Wenn die Fußball-WM läuft, wird das Wohnzimmer oder die Kneipe zur Fan-Zone: Langes Sitzen, gespannte Körperhaltung und Public Viewing belasten Rücken und Nacken. Ein Experte erklärt, wie kleine Pausen, Bewegung und Dehnen helfen, 90 Minuten voller Spannung entspannt zu überstehen.
Wenn die Fußball-WM läuft, gelten andere Regeln. Abendessen werden nach Anstoßzeiten geplant, Schlafrhythmen verschoben und Sofas zu Dauertribünen umfunktioniert. Auch Bierbänke und Public Viewing-Areale dienen während des Turniers als beliebte Aufenthaltsorte. Zwischen Verlängerung und emotionalen Höhenflügen gerät allerdings ein Mitspieler schnell ins Abseits: der Rücken. Warum langes Mitfiebern körperlich anstrengender ist als gedacht, weshalb selbst Jubelszenen zur Belastungsprobe werden können und mit welchen kleinen Tricks Fans entspannter durchs Turnier kommen, erklärt Dr. Munther Sabarini, Neurochirurg und Gründer der Avicenna Klinik Berlin.
Wenn das Wohnzimmer zur Fan-Kurve wird
Tatsächlich verwandeln große Turniere Wohnzimmer regelmäßig in kleine Hochleistungsarenen. Der Körper sitzt angespannt auf der Sofakante, die Schultern wandern Richtung Ohren und spätestens beim entscheidenden Freistoß wird die Luft angehalten wie beim olympischen Synchronschwimmen. Nach mehreren Spielen pro Woche melden sich dann oft Nacken, Schultern oder der untere Rücken mit Beschwerden zurück. Nicht viel besser sieht es beim Public Viewing aus. Harte Bierbänke, stundenlanges Stehen oder zusammengesunkene Haltungen auf Klappstühlen machen den Rücken schnell zum Verlierer des Abends. „In der Euphorie werden Warnsignale wie ziehende Schmerzen im unteren Rücken, verspannte Schultern, ein steifer Nacken oder taube Beine nach langem Sitzen oder Stehen oft ignoriert“, weiß der Berliner Rückenexperte.
Halbzeitpause für die Bandscheiben
Dabei muss die WM keineswegs zur Belastungsprobe für die Wirbelsäule werden. Schon kleine Veränderungen helfen, entspannter durch die Turnierwochen zu kommen. „Wer beim Mitfiebern regelmäßig die Position wechselt und nicht über Stunden regungslos sitzen bleibt, entlastet Muskulatur und Bandscheiben deutlich“, erklärt Dr. Sabarini. Halbzeitpausen bieten zudem die perfekte Gelegenheit für ein paar Schritte durch die Wohnung, den Garten oder Richtung Kühlschrank – Hauptsache, Bewegung. Langes Sitzen in zusammengesunkener Haltung, ob auf dem Sofa oder der Bierbank, fordert dagegen Rücken und Schultern unnötig. Besonders entlastend nach 90 Minuten Dauereinsatz wirken im Anschluss lockere Dehnbewegungen für Rücken, Schultern und Hüfte. So startet der Körper deutlich entspannter in die nächste Partie.
Verlängerung für die Muskulatur
Auch emotional geht die WM nicht spurlos am Körper vorbei. Bei Elfmeterschießen, Nachspielzeit oder knappen Spielständen spannt sich die Muskulatur oft unbewusst an, Schultern ziehen nach oben und der ganze Körper schaltet in Alarmbereitschaft. „Viele merken gar nicht, wie sehr sie während eines Spiels unter Spannung stehen“, erklärt Dr. Sabarini. „Kurzes Aufstehen und Umhergehen direkt nach besonders aufregenden Szenen hilft dem Nervensystem dabei, wieder herunterzufahren.“ Grundsätzlich spricht medizinisch allerdings nichts gegen ausgedehnte Fußballabende. Im Gegenteil: Gemeinsames Mitfiebern, Emotionen und positive Erlebnisse wirken sich häufig günstig auf Wohlbefinden und Psyche aus. Kritisch wird es erst dann, wenn Bewegung über Wochen zur Nebensache wird und Fußballabende fast ausschließlich im Sitzen stattfinden. Oder wie Dr. Sabarini es formuliert: „Der Rücken ist kein Fan von Verlängerungen auf dem Sofa.“
Borgmeier Public Relations / RNRed