Im hektischen Alltag bleibt oft kaum Zeit für Entspannung. Dabei ist es so wichtig, sich ab und zu eine kleine Auszeit zu gönnen. Tatsächlich reichen oft schon 30 Minuten – wenn man sie richtig nutzt, fühlen sie sich fast wie Urlaub an.
7:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Wir stehen auf und sind sofort im Funktionsmodus: Aufstehen, anziehen, ein schneller Kaffee und ab ins Hamsterrad. Hier jagt häufig ein Termin den nächsten. Nach der Arbeit müssen Erledigungen gemacht werden: Einkaufen, Haushalt – sportliche Aktivitäten und Freunde sollen natürlich auch nicht zu kurz kommen. Manchmal fühlt es sich so an, als würden wir lediglich „funktionieren“. Genau dann ist es höchste Zeit, den Pause-Knopf zu drücken – und uns eine Auszeit zu gönnen. Natürlich können die meisten nicht von jetzt auf gleich alles stehen und liegen lassen und für drei Wochen ans Meer fliegen. Und das muss auch gar nicht sein. Schon eine halbe Stunde kann reichen, um den Alltag zu entschleunigen.
Viele werden jetzt denken: ‚Und woher soll ich diese zusätzliche Zeit bitte hernehmen, wenn ich ohnehin schon jeden Tag drei Stunden mehr bräuchte?‘ Doch wer beginnt, diese Art von Me-Time bewusst einzuplanen, wird merken, dass sich das Leben plötzlich leichter anfühlt. Das bedeutet nicht, dass sich die Aufgaben wie durch Zauberhand von selbst erledigen, doch vieles erscheint müheloser. Schon kurze, regelmäßige Pausen, sogenannte Micro Breaks, können die Leistungsfähigkeit spürbar verbessern und den typischen Konzentrationsabfall im Tagesverlauf deutlich abmildern. Sie ermöglichen es dem Gehirn, sich zu regenerieren und die nächsten Aufgaben so klarer zu strukturieren. Zudem können sie dabei helfen, mentaler Erschöpfung vorzubeugen.
Den Blick ins Außen richten – statt aufs Smartphone
Und so geht’s: Der erste Schritt besteht darin, den Arbeitsplatz zu verlassen, statt die Mittagspause zum Beantworten von E-Mails zu nutzen. Es klingt banal, aber schon ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft, auch wenn er nur fünf oder zehn Minuten ist, kann nicht nur das Herz-Kreislauf-System stärken, sondern auch die mentale Gesundheit verbessern. Stress wird abgebaut, die Stimmung stabilisiert sich und der Kopf wird freier.
Wichtig: Das Handy bleibt dabei in der Tasche – und die Kopfhörer auch. Das fühlt sich zu Beginn seltsam an, manche wissen gar nicht mehr, wie sie sich ohne die Dauerberieselung beschäftigen sollen. Doch es wird leichter – es wird sogar richtig gut. Experten empfehlen, regelmäßig den Blick nach außen zu richten. Was sehe ich? Was rieche ich? Was höre ich? Und die Gedanken wandern von selbst vom Inneren – der Planung, dem Ärger mit dem Chef, der engen Deadline – ins Außen. Psychologen sprechen hier von einer einfachen Form der Achtsamkeit mit externer Aufmerksamkeitsfokussierung. Viele, die dieses Tool bereits ausprobiert haben, beschreiben, dass die ‚Gedanken leiser werden‘.

© pexels / Omar Ramadan
Urlaub im Miniformat
Eine weitere Möglichkeit für eine kleine Auszeit ist es, sich in die Lieblingsbäckerei oder ein Straßencafé zu setzen und einfach die Menschen zu beobachten. Mit einem Cappuccino oder einem kühlen alkoholfreien Weißbier in der Sonne kommt uns das Leben plötzlich wieder richtig gut vor – wir fühlen uns fast wie ein Tourist in der eigenen Stadt. Wir sehen die lachenden Menschen, die
bunten Farben und genießen für einen Moment einfach nur das Dasein, ohne etwas leisten oder erreichen zu müssen.
Wer sich nun nicht jeden Tag einen Kaffee leisten kann oder möchte, kann sich auch mit seiner Brotzeit oder dem Kaffee aus dem Büro auf eine Parkbank setzen und dort abschalten. Wichtig ist, raus aus dem Büro oder Werk zu kommen, die Umgebung zu wechseln und diesen Moment ganz bewusst und ohne Handy zu genießen.
Zurück aus diesem halbstündigen Miniurlaub kommen uns einige Probleme, die davor unlösbar schienen, gar nicht mehr so tragisch vor. Die Auszeit lässt Stress nicht auf wundersame Weise verschwinden, macht unseren Alltag aber einfacher – und so viel schöner. Und ist es nicht genau das, worauf es ankommt: sich solche Momente, die sich anfühlen wie Urlaub, immer wieder bewusst zu schaffen, anstatt ständig auf die nächste Reise wartend das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen?
Marina Triebswetter I filter Magazin