehrswende sogar unterstützen. „Wie auch immer die Mobilität der Zukunft aussieht – ob mit mehr ÖPNV, Shared Mobility-Angeboten oder anderen Möglichkeiten: Auch die Mobilität der Zukunft braucht eine leistungsfähige Trasse“, so Maidorn und ergänzt: „Es wird immer Autos geben, ob mit Verbrennungsmotor oder elektrisch.“
An der Stelle verweist er klar auf die zwei unterschiedlichen Ziele der Verkehrswende: Einer Antriebswende – die Umstellung von Fahrzeugen auf alternative Antriebe – und einer allgemeinen Reduzierung des Individualverkehrs, sprich weniger Autos auf den Straßen. Auf die Kritik, dass es künftig nicht möglich sei, einen höherwertigen ÖPNV auf der Brücke zu errichten, entgegnet Maidorn: „Die Nordspange wird eine leistungsfähige Trasse für die Mobilität der Zukunft bieten. Dazu gehört auch der ÖPNV. Nordgaustraße und Sallerner Regenbrücke werden so gebaut, dass eine zukünftige Nutzung für den Bus- oder sogar Stadtbahnverkehr möglich ist. Dies ist auch notwendig, da die aktuelle Trasse keinerlei Möglichkeit für höherwertigen ÖPNV bietet. Um die Ziele der aktuellen Planung, sprich die verkehrliche Entlastung im Regensburger Norden zu erreichen, ist in der aktuellen Planung keine exklusive Busspur vorgesehen.“
Wie stark wird die Amberger Straße wirklich entlastet?
Während es als eines der großen Projektziele gilt, die Amberger Straße zu entlasten, geht die Initiative „MOBILITÄT neu denken“ davon aus, dass trotz der Sallerner Regenbrücke etwa 70 Prozent des heutigen Verkehrs – also rund 15.000 Fahrzeuge pro Werktag – in der Amberger Straße verbleiben. Eine spürbare Entlastung wäre demnach nicht zu erwarten. Eine effektivere Lösung, um die Anwohner zu entlasten, wäre laut der Initiative eine Einführung von Tempo 30 tagsüber.

Das Ende der Einhausung nahe dem Harleycenter; nach links beginnt die Amberger Straße Richtung Sallern. © Ingenieurbüro Sabine Wiederer
Mit dieser Einschätzung konfrontiert, erklärt Maidorn, dass Verkehrsprognosen, die den Planungen der Nordspange Regensburg zugrunde liegen, zeigen, dass die Verkehrsbelastung in den kommenden Jahren weiter steigen wird: „Für das Jahr 2030 wird eine tägliche Verkehrsbelastung von bis zu 25.700 Fahrzeugen auf der Amberger Straße prognostiziert. Für diese Verkehrszahlen ist die Amberger Straße nicht ausgelegt.“ Nach Umsetzung der Nordspange werde die Amberger Straße den Berechnungen zufolge um etwa ein Drittel der Fahrzeuge pro Tag entlastet. Bei dem verbleibenden Verkehr in der Amberger Straße werde es sich größtenteils um den sogenannten Ziel- und Quellverkehr handeln – also Fahrten von Anwohnenden rund um den Sallerner Berg. Er ist sich daher sicher, dass sich die Verkehrslage auf der Amberger Straße und insbesondere am Knotenpunkt Chamer Straße insgesamt entspannen wird.
Lärm und Feinstaubbelastung
Während die Befürworter der Sallerner Regenbrücke häufig betonen, dass die Anwohnenden der Amberger und Lappersdorfer Straße entlastet werden, argumentieren Kritiker, dass dennoch Wohngebiete tangiert würden, etwa entlang der Nordgaustraße. Durch den Ausbau auf vier Spuren statt bisher zwei könnte der Verkehr künftig einerseits besser verteilt werden – er birgt jedoch auch das Risiko, dass dadurch mehr Fahrzeuge die Straße nutzen. Gegner befürchten deshalb, dass es sowohl zu einer erhöhten Lärm- als auch Feinstaubbelastung kommen könnte – sowohl während des Baus als auch danach.
