Wieviel Sport tut Menschen mit Diabetes gut? Und wie können neueste Diabetes-Technologien hier unterstützen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet das Diabetes- und Ernährungsteam des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg beim 32. Diabetes- und Stoffwechseltag im Rahmen von Vorträgen und einem Workshop.
Das Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg lädt alle Interessierten zum Diabetes- und Stoffwechseltag am Samstag, den 09. Mai, von 09:00 Uhr bis 12:00 Uhr ein. Der international renommierte „Bewegungsspezialist“ Professor Dr. Othmar Moser zeigt, wie innovative Technik Menschen mit Diabetes unterstützen kann. Im Fokus steht das derzeit modernste Diabetesmanagement-System (AID-System), das über einen intelligenten Algorithmus die Insulinabgabe automatisch an die Blutzuckerwerte anpasst. Professor Moser, selbst Typ-1-Diabetiker und ehemaliger Leistungssportler, bringt dabei auch seine persönlichen Erfahrungen ein.
Moderne Therapie im Fokus
Außerdem klären Diabetesexpertinnen und -experten um Frau Professorin Dr. Ute Hoffmann, Chefärztin der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie, über die Rolle von Eiweiß in der Ernährung bei Diabetes mellitus auf. Betroffene erhalten zudem praxisnahe Informationen, wie man kribbelnde Füße als Folge von Nervenschädigungen durch erhöhte Blutzuckerwerte in den Griff bekommt. Weiterhin gibt es wertvolle Tipps zur Wundbehandlung für offene Füße beim diabetischen Fußsyndrom. Im Anschluss an die Kurzvorträge lädt das Diabetesteam zusammen mit Professor Moser zu einem Workshop ein: Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten aus erster Hand über ihre Erfahrungen im Alltag mit den aktuell verfügbaren technischen Systemen. Eine begleitende Ausstellung bietet Einblicke in neueste Diabetestechnologie und -therapie. Besucherinnen und Besucher können sich jederzeit aktiv einbringen und auch individuelle Fragen stellen.
Start der Veranstaltung ist um 09:00 Uhr im Großen Hörsaal des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei. Das komplette Programm zum 32. Diabetes- und Stoffwechseltag gibt es online auf www.barmherzige-regensburg.de.
Erfahrungsbericht aus der Praxis
Wie eine junge Frau mit Diabetes im Alltag vom AID-System profitiert.
Die Regensburgerin Anna* (*Name geändert) ist Anfang 20. Vor rund 10 Jahren wurde bei ihr ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert.
Als du die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten hast: Was ging da durch deinen Kopf?
Es war ein riesengroßer Schock! Ich war eine ganz normale Jugendliche. Von Diabetes hatte ich zwar gehört, wirklich Ahnung hatte ich aber nicht. Auch wenn mir die Angst vor der Krankheit und möglichen Einschränkungen schnell genommen wurde, war der Diabetes in den ersten Jahren sehr präsent. Ich hatte ständig viel im Kopf, andere in meinem Alter lebten unbeschwerter.
Welche Diabetes-Management-Systeme hast du im Laufe der Zeit kennengelernt und genutzt?
Anfangs habe ich meinen Blutzucker noch mit Fingerpieksen gemessen und Insulin per Pen gespritzt. Schon bald kamen die ersten Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) auf den Markt, deren Kosten glücklicherweise rasch von der Krankenkasse übernommen wurden. Das war eine Erleichterung, da das ständige blutige Messen entfiel. 2018 bin ich zusätzlich auf eine Insulinpumpe umgestiegen und muss seitdem kein Insulin mehr per Hand spritzen.
Vor circa 5 Jahren hast du dich für ein sogenanntes AID-System entschieden. Kannst du kurz erklären, wie das funktioniert?
Mit der Kombination aus dem CGM-System, das den Blutzucker kontinuierlich und selbständig misst und der Insulinpumpe hat man quasi zwei kleine „Pflaster mit Technik“. Das erleichtert das Handling im Alltag deutlich. Aber ich bin immer noch „die Fahrerin“ für meinen Diabetes: Ich sehe meine Werte und entscheide eigenständig, wie viel Insulin ich brauche. Die Geräte sind Hilfsmittel, die für mich das Fahren angenehmer machen.
Ein AID-System geht einen Schritt weiter: Ein Algorithmus vernetzt beide Systeme, passt die Insulinabgabe automatisch an und lernt kontinuierlich dazu. Um im Bild zu bleiben: Ich sitze weiterhin am Steuer, habe aber einen Autopiloten an meiner Seite, der aktiv mithilft.
Das hört sich nach einem großen Fortschritt an. Dennoch stellen nicht alle Menschen mit Diabetes auf ein solches System um. Warum?
Wir Menschen mit Diabetes sind es gewohnt, unsere Blutzuckerwerte genau steuern zu wollen. Beim AID-System braucht es viel Vertrauen in die Technik. Zugegebenermaßen fiel auch mir das anfangs nicht leicht: Ich habe häufig eingegriffen. Dabei ist genau das eigentlich nicht sinnvoll, weil das System so nicht richtig lernen kann. Der Umstieg war für mich daher auch ein Umdenkprozess: Ich musste dem System mehr Raum geben.
Was hat sich durch diese derzeit modernste Form des Diabetesmanagements für dein Leben geändert?
Mein Leben ist leichter und unbeschwerter geworden. Vor allem nachts muss ich mir keine Gedanken mehr über Unter- oder Überzuckerungen machen. Auch beim Sport fühle ich mich sicherer, das schätze ich sehr. Und selbst wenn ich einmal etwas übersehe oder vergesse, hält das System mich insgesamt stabil. Das entlastet mich mental enorm: Ich kann öfter abschalten vom Diabetes, gleichzeitig sind meine Blutzuckerwerte konstanter. Ich kann heute alles machen, was Menschen ohne Diabetes auch machen!
KRANKENHAUS BARMHERZIGE BRÜDER REGENSBURG / RNRed