Mit einer Ehrenplakette für May Ayim entsteht an der Universität Regensburg der erste „FrauenOrt“ der Stadt. Die Auszeichnung würdigt Leben und Wirken der Dichterin und Aktivistin und setzt ein klares Zeichen für Vielfalt, Gleichstellung und Erinnerungskultur.
Die Universität Regensburg wird erster „FrauenOrt“ der Stadt und ehrt May Ayim mit einer Plakette – ein starkes Zeichen für Gleichstellung und Erinnerungskultur. Mit einer Ehrenplakette für May Ayim entsteht an der Universität Regensburg der erste „FrauenOrt“ der Stadt. Die Auszeichnung würdigt Leben und Wirken der Dichterin und Aktivistin und setzt ein klares Zeichen für Vielfalt, Gleichstellung und Erinnerungskultur. Ehrenplakette für May Ayim an der Universität Regensburg Universität wird erster „FrauenOrt“ der Stadt Die Universität Regensburg (UR) ist Teil des bayernweiten Projekts „FrauenOrte | Bayerns Frauen – Jede anders stark!“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Am Dienstag wurde auf dem Campus im Rahmen einer Gemeinschaftsaktion der Stadt Regensburg und der Universität eine Ehrenplakette für die Dichterin, Wissenschaftlerin und Antirassismus-Aktivistin May Ayim angebracht. Mit der Würdigung der UR-Alumna entstand zugleich der erste „FrauenOrt“ in der Stadt Regensburg.
„FrauenOrte“ in Bayern
Das Projekt „FrauenOrte“ des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales macht bedeutende Lebensorte von Frauen in Bayern sichtbar. Mit den Worten: „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen, kein Herzogtum, kein Königreich, kein Freistaat und keine Demokratie“ rief das Ministerium vor zwei Jahren dazu auf, für das Projekt „FrauenOrte“ historische Frauenpersönlichkeiten aus ganz Bayern zusammenzutragen. Ziel ist es, die Leistungen und Biografien von Frauen stärker im öffentlichen Raum zu verankern und damit ein Zeichen für Gleichstellung und gesellschaftliche Vielfalt zu setzen. So entstand mit Unterstützung vieler Kommunen und Gemeinden eine Datenbank, die bislang 140 „FrauenOrte“ in ganz Bayern umfasst. Dazu entstand eine Website und seit diesem Jahr gibt es zusätzlich Plaketten, um die Sichtbarkeit vor Ort zu erhöhen. Auch die Stadt Regensburg hat Frauen aus Regensburg recherchiert und eine Liste mit fast zwanzig Frauen an das Bayerische Staatsministerium gesandt. Neben May Ayim hat eine Jury, die die Bayerischen „FrauenOrte“ begleitet, acht weitere historisch bedeutsame Frauen aus Regensburg ausgewählt, die in den nächsten Monaten ebenfalls der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Dies sind Apollonia Diepenbrock, Luise Händlmaier, Barbara Elisabeth Popp, Magdalena Heymair, Margarete Runtinger, Marie Schandri, Judith von Bayern und Paula Weiner Odenheimer.
Anbringung der Ehrenplakette für May Ayim in der UR
Die feierliche Enthüllung des ersten „FrauenOrts“ in Regensburg fand im Foyer des Audimax der Universität statt. Gemeinsam enthüllten die Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und die Bildungsreferentin Dr. Sabine Kellner-Mayrhofer zusammen mit dem Präsidenten der Universität Regensburg, Prof. Dr. Udo Hebel, sowie der Beauftragten für die Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft und Kunst an der Universität Regensburg, Prof. Dr. Astrid Ensslin, die Ehrenplakette. „Mit der Aufnahme in das Projekt „FrauenOrte“ ist die Universität Regensburg Teil eines bayernweiten Netzwerks geworden und setzt zugleich ein klares Zeichen für Diversität, Chancengleichheit und eine lebendige Erinnerungskultur – und gegen Rassismus und Diskriminierung. Dass die Universität Regensburg der erste Standort für eine solche Ehrenplakette in Regensburg ist, unterstreicht ihre besondere Bereitschaft zur gesellschaftlichen Verantwortung“, erklärt UR-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel. Für die Regensburger Oberbürgermeisterin zählt der Besuch der Universität und die Anbringung der Ehrenplakette zu einer ihrer letzten Amtshandlungen vor dem Ende ihrer Amtszeit. „Die Sichtbarkeit weiblichen Handelns im öffentlichen Raum sowie die Würdigung ihres Beitrags in Geschichte, Politik und Kunst sind zentrale Voraussetzungen für tatsächliche Gleichstellung. Es braucht Vorbilder und kraftvolle Frauengeschichten, die erlebbar sind und insbesondere jungen Menschen als Quelle der Inspiration dienen können. Denn die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ist gelebte Demokratie“, erklärt Gertrud Maltz-Schwarzfischer.