Maidorn erläutert, dass sich der Lärmschutz für die allermeisten Anwohnenden im Projektgebiet sogar verbessern werde – zum Teil erheblich. Dafür sorgen sollen aktive Lärmschutzmaßnahmen in allen drei Teilprojekten. Dazu gehören Spritzschutzwände mit einer Höhe von 2,50 Metern an den Außenseiten der Sallerner Regenbrücke sowie Lärmschutzwände an den Zufahrten bzw. Rampen zur Brücke. Im Lappersdorfer Kreisel werden Lärmschutzwände und -wälle entlang neuer Straßen-abschnitte errichtet. Der Ausbau der Nordgaustraße umfasst zwischen einer Vielzahl von Lärmschutzwänden eine 399 Meter lange Schallschutzeinhausung (eine Art Tunnel) im Bereich „Im Gschwander“.
„Bei einigen Gebäuden besteht zusätzlich Anspruch auf passiven Schallschutz (z. B. durch Einbau von Schallschutzfenstern). Diese Maßnahmen sind darauf ausgelegt, die Lärmbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner der Regensburger Straße, der Lappersdorfer Straße und für die angrenzenden Wohngebiete im Markt Lappersdorf als auch für die Anwohnerinnen und Anwohner auf der östlichen Regenseite zu verringern.“, ergänzt Maidorn.
Hinsichtlich der Feinstaubbelastung betont er, dass alle prognostizierten Werte unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert lägen. Auch die höchsten Feinstaubkonzentrationen im Bereich der Nordgaustraße würden demnach im unkritischen Bereich bleiben. Um die Feinstaub- und Lärmbelastungen auf die angrenzenden bebauten und unbebauten Grundstücke bereits während der Bauarbeiten zu minimieren, werden zudem einzelne Schallschutzmaßnahmen bereits vorgezogen umgesetzt.

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Beton vs. Flora und Fauna: Ist die Sallerner Regenbrücke mit Naturschutz vereinbar?
Die Brücke und der Ausbau führen naturgemäß zu mehr Beton. Die Initiative „MOBILITÄT neu denken“ befürchtet zudem eine Flächenversiegelung, die Zerschneidung des Regentalgebiets und den Verlust von Grünflächen – Teile des Geländes liegen in schützenswerten Naturbereichen, darunter ein Flora-und-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet).
Maidorn erklärt, dass im Rahmen der Planfeststellung eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt worden sei. Darin wurden alle Schutzgüter – von Menschen über Boden, Wasser, Luft und Klima bis hin zu Flora und Fauna – bewertet. Alle geplanten Schutzmaßnahmen seien damit rechtskräftig genehmigt.
Zur Vermeidung und Verminderung der Umweltauswirkungen seien verschiedene Maßnahmen geplant: So sollen die Eingriffe in die Regenauen, die Teil eines Flora-Fauna-Habitats sind, minimiert werden. Die Anzahl der Flusspfeiler der Sallerner Regenbrücke wurde auf zwei reduziert, um den Wasserfluss und die natürlichen Lebensräume möglichst wenig zu beeinträchtigen. Die ursprünglich geplanten sieben Betonpfeiler waren ein Kritikpunkt für viele Gegner. Für unvermeidbare Eingriffe würden laut Maidorn Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt, wie die Renaturierung von Flächen und die Schaffung von Ersatzlebensräumen für betroffene Tier- und Pflanzenarten.
Im Untersuchungsgebiet wurden umfangreiche faunistische Kartierungen durchgeführt. „Besonders planungsrelevant sind Eisvogel, Pirol, Dorngrasmücke, Klappergrasmücke, Feldspatz, Trauerschnäpper, Bluthänfling und Stieglitz. Bei den Säugetieren wurde der Biber mit zahlreichen Spuren entlang des Ufers nachgewiesen, während der Fischotter nicht festgestellt werden konnte und eine dauerhafte Besiedelung ausgeschlossen wurde. Mehrere Fledermausarten sind ebenfalls im Gebiet präsent. Darüber hinaus wurden weitere schützenswerte Arten wie der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der Große Feuerfalter, der Nachtkerzenschwärmer und die Grüne Keiljungfer dokumentiert.“, führt Maidorn aus. Als vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen, sogenannte CEF-Maßnahmen, sollen zudem noch vor Baubeginn 20 Fledermauskästen und 20 Nistkästen für höhlenbrütende Vogelarten im Bereich der angrenzenden Ufergehölze angebracht werden. Diese sollen als Ersatz für die vier entfallenden Höhlenbäume dienen und gewährleisten, dass die ökologische Funktion kontinuierlich und ohne zeitlichen Bruch erhalten bleibt.