Über May Ayim
Die Anbringung der ersten Plakette dieser Art in Regensburg würdigt das Leben und Wirken der UR-Alumna May Ayim (1960–1996), die als eine der zentralen Stimmen der afrodeutschen Bewegung gilt. Ayim war eine afrodeutsche Dichterin, Wissenschaftlerin und zentrale Aktivistin der Schwarzen Bewegung in Deutschland. Geboren in Hamburg als Tochter einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Medizinstudenten, wuchs sie nach einer frühen Adoption in einer weißen deutschen Familie in Münster auf und erlebte dort bereits in ihrer Kindheit Ausgrenzung und Rassismus. Sie studierte Pädagogik und Psychologie an der Universität Regensburg und schloss 1986 mit einer wegweisenden Arbeit zur Geschichte und Lebensrealität afro-deutscher Menschen ab, die später unter dem Titel „Farbe bekennen“ veröffentlicht wurde und als Grundlagenwerk gilt. „Es hat lange gebraucht, bis mir bewusst wurde, dass ich aus mir selbst heraus einen Wert habe. In dem Moment, als ich zu mir „ja“ sagen konnte, ohne den geheimen Wunsch nach Verwandlung, war die Möglichkeit gegeben, die Brüche in mir und meiner Umgebung zu erkennen … und aus ihnen zu lernen.“ May Ayim, in „Grenzenlos und unverschämt“, 1997 In den 1980er-Jahren zog sie nach Berlin, war Mitbegründerin der Initiative Schwarze Deutsche und engagierte sich international gegen Rassismus sowie für die Sichtbarkeit afro-deutscher Identitäten. Neben ihrer wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeit wurde sie insbesondere durch ihre politische Lyrik bekannt, in der sie Erfahrungen von Rassismus, Zugehörigkeit und Identität verarbeitete und die bis heute große gesellschaftliche Relevanz besitzt. May Ayim gilt als eine der prägendsten Stimmen der afrodeutschen Bewegung und Pionierin der kritischen Auseinandersetzung mit Rassismus in Deutschland.
Germanistentheater gibt Einblicke in Ayims Leben
Prof. Dr. Astrid Ensslin, Beauftragte für die Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft und Kunst an der Universität Regensburg, ordnete die Bedeutung der Ehrung aus Perspektive der Gleichstellungsarbeit ein: „Momente wie dieser gehören zu den wichtigsten in der Gleichstellungsarbeit: Sie regen uns dazu an, zu fragen, ob unsere Universität ein guter Ort für Frauen ist und was wir noch besser machen können. Trotz großer Fortschritte bestehen weiterhin strukturelle Ungleichheiten im Wissenschaftssystem. Ayims lyrisches und wissenschaftliches Werk sowie ihr Aktivismus haben die Auseinandersetzung mit Rassismus und intersektionalen Perspektiven in Deutschland maßgeblich geprägt. Umso wichtiger ist es, Frauen wie May Ayim sichtbar zu machen und ihr Werk sowie ihr Engagement als Inspiration für Gleichstellung, Vielfalt und gesellschaftliche Verantwortung zu würdigen.“ Bildungsreferentin Dr. Sabine Kellner-Mayrhofer erinnert: „Als Bildungsreferentin bin ich überzeugt: Wenn wir sichtbar machen, dass Frauen und insbesondere auch Schwarze Frauen in historischen Erzählungen oft strukturell fehlen und ihre Perspektiven bewusst einbeziehen, können wir jungen Menschen den Wert von Vielfalt, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität sehr viel authentischer vermitteln.“ Im Anschluss an die Anbringung der Plakette gaben Studierende des Germanistentheaters der Universität Regensburg gemeinsam mit der Stadtführerin Irmi Kurz Einblicke in das Leben und Wirken May Ayims. Die Beiträge eröffneten den Anwesenden einen persönlichen Zugang zur Biografie der ehemaligen Regensburger Studentin und engagierten Kämpferin gegen Rassismus. Irmi Kurz erklärt: „Meine Berufung ist es, mich mit der Geschichte meiner Heimatstadt auseinanderzusetzen. Die der Regensburger Frauen war mir dabei schon immer besonders wichtig, da sie leider bisher wenig sichtbar ist. Ich freue mich sehr, mit den „FrauenOrten“ neue Inspiration für meine Stadtführungen zu haben.“
Ein Ort des Gedenkens und des Dialogs
Die Ehrung von May Ayim steht exemplarisch für das Anliegen des Projekts „FrauenOrte“, weibliche Biografien sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur zu würdigen. Die Universität Regensburg greift dieses Anliegen auf und verankert es nachhaltig im universitären Raum. Mit der neuen Ehrenplakette ist nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Dialogs entstanden. Studierende, Beschäftigte und Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich mit dem Leben und Wirken May Ayims auseinanderzusetzen und Impulse für eine offene, vielfältige Gesellschaft mitzunehmen.
Universität Regensburg / RNRed