Zur Kompensation der unvermeidbaren Eingriffe sind insgesamt 49.643 Quadratmeter, also knapp fünf Hektar, an Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen festgesetzt worden. Diese umfassen die Anlage von Gehölzflächen und Hecken, die Entwicklung von extensivem Grünland, Gewässerrandstreifen, die Gestaltung von Böschungen mit Landschaftsrasen sowie die Pflanzung von Einzelbäumen und Baumgruppen. Die Kompensationsmaßnahmen erfolgen dabei direkt im Projektgebiet, aber auch auf externen Ersatzflächen.
„Die Höhere Naturschutzbehörde hat nach Prüfung aller Unterlagen keine Bedenken gegen die Verträglichkeit des Vorhabens mit den Erhaltungszielen des FFH-Gebiets geäußert. Durch die umfangreichen Schutz-, Vermeidungs- und Kompensationsmaßnahmen wird sichergestellt, dass ein günstiger Erhaltungszustand der geschützten Lebensraumtypen und Arten stabil bleibt.“, fasst Maidorn zusammen.
Wer soll das bezahlen?
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich laut der aktuellen Kostenfortschreibung (Stand 2024) auf circa 175 Millionen Euro. Die Finanzierung wird von mehreren Partnern getragen, darunter der Bund, der Freistaat Bayern, die Stadt Regensburg, der Landkreis Regensburg und der Markt Lappersdorf. Auf die Frage, ob die Kosten noch weiter steigen könnten, räumt Maidorn ein: „Bei derart komplexen und langjährigen Infrastrukturprojekten ist es unvermeidbar, dass Kostenschätzungen an aktuelle Entwicklungen angepasst und fortgeschrieben werden müssten – an neue Erkenntnisse aus der Planung, an im Planungsverlauf geänderte Richtlinien und nicht zuletzt an die zur Zeit der Umsetzung üblichen, nicht prognostizierbaren Baupreise (Baupreisindex).“
Für den Ausbau der Nordgaustraße und die kommunalen Kos-tenanteile am Umbau des Lappersdorfer Kreisels wird die Stadt Regensburg eine staatliche Förderung beantragen. Der Freistaat Bayern gewährt für Projekte, die zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse dringend erforderlich sind, Fördermittel auf Grundlage des Bayerischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes und des Bayerischen Finanzausgleichsgesetzes. Wie hoch die Förderquote sein wird, kann laut Maidorn allerdings erst nach Abschluss der laufenden Planungsphase festgelegt werden.
Die Stadtverwaltung Regensburg geht nach aktuellem Stand von einer Förderung in Höhe von mindestens 70 bis 75 Prozent der förderfähigen Kosten aus. Damit würde der weitaus überwiegende Teil der städtischen Investitionen durch den Freistaat Bayern getragen.
Baubeginn und Bauzeit: Wie ist der aktuelle Stand des Projekts?
Nachdem seit Herbst 2024 für das Projekt Baurecht besteht, haben das Staatliche Bauamt Regensburg und die Stadt Regensburg mit den Vorbereitungen für die Detailplanungen begonnen. Dabei entwickeln die Planungsbüros bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Pläne und Leistungsbeschreibungen für die anschließende Umsetzungsphase. Bauleistungen werden ausgeschrieben und vergeben. Maidorn verweist darauf, dass dieser Schritt planungsintensiv sei und viel Zeit in Anspruch nehme. Erst nach der Detailplanung könne die Umsetzung beginnen.
Entlang der Nordgaustraße zwischen der Kreuzung Brennes-/Isarstraße und der Amberger Straße finden bereits Bohrungen zur Untersuchung des Untergrunds statt. Auf Rückfrage, ob weiter davon ausgegangen werde, dass ein Baustart im Jahr 2028 erfolgt, hieß es: „Nach aktuellem Stand ist mit einem Beginn der Arbeiten zum Neubau der Sallerner Regenbrücke nicht vor 2028 zu rechnen. Der Ausbau der Nordgaustraße sowie der Umbau des Lappersdorfer Kreisels sind frühestens ab 2029 vorgesehen.“
Sallerner Regenbrücke: Hilft sie während der Generalsanierung des Pfaffensteiner Tunnels?
Befürworter sehen die Nordspange Regensburg als unverzichtbare Entlastungsroute für den Verkehr aus dem Norden, sobald der Pfaffensteiner Tunnel generalsaniert und teilweise ausgebaut wird. Viele befürchten nämlich, dass es während der Sanierung zu erheblichen verkehrlichen Einschränkungen kommen wird, die die ohnehin angespannte Verkehrssituation im Regensburger Norden noch verschärfen könnte.
Maidorn führt an der Stelle an, dass die Entlastung während der Tunnelarbeiten nicht das Primärziel des Projekts Nordspange sei, es den Verkehr in dieser Zeit jedoch auf jeden Fall abfedern könne.
Um den Verkehr spürbar zu entlasten, müsste die Brücke vor Beginn der Tunnelarbeiten fertiggestellt sein – das hält Maidorn jedoch für sehr wahrscheinlich.
Ein konkreter Baubeginn für die Tunnelarbeiten lässt sich laut öffentlich zugänglichen Informationen auf der Projektwebsite www. tunnel-pfaffenstein.de derzeit nicht feststellen. Für die General-instandsetzung des Tunnels Pfaffenstein ist die Autobahn GmbH des Bundes, Außenstelle Regensburg zuständig. Maidorn betont, dass die Projektgruppe Nordspange Regensburg jedoch in laufendem, engem Austausch mit ihr steht.

Aktueller Blick auf den Uferbereich und hinüber nach Steinweg: hier würde die Brücke queren. © filterVERLAG
Welche sinnvollen Alternativen zur Sallerner Regenbrücke gibt es?
Trotz genannter Vorteile betonen Gegner immer wieder, dass es eine sinnvollere Alternative für das Projekt geben müsse – das mit der Verkehrswende besser vereinbar sei. Doch welche sinnvollen Alternativen zur Regenbrücke gibt es tatsächlich?
„MOBILITÄT neu denken“ behauptet, dass ein umfassendes Mobilitätskonzept, das auf den Ausbau von ÖPNV, Bahn, Park&Ride-Angeboten sowie sichere Rad- und Fußwegen setzt, besser schneller und günstiger sei. Ziel dabei ist es, den Pendlerverkehr aus dem Norden stärker auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlagern und die Abhängigkeit vom Auto zu verringern. Dazu gehören laut ihren Plänen ein S-Bahn-ähnlicher Taktverkehr im Großraum Regensburg, regelmäßige Expressbuslinien, ein verlässlicher Busverkehr im Landkreis sowie Mobilitätsdrehscheiben mit Parkhäusern und günstigen Parkgebühren. Pendler sollen so die Möglichkeit haben, vom Auto auf Bus, Bahn oder Fahrrad umzusteigen, während gleichzeitig durchgehende Radwege zwischen Stadt und Umland eine nachhaltige Alternative für den Alltagsverkehr bieten.
Parallel zu diesen Maßnahmen soll die bestehende Straßeninfrastruktur gezielt gestärkt werden. Die vorhandene Brücke der B16 soll komplett auf vier Spuren ausgebaut werden, um die östliche Umgehungsstraße über die Pilsen Allee zu stärken, aber gleichzeitig die Anwohner vor mehr Lärm zu schützen. Unter der B16-Brücke könnte ein zusätzlicher Steg für Fuß- und Radverkehr entstehen, sodass alle Verkehrsmittel besser vernetzt werden. Teile der Umgehungsroute müssten hierfür eingehaust werden, um die Anwohner der Konradsiedlung und des Brandlbergs, die dann von mehr Verkehr betroffen wären, zu schützen.
Auf diese Weise soll laut der Initiative ein Gesamtkonzept entstehen, bei dem öffentlicher Verkehr, Radwege, Park&Ride und Straßeninfrastruktur zusammenwirken, um die Verkehrsbelastung effizient und nachhaltig zu reduzieren. In diesem Zusammenhang kritisiert die Initiative, dass die aktuellen Pläne des Nordspange-Projekts keine zukunftsfähige Vision für ein attraktives Park&Ride-Angebot vorsehen würden. Maidorn beschreibt, dass am Lappersdorfer Kreisel ein Pendlerparkplatz mit 258 Stellplätzen geplant sei. Dieser kann nach Umsetzung an das bestehende ÖPNV-Netz angeschlossen werden, sodass ein Park&Ride-Angebot möglich ist.
Die vorgeschlagene Umgehungsroute über die östliche Seite der Stadt wirft laut Maidorn mehrere Probleme auf. Zum einen wäre sie für Pendler aus der Innenstadt deutlich länger als die direkte Route zur Autobahn: „Die Menschen wählen immer die kürzeste Route.“ Zum anderen müssten viele – selbst wenn die Pilsen Allee ausgebaut und mit Lärmschutz versehen würde – dennoch über die bereits stark ausgelastete Osttangente in die Innenstadt fahren. „Die Ostumgehung ist mittlerweile sehr gut angenommen und erfüllt ihren Zweck, die Wohngebiete zu entlasten. Ein zusätzlicher Verkehr durch die Umgehungsroute würde die Leistungsgrenzen überschreiten“, betont Maidorn.
Außerdem hätte ein Ausbau der Pilsen Allee dieselben Konsequenzen, wie wenn man die Nordgaustraße ausbaut. „Ich muss eine Bautätigkeit vollziehen, muss in die Landschaft eingreifen und brauche Grundstücke. Mit dem großen Unterschied, dass wir in der Nordgaustraße bereits das Baurecht haben.“ Die erforderlichen Planungs- und Genehmigungsverfahren würden das Projekt zudem erheblich verzögern – genau das, was Bürgerinnen und Bürger häufig kritisieren, nämlich dass sich Vorhaben nur langsam entwickeln.
Darüber hinaus bleibt fraglich, ob der vorgeschlagene Ausbau von Bus- und Bahnnetz sowie die Anbindung des Umlands in so kurzer Zeit umgesetzt werden kann. Unklar ist dabei auch, ob die Menschen die neuen Angebote auch tatsächlich nutzen würden: Einige sind aus praktischen Gründen auf den Pkw angewiesen, andere wollen schlichtweg nicht umsteigen.
Als drittes zentrales Argument verweist Maidorn noch einmal ausdrücklich darauf, dass das Ziel der Nordspange die Entlastung des Verkehrs im Regensburger Norden sei und nicht, Staus auf den Autobahnen zu verringern oder als Durchgangsroute für Fernverkehr, etwa zwischen der Passauer und der Schwandorfer Autobahn, zu dienen. Er ergänzt, dass die vorhandenen Bundesstraßen solche hohen Kapazitäten ohnehin nicht aufnehmen könnten – eine echte Entlastung des Autobahnverkehrs wäre nur durch eine Erweiterung oder einen Neubau der Autobahn selbst möglich. Auch wenn die Route theoretisch im Notfall für Umfahrungen innerhalb der Stadt genutzt werden könnte, wird der Verkehr gezielt gesteuert, um einen Kollaps der Innenstadt zu verhindern.
Wie geht es weiter?
Da die Verkehrsprognosen für den Raum Regensburg trotz der angestrebten Verkehrswende weiter steigende Verkehrszahlen sehen, ist kurzfristig keine Entlastung durch weniger Pkws oder Lkws zu erwarten. Es muss also eine Lösung her, um die aktuelle Überlastung des Verkehrs zu bewältigen und einen Verkehrskollaps in Regensburg zu verhindern.
Gespräche mit den Projektverantwortlichen sowie ein Blick in die Planungen haben gezeigt, dass das Projekt Nordspange bereits viele Faktoren – von Verkehrsentlastung bis Naturschutz – sorgfältig abgewogen hat. Ob Kosten von mindestens 175 Millionen Euro dafür gerechtfertigt sind, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt schwer beurteilen. Gleichzeitig sind die Bedenken der Initiative und anderer Gegner nachvollziehbar.
Um sowohl mittel- als auch langfristig auf die angespannte Situation zu reagieren, ist vermutlich eine Kombination verschiedener Maßnahmen notwendig: Eine Entlastung durch geeignete Straßenbauprojekte, ergänzt durch den Ausbau von ÖPNV, Rad- und Fußwegen sowie Park&Ride-Angeboten, ebenso wie eine bessere Anbindung des Umlands an den öffentlichen Nahverkehr.
Wünschenswert wäre es, wenn Projektverantwortliche und Gegner an einem Tisch zusammenfinden könnten, um gemeinsam an einer vielleicht nicht perfekten, aber guten Lösung für Regensburg zu arbeiten.
Ob die Bauarbeiten für die Nordspange Regensburg nun tatsächlich wie geplant 2028 beginnen und wir bereits in einigen Jahren über die Sallerner Regenbrücke fahren, radeln und spazieren, wird sich zeigen.
Sallerner Regenbrücke: Pro oder Contra - Die Parteien
PRO: CSU, SPD, Freie Wähler, FDP, Brücke, CSB, AfD, Die PARTEI.
CONTRA: Bündnis 90/Die Grünen, ÖDP. Volt, Ribisl, Die Linke.
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